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06.05.2014

14:44 Uhr

Neue Konzernstrategie

Kaeser tauscht Köpfe bei Siemens

ExklusivAm Mittwoch stellt Siemens-Chef Joe Kaeser die Konzernstrategie vor. Schon jetzt ist klar: Der Vorstand wird vom Umbau nicht verschont bleiben. Der Energievorstand muss gehen – und wird ersetzt durch eine Amerikanerin.

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MünchenSiemens-Chef Joe Kaeser will seine neue Konzernstrategie mit einer neuen Führungsmannschaft umsetzen. Energievorstand Michael Süß verlässt das Unternehmen, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Ihm wird vor allem vorgeworfen, dass er zu lange nur auf große Gaskraftwerke setzte. Siemens muss nun teuer zukaufen, um die Lücken im Produktportfolio zum Beispiel bei kleineren Gasturbinen zu füllen.

Bei seinem Vorstandsumbau will Kaeser auch für mehr Diversität sorgen. Laut Unternehmenskreisen wird eine Frau in den Vorstand einziehen. Nach dem Abschied von Barbara Kux und Brigitte Ederer waren die deutschen Männer im Siemens-Vorstand in den vergangenen Monaten wieder unter sich. Kaeser hatte immer wieder klargestellt, dass dies kein Dauerzustand sein könne. In der zweiten Reihe hatte er bereits mehrere Frauen befördert – so leitet Janina Kugel seit einigen Monaten die Führungskräfteentwicklung.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen wird Shell-Managerin Lisa Davis den Vorstandsposten von Süß übernehmen. Die Amerikanerin soll auf der Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend vorgestellt werden. Siemens wollte die Informationen über Davis und den Abschied von Süß nicht kommentieren. Personalthemen seien Sache des Aufsichtsrats. Das Kontrollgremium tritt am Dienstagabend zusammen.

Die Zuständigkeiten im Vorstand müssen ohnehin neu verteilt werden. Kaeser wird am Mittwoch bei der Vorstellung seiner neuen Strategie die Auflösung der vier Sektoren verkünden. Für diese waren im Vorstand bislang neben Süß noch Siegfried Russwurm (Industrie), Hermann Requardt (Medizintechnik) und Roland Busch (Infrastruktur) verantwortlich.

Von

ax

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

06.05.2014, 08:00 Uhr

Zitat : Bei seinem Vorstandsumbau will Kaeser auch für mehr Diversität sorgen. Laut Unternehmenskreisen wird eine Frau in den Vorstand einziehen.

- und bei der nächsten Umstrukturierung wird es heißen, Siemens konzentriert sich auf das Kerngeschäft.....weg von der Diversität !

Alles schon gehabt, nichts Neues, Quoten-Frauen werden den Untergang dieses bürokratischen Monsters noch beschleunigen !

Jo Kaeser ist wohl ein guter Abwickler....nach Abwicklung der Handy-Sparte wickelt er jetzt den Konzern ab !

Good Bye Siemens !


.

Account gelöscht!

06.05.2014, 10:25 Uhr

... wenn ich mir sein Bild so ansehe, dann könnte er auch einen neuen Kopf gebrauchen ... ;)

Account gelöscht!

06.05.2014, 10:58 Uhr

Es ist erstaunlich, dass Siemens noch existiert, bei der Leidensgeschichte mit den Vorständen und Aufsichtsräten.

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