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02.05.2013

12:56 Uhr

Neuer Chef bei Shell

Üppige Gewinne der Ölriesen versiegen

VonSebastian Ertinger

Der vergleichsweise niedrige Ölpreis macht den Energieriesen zu schaffen – die ersten Konzerne melden Gewinneinbußen. In diesem schwierigen Umfeld verliert Shell jetzt auch noch seinen Vorstandschef.

Ein Öl-Schiff von Shell: Der schwache Ölpreis belastet das Geschäft. dpa

Ein Öl-Schiff von Shell: Der schwache Ölpreis belastet das Geschäft.

DüsseldorfDer britisch-niederländische Ölkonzern Shell wartet mit einer Überraschung auf: Vorstandschef Peter Voser zieht sich bis 2014 von der Spitze zurück. Nun wolle er mehr Zeit für Familie und Privatleben haben, erklärte Voser. Der 54-Jährige leitet den Konzern seit 2009. Der Konzern werde sich sowohl intern als auch außerhalb nach einem Nachfolger umsehen, sagte eine Sprecherin.

Der Rückzug Vosers fällt in ein zunehmend schwieriges Umfeld für die Öl-Riesen der Welt: Bislang galten Shell, Exxon und Co. als zuverlässige Gewinnmaschinen. Doch die schwache Preisentwicklung bei Energieträgern wie Öl und Gas schmälern zunehmende die Gewinnmargen der großen Unternehmen. Steigende Ausgaben für die Förderung sowie die Entdeckung und Erschließung neuer Vorkommen verschärfen den Negativtrend.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

Bislang können die Energie-Giganten die sinkenden Einnahmen in der Rohölförderung durch höhere Erträge im Raffineriegeschäft ausgleichen. So meldet Shell am Donnerstag sogar einen Gewinnanstieg auf 7,5 Milliarden Dollar von 7,3 Milliarden im Vorjahresquartal. Der Konzern übertraf damit die Markterwartungen. Grund für den Anstieg waren hohe Einnahmen aus neuen Projekten sowie ein starker Handel. Der Konzernumsatz sank dagegen von 119,92 auf 112,81 Milliarden Dollar. Die Shell-Aktie notiert in London 0,9 Prozent im Plus. Auch Exxon hatte zum Jahresauftakt weiter gut Erträge gemeldet. BP übertraf sogar die Erwartungen der Experten.

Zieht einen Schlussstrich: Shell-Chef Peter Voser tritt im Jahr 2014 ab. Reuters

Zieht einen Schlussstrich: Shell-Chef Peter Voser tritt im Jahr 2014 ab.

Doch bei anderen Konzernen der Branche zeichnet sich bereits eine Wende zu mageren Zeiten ab. So hat der norwegische Energiekonzern Statoil wegen der schwankenden Öl- und Gaspreise sowie Problemen in der Produktion zu Jahresbeginn deutlich weniger verdient. Belastet wurde die Quartalsbilanz zudem durch die Attacke von Terroristen auf ein Gasfeld in Algerien im Januar.

Der operative Gewinn fiel im ersten Quartal 2013 um 28 Prozent auf umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Damit wurden die Markterwartungen deutlich verfehlt. Konzernchef Helge Lund erklärte dies unter anderem damit, dass mehrere Öl- und Gasfelder weniger Kapazität lieferten. An der Börse büßten Statoil-Aktien mehr als drei Prozent ihres Wertes ein.

Zuvor hatte auch der US-Konzern Chevron im ersten Quartal unterm Strich einen Gewinn von 6,2 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gemeldet. Das waren fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Beim französischen Rivalen Total fiel der Gewinn sogar um die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro. Hier kamen erschwerend Produktionsausfälle in der Nordsee und der kostspielige Ausstieg aus dem kanadischen Ölsandprojekt Voyageur hinzu. Analysten bezeichneten die Ergebnisse als enttäuschend. Der Preis für Öl der Sorte Brent lag in den ersten drei Monaten im Schnitt um fünf Prozent unter dem des Vorjahresquartals.

Die schwache Preisentwicklung macht zudem Investitionen unattraktiv. Im harten Konkurrenzkampf um die raren Vorkommen investiert etwa Shell Milliarden in die Suche nach neuen Ölfeldern. Analysten zufolge gibt der Konzern dafür mehr aus als andere. Von Erfolg gekrönt war dies bislang aber nicht. So investierte Shell allein in der Arktis seit 2006 fünf Milliarden Dollar, ohne dass bislang auch nur ein Bohrloch fertiggestellt wurde. Auch in Nigeria, wo die Bohrungen wegen Umweltschäden ebenfalls umstritten sind, stieß Shell auf Schwierigkeiten.

Mit Material von Reuters und Bloomberg.

Kommentare (6)

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02.05.2013, 11:56 Uhr

Na das ist ja tragisch, dass Exxon und co jetzt vielleicht nicht mehr 40 mrd Dollar Gewinn pro Jahr machen !

Ich bin sicher, bei 30 mrd im Jahr werden die Manager auch nicht gerade verhungern.

HofmannM

02.05.2013, 12:06 Uhr

Da sieht man mal wieder, wie positiv sich das Fracking auf den Oelpreis im Marktwettbewerb auswirken kann. Mehr Angebot bei leicht zunehmender Nachfrage wird auf Dauer einen Preisnachlass für den Endkunden bedeuten. Vorausgesetzt der Staat haut nicht schon wieder mit höheren/neuen Steuern/Abgaben in das Verbraucher-Marktgeschehen rein.

Oilup

02.05.2013, 12:06 Uhr

Der Oelpreis ist gedrückt, da die USA einen tiefen Oelpreis braucht um die Inflationsraten niedrig zu halten und so den Leitzins auf tiefsten Niveau und FED Bondkäufe weiter expansiv halten zu können. Es wird die Illusion erzeigt von einer energieautarken USA.
Fracking u. shale gas etc. dienen dienen ebenso diesen Zweck.

Ein weiterer Preisverfall des Dollars wird früher oder später den Oelpreis massiv nach oben treiben.

In den letzten 60ig Jahren ist um mal eine Groessenordnung zu nennen, USD/CHF von 4.43 auf 0.93 gesunken. 79% hat der $ die Weltleitwährung an Wert zum Franken verloren. Hingegen das Oel, alleine durch die knappe Resourcen, den Wert in Zukunft steigern sollte. DEr Anstieg des Oelpreises wird und die damit steigende Inflation wird das Ende der niedrig Zinsen bedeuten.

In Oelfirmen wie FP, RDSA, STL bin ich investiert, bei günstigen Einstiegspreisen, und werde bei Korrekturen zukaufen. Ich spekuliere nicht unbedingt auf kurzfristige Kursgewinne aber auf üppig sprudelnde Dividenden.

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