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01.04.2011

08:02 Uhr

Neuer Vorstandschef

"Nichtsegler" Lerbinger punktet bei der HSH

VonMarc Schneider, Oliver Stock

Wenn der neue HSH-Chef Paul Lerbinger heute seinen Dienst antritt, hat er vor allem die Aufgabe, die Landesbank aus den Schlagzeilen zu halten. Stattdessen soll die HSH wieder Erträge abwerfen. Die Strategie: Langeweile.

Lerbinger führte bereits am Donnerstag statt Nonnenmacher durch die Bilanzpressekonferenz der Nordbank. Quelle: dapd

Lerbinger führte bereits am Donnerstag statt Nonnenmacher durch die Bilanzpressekonferenz der Nordbank.

HamburgZu Beginn musste der Neue den Alten entschuldigen: Paul Lerbinger, seit heute an der Spitze der unter Skandalen und Skandälchen ächzenden Landesbank in Hamburg, trat bereits gestern an Stelle von Dirk Jens Nonnenmacher auf und gab beredt Auskunft zu den jüngsten Zahlen der HSH. Es sei ja auch praktischer, wenn sich die Öffentlichkeit an das neue Gesicht gewöhne. Dass Nonnenmacher, der wegen einer Bespitzelungsaffäre abdankte, wenig Lust verspürt haben dürfte, zum Abschied in die Kameras zu winken, blieb dabei unausgesprochen.

Jetzt also Lerbinger: Seitenscheitel, Metallbrille, kantiges Gesicht. Zupackend und damit das optische Gegenbild zu Nonnenmacher, der stets auftrat, als lebte er in seiner eigenen Welt aus Zahlen und Werten, die nicht jeder in seiner Umgebung verstand. Der 55-jährige Lerbinger, ein, wie die Hanseaten vermerken "Nichtsegler", hat es zumindest geschäftlich etwas einfacher als sein Vorgänger. Die HSH ist 2010 nach zwei verlustreichen Jahren in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Haupteigner Hamburg und Schleswig-Holstein hatten die durch milliardenschwere Fehlspekulationen in Schieflage geratene Nordbank durch Garantien und eine Kapitalspritze vor dem Aus gerettet. Die zu zahlenden Gebühren kosteten die Bank im vergangenen Jahr insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Nordbank will in diesem Jahr drei Milliarden an Staatsgarantien zurückgeben. Bis Mitte 2012 soll der Bürgschaftsrahmen des Bankenrettungsfonds von zuletzt noch neun Milliarden Euro vollständig zurückgegeben werden. Entscheidend wird sein, ob die EU am Ende akzeptiert, wie es bei der HSH vorangeht.

Lerbingers Solidität ist dabei das wichtigste Pfund: Langweilig soll die Bank werden, Erträge statt Schlagzeilen abwerfen. Sie kann nicht mehr das große Rad drehen. Ihr Chefaufseher Hilmar Kopper kennt Lerbinger noch aus seiner Zeit bei der Deutschen Bank. Sein Eindruck dürfte nicht der eines Leichtmatrosen gewesen sein. Nach Jahrzehnten der Beratung auf der Seite des Investmentbankers bot Kopper dem Oberallgäuer die Chance, ganz an die Spitze einer Bank zu klettern. Fußballfan Lerbinger weiß, dass er mit der HSH nicht erste Liga spielt, doch die Aufgabe reizte ihn trotz Restriktionen: Das Jahressalär darf nicht mehr als 500 000 Euro betragen, und die Bank bleibt mit ihren öffentlichen Anteilseignern Hamburg und Schleswig-Holstein ein politisches Institut. Am Konzernsitz Hamburg wird es Lerbinger mit einer nach dem fulminanten Wahlsieg selbstbewussten SPD zu tun haben.

Mit der Szene an Alster und Elbe immerhin ist er vertraut. Den früheren Senat hatte Lerbinger beim Börsengang des Hafenbetreibers HHLA beraten.

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