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03.01.2017

16:01 Uhr

Neujahrsvorsätze

So verfolgen Sie eisern Ihre Ziele

VonLisa Oenning

Im neuen Jahr wollen sich viele Deutsche gesünder ernähren, abspecken und mehr Sport treiben. Wie Ziele definiert sein sollten und wie Sie sich selbst motivieren, diese langfristig zu verfolgen – und auch zu erreichen.

Zu den beliebtesten Zielen der Deutschen gehören mehr Bewegung, Abnehmen und eine gesunde Ernährung. dpa

Gute Vorsätze fürs neue Jahr

Zu den beliebtesten Zielen der Deutschen gehören mehr Bewegung, Abnehmen und eine gesunde Ernährung.

DüsseldorfNeujahr – das bedeutet für viele: der Start in ein neues Leben. Von heute auf morgen sind sie Selbstoptimierer und machen alles anders. Statt Burger und Fritten aus dem Imbiss um die Ecke gibt es in der Mittagspause nur noch Rohkost. Auf dem Heimweg nach der Arbeit nehmen sie trotz Kälte und Regen neuerdings brav das Rad. Und vorbei sind die Zeiten, in denen sie sich nach Feierabend faul auf die Couch fläzen und sich vom Fernsehprogramm berieseln lassen. Fortan führt der Weg ins Fitnessstudio. Wenn danach noch Zeit bleibt, widmen sie sich Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation – schließlich wollen sie im neuen Jahr Stress vermeiden.

In der Weihnachtszeit wird es ruhig um die betriebsamen Deutschen, viele reflektieren ihr Leben und denken: „Nun ist es an der Zeit, etwas in meinem Leben zu verändern“ – und setzen sich Ziele. Und das sind jedes Jahr die gleichen, wie aus mehreren Untersuchungen hervorgeht: Die Plattform Karrierebibel hat mehr als 900 Leser nach den Vorsätzen fürs Jahr 2017 gefragt und kommt zu dem Resultat: Das Top-Ziel der Deutschen ist mehr Bewegung – gefolgt von einer gesünderen Ernährung und Abnehmen.

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen bereits Forscher der Universität Münster im Jahr 2015 und 2016, die über eine Online-Plattform mehrere Hundert User zu ihren Neujahrsvorsätzen befragten. Jeder Zweite gab an, sich Ziele gesetzt zu haben. „Die Top-Vorsätze bleiben über die Jahre meist unverändert, weil sie viele Menschen betreffen. Meistens wollen die Menschen sich selbst optimieren, indem sie mehr Sport treiben oder ihre Ernährung umstellen“, sagt Studien-Autor und Psychologe Meinald Thielsch.

Während der Durchschnittsteilnehmer sich 2015 fürs neue Jahr vier Ziele setzte, gab es Personen, die bis zu 21 Vorsätze hatten. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen einer hohen allgemeinen Lebenszufriedenheit und einer geringen Anzahl an Vorsätzen“, sagt Thielsch.

Hinzu kommt: Kaum jemand kann sich alles merken. Und: „Es ist besser, sich ein paar wenige, aber wichtige Ziele zu setzen als zu versuchen, zehn Dinge gleichzeitig anzugehen.“

Besonders einfach fiel es den Deutschen laut der Untersuchung 2015, weniger Alkohol zu trinken, sparsamer zu leben und sich weiterzubilden. Schwer fiel es ihnen hingegen, eine neue Stelle zu finden oder das Rauchen aufzugeben.

Für Thielsch wenig verwunderlich – zumal das Rauchen ein enorm hohes Suchtpotenzial birgt. „Wer sich am Tag ein paar Auszeiten durch eine Zigarette nimmt, hat kurzfristig ein positives Gefühl. Die negativen gesundheitlichen Folgen werden ausgeblendet, da sie sich erst auf lange Sicht bemerkbar machen.“

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