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03.09.2012

07:00 Uhr

Nicoley Baublies

Der besonnene Kämpfer der Ufo

VonJens Koenen

So mancher Lufthansa-Kunde ist derzeit auf Nicoley Baublies wohl nicht besonders gut zu sprechen: Der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft muss Fingerspitzengefühl beweisen.

Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft UFO, auf dem Flughafen in Frankfurt. dpa

Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft UFO, auf dem Flughafen in Frankfurt.

Seinen Wechsel aus der IT-Industrie hat er noch nicht bereut. Jahrelang arbeitete Nicoley Baublies als IT-Berater, fand den Job vor dem Bildschirm dann aber zu langweilig. 2004 ging er zur Lufthansa, als Flugbegleiter. Über Langeweile kann sich der 39-Jährige nun nicht mehr beklagen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) muss die Flugbegleiter durch ihren ersten unbefristeten Streik führen.

Bislang hat sich der sympathische Funktionär wacker geschlagen. Allzu harsches Vokabular vermied Baublies. Sogar als alle Tarifverhandlungen ergebnislos abgebrochen wurden, blieb Baublies betont sachlich, sprach von einem "tragischen Scheitern". Baublies weiß, wie sehr er in den kommenden Wochen unter Beobachtung steht. Ein Streik bei einer Airline sorgt immer für Zündstoff, für Frust bei den Fluggästen.

Doch Baublies spricht für eine Berufsgruppe, die mit 1 800 bis 4 000 Euro und bis zu 7 000 Euro bei Führungskräften im allgemeinen Tarifbild der Lufthansa eher moderat verdient. Er spricht aber auch für eine Gruppe, die zuletzt durch interne Querelen auf sich aufmerksam machte. Durch die UFO geht seit längerem ein Riss.

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Auf der einen Seite stehen die kompromissbereiten Funktionäre, auf der anderen die Hardliner, die nicht nachgeben wollen. Etwa beim Thema Leihstewardessen. Lufthansa setzt sie seit kurzem ein. Wochenlang verhandelte die UFO mit Lufthansa darüber, am Ende scheiterte jeder Vorschlag am Widerstand der Hardliner. Doch dann kam Baublies. Er setzte sich in den Wahlen durch, ein Kandidat, der für Vermittlung, für Moderation steht. "Baublies wird ganz selten laut in Gesprächen, selbst wenn es um ihn herum lauter werden sollte", sagt ein Wegbegleiter.

Erst seit fünf Monaten steht der 39-Jährige an der Gewerkschaftsspitze. Doch ein Anfänger in Sachen Tarifverhandlungen ist er nicht. Seit 2008 sitzt er in der Tarifkommission von Lufthansa. Von dort kennt er auch seine Verhandlungspartner. Etwa Peter Gerber, den Personalchef des Lufthansa-Passagiergeschäfts. Er schätze Gerber sehr, sagt Baublies freimütig. Dass er Gerber und dessen Vorstandskollegen mit der Strategie, die Streikorte erst kurz vorher bekanntzugeben, ärgert, gehört für Baublies dazu. "Wir hätten diesen Streik gerne vermieden", sagt er.

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Es ist diese geschickte Mischung aus Härte und Entgegenkommen, die Baublies auszeichnet. Gelernt hat der Kabinenchef das so gefragte Fingerspitzengefühl nicht zuletzt an Bord. Inzwischen führt er die Kabinencrew über den Wolken, bildet selbst aus. Er weiß, dass Flugbegleiter weit mehr sind als "fliegende Kellner". Sie sind Psychologen und Betreuer - wenn sie ihren Job ernst nehmen. Und genau das macht Baublies, gerade wenn es um die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen geht.

Kommentare (8)

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klebe

03.09.2012, 07:38 Uhr

BThug ( ich finde das kellner im flugzeug genug verdienen. jede kellnerin wäre froh bei so einem gehald.

Account gelöscht!

03.09.2012, 08:27 Uhr

Sie sind ja mit ihrem Beitrag voll daneben!!

Ferdinand

03.09.2012, 14:54 Uhr

Schlecht sind die Gehälter eigentlich nicht. Die Arbeitsbedingungen eigentlich auch nicht. Natürlich, mehr ist immer besser als weniger. Aber dafür die Airline bei den Kunden noch unbeliebter machen? Die Servicereduzierung haben wir akzeptiert, essen und trinken können wir auch am Zielort. Aber pünktlich und sicher ankommen wollen wir wenigsten! In diesem Sinne erweisen Sie Ihrem Arbeitgeber und Ihren Mitglieder gerade einen Bärendiest, Herr Baublies !

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