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27.01.2015

13:14 Uhr

Niedriger Ölpreis

Qantas schafft Kerosinzuschlag ab

Die australische Fluggesellschaft Qantas erhebt auf Langstreckenflügen keinen Kerosinzuschlag mehr. Grund ist der niedrige Ölpreis. Flugtickets werden allerdings nicht günstiger – die Airline erhebt die Preise.

Qantas erhebt auf Langstreckenflügen keinen Kerosinzuschlag mehr. Reuters

Qantas erhebt auf Langstreckenflügen keinen Kerosinzuschlag mehr.

SydneyDie australische Fluggesellschaft Qantas schafft wegen des niedrigen Ölpreises ihre Kerosinzuschläge auf internationalen Flügen ab. Allerdings werden zugleich die Basistarife so erhöht, so dass die Ticketpreise insgesamt gleich bleiben, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Lediglich Vielflieger könnten mehr sparen als bisher. Qantas stand unter Druck, seit in der vergangenen Woche der Konkurrent Virgin Australia die Kerosinzuschläge gestrichen und Ticketpreise für Flüge in die USA gesenkt hatte.

Dass bei Qantas die Flüge trotz der gestrichenen Zuschläge nicht günstiger werden, begründete Unternehmenschef Alan Joyce mit der Marktentwicklung. In den vergangenen Jahren seien die Kosten und die Konkurrenz gewachsen, während Fliegen billiger geworden sei. Somit seien die Margen der Airlines geschrumpft. Der niedrigere Ölpreis helfe der Branche aber.

Ölpreis-Verfall kommt beim Verbraucher an

Warum werden Benzin und Diesel billiger?

Das liegt im am Preisrutsch für Rohöl. Der Ölpreis hat sich jahrelang weitgehend in einem Preisband zwischen 100 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent bewegt. Diesen Korridor hat der Preis im Herbst 2014 verlassen und seinen Preisverfall beschleunigt. Die subjektive Wahrnehmung vieler Autofahrer, dass Benzin und Diesel immer teurer würden, wird von den Daten seit 2012 nicht mehr gedeckt.

Wie kommt es zum Rohöl-Preisverfall?

Auf der Angebotsseite ist reichlich Öl vorhanden. „Die Reaktion der Produzenten lässt auf sich warten“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Saudi-Arabien, das innerhalb des Opec-Kartells sonst die Feinsteuerung des Marktes übernommen hat, will nicht allein seine Produktion kürzen. Dahinter steht ein Kampf um Marktanteile in Asien, wo für die Opec-Staaten die einzig wachsenden Absatzmärkte für ihr Öl liegen. Die Nachfrage nach Öl verläuft wegen der verhaltenen Weltkonjunktur zudem flau und kann den Preis nicht stützen.

Werden nun Förderanlagen abgestellt?

Das ist mittelfristig denkbar, geht aber nicht so schnell. Manche Förderanlagen könnten unrentabel werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt und dauerhaft niedrig bleibt. Ob es dazu kommt, ist noch nicht absehbar. Zudem bekommen viele Förderländer - auch Russland - bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung ihres Staatshaushalts. Bislang allerdings liegt der durchschnittliche Ölpreis für 2014 immer noch bei 106 Dollar, nach 109 im Vorjahr. Das ist für die Ölländer noch kein schlechtes Jahr.

Kommt der Preisverfall voll beim Verbraucher an?

Nach dem Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation sind die Preise für Energierohstoffe währungsbereinigt im September 2014 um 1,2 Prozent gefallen und gleichzeitig die Verbraucherpreise für Kraft- und Schmierstoffe um 0,4 Prozent gestiegen. Anders als in Frankreich und Italien. „Ein Teil des Anstiegs ist nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf Verbraucherebene weitergegeben wurden“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung. Die Branche bestreitet das: „Der harte Wettbewerb der Tankstellen in Deutschland sorgt dafür, dass der gesunkene Ölpreis über niedrigere Benzin- und Dieselpreise auch bei den Verbrauchern ankommt“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

Gehen die Preise weiter nach unten?

Das kann niemand sagen. Schon bislang ist der Preisrückgang gebremst worden, weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat, d.h. der Ölimporteur muss mehr Euro aufbringen, für die gleiche Menge Dollar beim Ölkauf. Fällt der Euro noch weiter, ist das schlecht für den Autofahrer. Der Ölpreis selbst hat nach unten vielleicht weniger Luft als nach oben. Gibt die Opec bei ihrer nächsten Sitzung ein klares Signal, dann kann der Preis auch schnell wieder in den alten Preiskorridor oberhalb von 100 Dollar zurückkehren.

Kerosinzuschläge hatten viele Fluggesellschaften in Zeiten deutlich steigender Rohstoffkosten eingeführt. Je nach Airline und Strecke machen die Aufschläge einen Großteil des Ticketpreises aus. Angesichts des niedrigen Ölpreises forderten Ende 2014 deutsche Verbraucherschützer, die Fluggesellschaften sollten die Zuschläge abschaffen.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) reagierte darauf zurückhaltend: Der „harte Wettbewerb“ zwischen den Fluggesellschaften sorge ohnehin „für die bestmöglichen Ticketpreise“, sagte eine Sprecherin damals.

Außerdem zurrten die Airlines ihre Kerosinlieferungen größtenteils sehr langfristig fest. Daher könne es „nur mit Verzögerungen“ zu niedrigeren Ticketpreisen kommen.

Von

afp

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