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29.07.2013

09:59 Uhr

Nimm das, NSA

Urlaub ohne Handy, E-Mails und Co.

VonCarina Kontio

Ein Selbstversuch: Urlaub ohne Arbeitsstress, für zwei Wochen keine berufliche Kommunikation, kein Smartphone. Auf Wellen surfen statt im Internet und der sanfte Wiedereinstieg nach dem Entzug – meine Bilanz.

Getty Images

DüsseldorfFreitag, vorletzter Urlaubstag. Ich könnte seit 15 Minuten wieder kostenlos ins Internet – gerade sind wir über die A7 nach Bayern reingefahren. Facebook-Profil checken, das idyllische Foto vom Lago di Ledro hochladen, auf ein paar schnelle Likes hoffen und fix E-Mails abrufen. Aber nix tut sich! Es ist kein Impuls vorhanden in mir. „Was schaust du im Internet?“, fragt meine Frau, die seit gut 350 Kilometern am Steuer sitzt. „Nichts, ich will gar nicht ins Netz“, murmele ich vor mich hin.

Ich will nicht ins Internet? Das ist ein kleines Wunder. Aber die zweiwöchige Abstinenz in Italien hat mir so gut getan, dass ich das jetzt nicht sofort wieder mit einem digitalen Fressanfall zunichte machen will. Das Ziel, das ich mir vor meinem Urlaub gesteckt hatte, war: offline bleiben bis zum ersten Arbeitstag, also Dienstag. Bis dahin liegen also noch dreieinhalb Tage vor mir. Hinter mir sitzt unsere Reisebegleitung Roberta, bei der schon kurz nach dem Fernpass das Handy vibrierte. Sie hat ihre E-Mails bereits abgerufen. Nun ist sie schweigend auf der Rückbank mit der Lektüre beschäftigt.

Fakten zur Smartphone-Sucht

1

1 mal pro Stunde checken Erwachsene ihr Handy. Erst checken, dann strecken: Jeder dritte Handy-Besitzer blickt nach dem Aufwachen als Erstes aufs Display, jeder zweite sagt als letzte Amtshandlung vor dem Einschlafen seinem Handy „Gute Nacht.“

(Quelle: Anitra Eggler, „Facebook macht blöd, blind und erfolglos.“)

3417

3417 Textnachrichten erhält ein amerikanischer Teenager zwischen 13 und 17 Jahren im Monat. Das sind bei einem 16-Stunden-Tag sieben bis acht Nachrichten pro Stunde.

68 Prozent

68 Prozent aller Handy-Besitzer leiden unter eingebildetem Vibrationsalarm. Sie erleben dieses Phänomen einmal pro Woche.

4,8 Milliarden

4,8 Milliarden Menschen besitzen ein Handy, hingegen nur 4,2 Milliarden eine Zahnbürste. Tendenz steigend: Täglich werden mehr Smartphones verkauft als Babys geboren.

20 Prozent

20 Prozent greifen nach dem Sex sofort zum Handy, hingegen nur noch 10 Prozent zur Zigarette danach.

60 Prozent

60 Prozent der britischen Jugendlichen können sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen und bezeichnen sich selbst als „hochgradig abhängig“. Bei den Erwachsenen sind es nur 37 Prozent – lügen die?

1 von 10

1 von 10 Handynutzern weiß nicht, wo der Ausknopf ist.

1 von 10 greift beim Gottesdienst zum Handy.

1 von 10 nutzt sein Handy während des Sex.

2 von 10

2 von 10 schalten ihr Handy nie aus.

2 von 10 tippen beim Autofahren - das wirkt wie bei 0,8 Promille.

3 von 10

3 von 10 Teens machen per SMS Schluss.

4 von 10

4 von 10 gehen nicht ohne Handy aufs Klo.

5 von 10

5 von 10 nutzen ihr Handy im Bett.

6 von 10

6 von 10 schlafen mit dem Handy - auf dem Nachttisch.

7 von 10

7 von 10 verzichten lieber auf Alkohol als auf ihr Smartphone.

Was aber sein muss jetzt: Deutschlandfunk im Autoradio. Denn wir haben nicht nur auf Privat- und Arbeitsmails und unnützes Soziales-Netzwerk-Gedaddel verzichtet, sondern auch auf Radio, MP3-Player, Zeitungen und Fernsehen. Einzige Ausnahme war der Polizeiruf am vergangenen Sonntag, weil Roberta zufällig in einem schwachen Moment kurz vor Mitternacht entdeckt hatte, dass wir auf unseren Zimmern ausschließlich deutsche Sender empfangen.

Während ich mir Notizen auf meinem Handy für diesen Artikel mache, ploppen bereits die ersten automatischen Benachrichtigungen auf, weil ich mich wieder im deutschen Mobilfunknetz befinde. Twitter, Facebook, Instagram – hastig drücke ich auf meinem Smartphone herum, um herauszufinden, wo ich das abschalten kann. Wahrscheinlich ist es am besten, wenn ich mein Smartphone bis Dienstag verbanne, wegpacke und darüber nachdenke, welchen Mehrwert mir die digitale Welt in Zukunft bringen kann, soll und wird.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

29.07.2013, 10:42 Uhr

Urlaub ist und war für mich schon immer Handy & Internet frei und auch sonst gibt es häufig Zeiten, an denen ich ohne unterwegs bin. So wichtig bbin ich einfach nicht. Es wäre vielleicht auch ganz geschickt, jetzt schon mal zu üben, für den Fall, wenn die Preise steigen. Die Fusionen der Netzbetreiber starten gerade.

Schneeschipp

29.07.2013, 10:58 Uhr

Ich habe vor einem Jahr auch entschieden, dass ich komplett offline bin, wenn ich wegfahre. Sei es für drei Tage oder drei Wochen. Die wichtigsten Freunde und Kollegen informiere ich vorher darüber, das reicht dann aber auch. Als Motivation nehme ich mir immer vor, dass eine Akkuladung meines Smartphones vom Anfang bis zum Ende des Trips hält.

Account gelöscht!

29.07.2013, 11:23 Uhr

Man wundert sich in der Tat, wie lange plötzlich der Handy-Akku hält, bevor er schlapp macht. In den zwei Wochen meines digitalen Entzugs musste ich das Gerät nur 1x aufladen! Das mache ich sonst jeden Tag :-) Beste Grüße, Carina Groh-Kontio

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