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03.06.2012

10:48 Uhr

Norbert Klusen

Manager sind keine Roboter

VonTanja Kewes

Wie Maschinen funktionieren Manager nicht - auch wenn das oft erwartet wird. Doch die Faktoren Glück und Gesundheit entziehen sich dem rationalen Umgang. Der Chef der TKK über Todesangst und ein krankes System.

Chef der Techniker Krankenkasse: Norbert Klusen Andreas Herzau für Handelsblatt

Chef der Techniker Krankenkasse: Norbert Klusen

Es ist keine feine Adresse, und es ist auch kein Prunkbau. Die Zentrale der Techniker Krankenkasse in Hamburg-Barmbek ist so unaufgeregt, wie es der Name vermuten lässt. Das Gebäude aus viel Stahl und Glas ist aber zweierlei, und steht damit stellvertretend für das deutsche Gesundheitssystem: riesig und verwinkelt. Norbert Klusen, 64, hat sein Büro ganz oben. Der Empfang ist herzlich, sein Händedruck fest, seine blauen Augen schauen intensiv. In seinen 17 Jahren im Amt hat er das System kennengelernt - als Topmanager und als Patient.

Handelsblatt: Herr Klusen, es ist noch nicht lange her, dass Sie todkrank waren. Sind Sie gut behandelt worden?

Norbert Klusen: Ja, das bin ich. Ich hatte nur das Problem, dass ich - wie andere auch - als Patient erst fast schon tot sein musste, bevor ich ein neues Organ bekam. Ich hatte eine chronische Entzündung der Gallengänge, brauchte deshalb eine neue Leber und stand etwa fünf Jahre auf der Warteliste.

Norbert Klusen mit der Redakteurin Tanja Kewes (l) Andreas Herzau für Handelsblatt

Norbert Klusen mit der Redakteurin Tanja Kewes (l)

Das heißt, Sie haben fünf Jahre mit dem Tod vor Augen gelebt?

Ja, und es hat immer wieder Verschlechterungen bei meinem Gesundheitszustand gegeben, aber auch Verbesserungen. Das geht an die Substanz. Die letzten neun Monate vor der Transplantation waren besonders kritisch. Da habe ich oft abends vor dem Zubettgehen gedacht: "Wache ich morgen wieder auf?" Das war eine Zeit lang meine einzige Perspektive: den nächsten Morgen zu erleben.

Ein Leben ohne Perspektive und Pläne - wie haben Sie das ausgehalten?

Ich hatte zentimeterdicke Krampfadern in der Speiseröhre, die jede Minute aufbrechen konnten. Und deshalb habe ich mich einfach über jeden Tag, jede Stunde gefreut. Ich habe überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht, was ich mache wenn ich zum Beispiel mit 65 Jahren in Rente gehe. Das lag jenseits meiner Vorstellungskraft. Denn ich habe gezweifelt, ein neues Organ zu kriegen.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Kommentare (5)

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RDA

03.06.2012, 11:48 Uhr

Möööp! Es gibt auch bei Medikamenten ein Zweiklassensystem, das habe ich selbst erlebt. Als Kassenpatient bekommt man eher das ältere, aber billigere Medikament und muss mit mehr Nebenwirkungen leben. Außerdem werden diverese Untersuchungen mit dem Status "kann, muss aber nicht" oft als unnötig abgetan, sofern man "Chipslette" ist.

Mitbuerger

03.06.2012, 14:21 Uhr

Wenn die Gehälter von "Managern" nicht so übertrieben wären, würde man ihnen auch eher Leistungsdefizite nachsehen. Wer aber ein vielfaches des Gehalts eines normalen Arbeiters für sich beansprucht (und dieses von eingeschworenen Cliquen-Kameraden bzw. seinen Mafia-Brüdern [wie bei vielen Aufsichtsräten] bebilligt bekommt) und nur normale Leistung bringt, dem kann und darf dieses Misverhältnis nicht verziehen werden. Denn Verzeihen setzt Einsicht des Schuldigen voraus.

Malocher

03.06.2012, 16:11 Uhr

Manager sind keine Roboter, Manager sind Menschen.
Ihre Untergebenen sind die Roboter (tschech. "robota" = Zwangsarbeit) und werden häufig wie solche behandelt.
Ob das Handelsblatt auch für Leiharbeits-Roboter einmal Verständnis zeigt?

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