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20.01.2011

20:02 Uhr

Norm IFRS

Konzerne stecken in der Bilanzierungsfalle

VonDieter Fockenbrock

Die Bilanzierung nach den internationalen Standards IFRS führt zwangsläufig zu Fehlern. Zu dieser Erkenntnis kommt die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), kurz Bilanzpolizei genannt. Warum die internationale Norm schlichtweg zu kompliziert ist.

Der zunehmende Schwierigkeitsgrad der internationalen Bilanzierungsnorm führt zu immer mehr fehlerhaften Abschlüssen und Zwischenberichten. Quelle: www.bilderbox.com

Der zunehmende Schwierigkeitsgrad der internationalen Bilanzierungsnorm führt zu immer mehr fehlerhaften Abschlüssen und Zwischenberichten.

FRANKFURT. "Wenn wir nachhaltig die Fehlerquote senken wollen, müssen die IFRS an entscheidenden Stellen vereinfacht werden", sagte DPR-Präsident Herbert Meyer am Donnerstag in Frankfurt. Meyer verweist auf die Erfahrungen der letzten fünf Jahre seit Gründung der Bilanzpolizei.

Die Zahl der fehlerhaften Abschlüsse und Zwischenberichte habe 2010 mit 26 Prozent weiterhin auf "hohem und unbefriedigendem Niveau" gelegen, so Meyer. Von 118 überprüften Fällen hat die DPR 31 als fehlerhaft zurückgewiesen. Die privatrechtlich organisierte Bilanzpolizei berichtet ihre Erkenntnisse an die staatliche Finanzaufsicht BaFin. Die entscheidet dann, ob die betroffenen Unternehmen ihre Rechnungslegung korrigieren und dies auch veröffentlichen müssen.

Seit 2008 hat die Fehlerquote bei großen Unternehmen aus den Börsensegmenten Dax, MDax, SDax und TecDax zugenommen. Meyer führt das auf die "zunehmende Komplexität" der internationalen Bilanzierungsnorm zurück. Und natürlich auf die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Im vergangenen Jahr machten vor allem die Fälle Infineon und Sky (ehemals Premiere) Schlagzeilen. Bei dem Bezahlfernsehsender Sky ging es unter anderem um die fehlerhafte Angabe von Kunden. Der Chiphersteller Infineon musste auf Drängen der Prüfstelle latente Steuern auf Verlustvorträge um 237 Millionen Euro und auch das Eigenkapital in gleicher Höhe reduzieren.

Dauerbrenner für die Bilanzprüfer ist das Thema Bewertung von Vermögenswerten im Zusammenhang mit Übernahmen und Verkäufen. Den Unternehmen bereitet die von den IFRS geforderte Fair-Value-Bewertung, das heißt die Marktbewertung, dabei große Probleme.

Die IFRS unterstellen, dass es für jeden Vermögensgegenstand eine Marktbewertung gibt. Die Praxis sieht jedoch anders aus. Beispiel Immobilien: Praktisch jede Immobilie werde individuell nach Ertragserwartungen oder Cashflow-Modellen bewertet, berichtet DPR-Vizechef Axel Berger.

Banken konnten in der Krise für viele Finanzprodukte keine Marktpreise ermitteln und griffen daher als Ersatz auf komplexe Bewertungsmodelle zurück. Dabei werden nach den Erkenntnissen der Bilanzpolizei Fehler gemacht.

Bilanzprüfer gibt es in 26 Ländern, die die IFRS anwenden. Meist sind es Behörden. In Deutschland finanziert sich die DPR über eine Umlage bei den Kapitalgesellschaften. Der Etat beträgt jährlich acht Millionen Euro. Maximal muss ein Unternehmen 40000 Euro im Jahr zahlen.

Kommentare (2)

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Island

21.01.2011, 00:45 Uhr

ich bin dafür daß die Unternehmen nach dem HGb bilanzieren. bei dem Einsatz des „alten HGb“ wäre für die Unternehmen und insbesondere für die banken keine „enormen Abschreibungen“ in der Finanzkrise erforderlich gewesen.

Der Grundsatz der Amerikaner „iFRS“ nach den aktuellen Marktwert zu bilanzieren hat die „Normale Finanzkrise“ noch verschärft.

Wir dürfen nicht vergessen daß bei der „iFRS“ hauptsächlich die „Amerikanische Sicht“ der bilanzierung verfolgt wird.

Darum sollte für internationale Unternehmen es keine „Pflicht“ für eine „iFRS“ geben sondern nur als Anhang zu der jeweiligen Nationalen bilanzierung, wenn es die Geschäftsleitung wünscht.

Damit ist zwar ein Vergleich nicht so einfach aber der Aufwand für den interessenten (Aktionär) ist im Rahmen, weil in Europa verwenden die führenden industrienationen das HGb oder eine ähnliche bilanzierung, mit Ausnahme von England.

in diesen Zusammenhang zwei beispiele:

Die berechnung des bSP wurde von den Amerikanern geändert. Die „Rüstungsgüter“ werden jetzt den investitionsgütern zugeordnet und die Computerindustrie bekam einen besonderen Stellenwert, beide Maßnahmen führte zu einer „positiveren bSP“ bewertung der USA dabei hatten sich die Rahmenbedingungen sich nicht geändert.


Ein anderes beispiel:

Die Amerikaner verwenden für ihre Wachstumsaussichten ein anderes System als die bRD oder Europa. Hätten wir das „USA-System“ verwendet hätte die bundesregierung nicht 3,6 Prozent angegeben sondern mindestens 9 Prozent

Darum sind investoren in den USA immer wieder überrascht das „Umsatzziele“ nicht erreicht werden!

Darum können wir davon ausgehen das die „iFRS“ besonders günstig für die USA Unternehmen gestaltet ist.

Runzheim

21.01.2011, 04:49 Uhr

Trotz des Mangeles von iFRS kann man nicht an dessen Stelle HGb wieder bevorzugen, besonders wegen der bewertung von immobilien.

Aufgrund HGb muss der Wert einer immobilien mit Anschaffungs-Herstellungskosten vor 100 Jahren in Reichsmark weiter bestehen. Was taugt solche bilanz?

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