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24.01.2008

15:31 Uhr

NRW-Finanzminister schürt Gerüchte

WestLB könnte bald neuen Chef bekommen

Der mit Milliardenverlusten kämpfenden WestLB steht womöglich im Frühjahr der nächste Führungswechsel ins Haus. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen sagte im Düsseldorfer Landtag auf die Frage, ob WestLB-Chef Alexander Stuhlmann über März hinaus im Amt bleiben werde, man denke bereits über eine Lösung für eine neue Führungsspitze nach.

WestLB: Wird Stuhlmann abgelöst? Foto: Archiv Quelle: dpa

WestLB: Wird Stuhlmann abgelöst? Foto: Archiv

HB DÜSSELDORF. Stuhlmanns Vertrag läuft Eigentümerkreisen zufolge Ende März aus. Es gebe trotz der schwierigen Lage der Bank Interessenten für die Nachfolge, hieß es in den Kreisen. Möglicher Kandidat sei der Chef der Förderbank NRW.Bank, Ulrich Schröder. Dieser war 2002 aus dem Vorstand der WestLB zur NRW.Bank gewechselt. Ein Sprecher der NRW.Bank wollte keine Stellung dazu nehmen.

Stuhlmann hatte erst im Sommer das Ruder bei der WestLB übernommen und sich zum Ziel gesetzt, das Institut in eine Fusion zu führen. Zugleich hatte er angedeutet, er wolle die Bank für maximal ein Jahr leiten. Die Sparkassenverbände setzten damals auf eine Fusion mit der Stuttgarter LBBW, die Landesregierung schob dem aber einen Riegel vor. Wegen ihrer Verluste muss die Bank nun zunächst ein neues Geschäftsmodell ausarbeiten. Im Zuge dessen könnten Eigentümerkreisen zufolge 2000 der 5900 Stellen gestrichen werden. Die Landesregierung als größter einzelner Anteilseigner will die WestLB später „auf Augenhöhe“ mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) fusionieren.

Zunächst müssen die Eigner – neben dem Land die beiden NRW-Sparkassenverbände und die Landschaftsverbände – aber eine Kapitalerhöhung von rund zwei Mrd. Euro bei der WestLB stemmen, um Verluste und Wertberichtigungen in dieser Höhe bei dem Düsseldorfer Geldhaus aufzufangen. Das Land, das davon 760 Mill. Euro aufbringen muss, will Linssen zufolge bis Ende der Woche Modelle für eine Finanzierung vorlegen. Die Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen müssen jeweils rund 500 Mill. Euro beisteuern. Die örtlichen Sparkassen hätten zwar „die Faust in der Tasche“, wollten ihren Pflichten aber nachkommen, hieß es in Sparkassenkreisen.

Noch am Donnerstag wollten sich die Eigentümer der WestLB nach Angaben aus ihrem Umfeld erneut treffen. Sie hatten die Kapitalspritze am Sonntag im Beisein von Bundesbankpräsident Axel Weber und dem Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, beschlossen.

Linssen sagte vor dem Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags, Weber und Sanio hätten bei dem Treffen vorgetragen, was die Rating-Agenturen von der WestLB erwarteten. Von deren Einstufung hänge die Zukunft der Bank ab: „Wenn sie nicht die Rating-Klasse haben, die sie brauchen, können sie alles vergessen.“ Die Rating-Agentur Standard & Poor's warnte vor einer möglichen Herabstufung des „A-“-Ratings der WestLB, wenn die Eigner die Schwächen der Bank nicht abstellen könnten. Die Bewertungen der Rating-Agenturen sind entscheidend für die Refinanzierung von Banken.

Ob die WestLB und ihre Eigentümer wegen der Finanzkrise über die bekannten zwei Mrd. Euro hinaus vor neuen Belastungen stünden, sei unklar, sagte Linssen im Landtag: „Es gibt keinen auf der Welt, der ihnen sagen, kann, ob (mit der Subprime-Krise) wirklich Schluss ist."

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