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07.06.2010

15:24 Uhr

Null Emissionen

Grüner Kurs füllt die Kasse

VonSusanne Bergius

Produzieren, ganz ohne die Umwelt zu belasten? Wer diesen Null-Emissions-Gedanken als Spinnerei abtut, handelt voreilig. Ein börsennotiertes US-Unternehmen richtet sich seit Jahren an dieser Messlatte aus - und erntet schon jetzt die Früchte seiner umweltfreundlichen Arbeit.

Der Traum der grünen Produktion lohnt sich für Unternehmen. dpa

Der Traum der grünen Produktion lohnt sich für Unternehmen.

AtlantaDie Vision von Ray Anderson heißt "Mission Zero". Er hat öffentlich versprochen, sein Konzern werde ab 2020 keine Umweltbelastungen mehr verursachen. Als der Gründer und Chef von Interface, dem heute weltgrößten Teppichfliesenhersteller, sein hehres Ziel 1995 verkündete, war er das Gespött der Börse. "Wir ernteten viel Kritik. In den 90ern wirkte sich unser Bekenntnis nachteilig auf den Börsenkurs aus", sagt Europachef Lindsey Parnell.

Doch das Bild hat sich gewandelt, denn der Umweltkurs zahlt sich aus: Binnen 15 Jahren hat Interface Ressourcen- und Energieverbrauch um 75 Prozent reduziert, die Emissionen um 67 Prozent. Allein durch Abfallvermeidung sparte der Konzern bis heute 433 Mio. Dollar ein. Solche Zahlen honoriert die Börse - vor allem, da sich das Konzept auch in schlechten Zeiten bewährt. Der Gewinn von Interface stieg im Krisenjahr 2009 um fast die Hälfte auf 63 Mio. Dollar. "Wir werden aus dieser Rezession als einer der, wenn nicht der profitabelste Teppichanbieter in Europa hervorgehen", sagt Parnell. "Unsere nachhaltige Gesamtausrichtung hilft uns in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage." Seit 2009 liegt die Aktie weit über der Benchmark.

Erfolgsrezept Nachhaltigkeit: Mit Staunen schauen Öko-Skeptiker auf die Bilanzen umweltbewusster Unternehmen. Als die Börsen 2008 weltweit kollabierten, sackten die Kurse nachhaltig orientierter Firmen deutlich weniger ab als die konventioneller Unternehmen, die fast die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung einbüßten. Die Managementberatung AT Kearney hat ausgerechnet, dass die nachhaltigeren Konzerne von Juni 2008 bis Juni 2009 durchweg um sieben Prozentpunkte vorne lagen. "Die Kapitalmärkte trauen ihnen offenbar eher zu, die Krise zu meistern", sagt AT-Kearney-Berater Otto Schulz.

Woran liegt das? In zwölf von 16 Branchen waren die durchschnittlichen Kapitalkosten nachhaltig ausgerichteter Unternehmen laut AT Kearney klar niedriger als die der Konkurrenz. Die 15 größten nicht-nachhaltigen Firmen der zwölf Branchen hatten insgesamt 33 Mrd. Euro höhere Kapitalkosten. Nachhaltigkeit macht offenbar krisenresistent.

Die Erfolgsbeispiele mehren sich - und die Konkurrenz zieht nach: Bei Banken, Automobilherstellern und Industriefirmen hat das Thema Nachhaltigkeit Einzug in die Geschäftsplanung gehalten. So auch bei EBM-Papst in Mulfingen: Der Mittelständler begann vor zehn Jahren, eine Spezial-Technik für Ventilatoren und Motoren zu entwickeln. Damit sparen sie bis zu 50 Prozent Energie im Betrieb, haben einen höheren Wirkungsgrad, sind leiser und enthalten umweltverträgliches Material.

Anfangs war es schwierig, die teure Technik auf den Markt zu bringen. Doch der Familienbetrieb, der eine Mrd. Euro im Jahr umsetzt, blieb bei der Strategie. Jetzt zahlt sich die Hartnäckigkeit aus: Hohe Energie- und Rohstoffpreise verlangen den Kunden, unter anderem den deutschen Autoherstellern, Sparsamkeit ab. Die Nachfrage nach ressourcenschonenden Lösungen steigt. Nun kommen die Anbieter zum Zug, die sich frühzeitig positioniert haben - so wie EBM-Papst: "Wir haben von der Krise kaum etwas gespürt", sagt Hans-Jochen Beilke, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Der Erfolg der nachhaltig orientierten Unternehmen beeindruckt viele Anleger. In der Finanzbranche sind Ökobanken derzeit die Stars. So wuchs das Geschäft von Europas führender Nachhaltigkeitsbank, der niederländischen Triodos, im vergangenen Jahr um 30 Prozent, 2010 soll das Kreditportfolio um 40 Prozent zulegen. Zu den Gewinnern der Krise gehört auch die Bochumer GLS Bank. Thomas Jorberg, der Chef des Kreditinstituts, will 2010 das mit 33 Prozent stolze Bilanzwachstum des Vorjahres noch einmal übertreffen.

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