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09.02.2001

07:32 Uhr

Oberste Verhaltensregel: Ruhe bewahren und den vernünftigen Dialog suchen

Kündigung: Emotionale Ausbrüche bringen Betroffene selten weiter

VonBERND ANDERSCH ( Karrierecoach und Inhaber von act! Andersch Consulting & Training in Aachen)

HB DÜSSELDORF. Gut gelaunt tritt der Mitgeschäftsführer eines Möbelproduzenten den Urlaub an. Nicht schlecht staunt er allerdings, als am ersten Urlaubstag per Einschreiben die Kündigung seines Arbeitsverhältnisses ins Haus flattert. Dem technischen Leiter eines mittelständischen Chemieunternehmens blickte der geschäftsführende Gesellschafter immerhin noch fest ins Auge, als er ihm die Kündigung überreichte. Der Gedanke an seine drei noch nicht schulpflichtigen Kinder ließen dem promovierten Verfahrenstechniker allerdings schon die Knie schlottern. Wie aus heiterem Himmel wird die Kündigung aber eher selten ausgesprochen. Es gibt Frühwarnindikatoren.

Welche Verhaltensregeln gelten generell bei (drohender) Kündigung? Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und mit dem Arbeitgeber im konstruktiven Dialog zu bleiben. Emotionale Ausbrüche dienen sicherlich als Ventil, führen aber zum Bruch. Solange die Dialogbereitschaft besteht, können ein angemessener Ausstieg aus dem Job, Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber, Inhalt des Arbeitszeugnisses möglicherweise noch beeinflusst werden. Wer Fragen zu Rechtmäßigkeit der Kündigung, Kündigungstermin, Abfindung, Aufhebungsvertrag, Arbeitszeugnis hat, sollte auf jeden Fall einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufsuchen: Gut informiert kann man sich dann persönlich und friedlich mit dem Arbeitgeber auf eine Lösung einigen.

Nicht beirren lassen

Führungskräfte tragen sich oftmals mit dem Gedanken, zunächst die Vergangenheit aufzuarbeiten. Wird dann verkehrte Hilfe in Anspruch genommen, kann dies schnell zu einer persönlichen Bankrotterklärung führen. So erging es dem gekündigten, langjährigen Juristen einer Bank. In der psychologischen Beratung erfuhr er, dass er eigentlich nicht der geborene Jurist sei. Sein Job machte ihm zwar immer Spaß, jetzt aber hatte er bei der Suche ein Problem mehr. Um das angeknackste Selbstbewusstsein wieder aufzubauen, brauchte er weitere bezahlte Unterstützung.

Keinesfalls zu unterschätzen sind Negativstimmungen, die bei absichtlich genommener Auszeit im privaten Umfeld aufkommen. Nicht selten schwindet das Vertrauen der Familie, Freunde distanzieren sich. Sicherlich braucht jeder einige Tage, die Wunden zu lecken. Danach ist dann aber Eile bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz angesagt. Mit jedem Tag, der ohne zielgerichtete Bewerbungsaktivitäten verstreicht, wird wertvolle Zeit verschenkt, Selbstzweifel wachsen, die Ausgangssituation des Bewerbers verschlechtert sich. Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus bewirbt, begegnet den gleichen Vorbehalten, die er möglicherweise gestern selbst noch gegenüber beschäftigungslosen Kandidaten hatte.

Die schnelle Offensive ist das Beste

Persönliche Beziehungen sind zwar alles, wer aber bittet schon im Zeitalter des Erfolges um Hilfe oder bietet einem Gestrauchelten Hilfe an? Dennoch, systematisches Abarbeiten bestehender Kontakte hat oberste Priorität. Um sich erste Erfolgserlebnisse am Arbeitsmarkt zu verschaffen und umgehend etwas in Gang zu setzen, empfiehlt sich parallel das Schalten von Stellengesuchen. Die großen überregionalen Zeitungen bieten sich als Medien genauso an wie Arbeitsmärkte im Internet. Lieber ein Medium mehr, als mit Zaudern Zeit verstreichen lassen.

Führungskräfte können im nächsten Schritt die Top-Ten Personalberater mit einer schriftlichen Bewerbungsunterlage versehen. Initiativbewerbungen und Bewerben auf Stellenanzeigen bilden schlussendlich das tägliche Brot. Bleibt die Frage: Wie kann der unerwartete Ausstieg am Besten präsentiert werden? Das Gesetz der Fairness räumt dem Kandidaten ein, sich genauso vorteilhaft in der Bewerbung zu vermarkten wie dies Unternehmen in Ausschreibungen machen. Wer sich nach wie vor in einem laufenden Arbeitsverhältnis befindet, dokumentiert die letzte Station wie folgt: 1995 - heute. Danach folgt die namentliche Nennung des Arbeitgebers. Wie es tatsächlich um das aktuelle Arbeitsverhältnis steht, kann im Vorstellungsgespräch erörtert werden - oder auch nicht! Ist erst einmal der persönliche Kontakt zwischen wirklichem Personalentscheider und Bewerber aufgebaut, wird so manche vermeintliche Schwachstelle im Lebenslauf toleriert. Bei schriftlichen Bewerbungen gelten hingegen ganz andere Gesetze. Die mit der Vorauswahl befassten so genannten Experten sorgen dafür, dass jeder problematische Bewerber den schnellen Weg in den Postrücklauf findet.

Fazit: Bei drohender oder bereits ausgesprochener Kündigung ist höchste Eile geboten. Die Energie sollte sich darauf richten, nahtlos in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu kommen.

Der Autor ist Karrierecoach und Inhaber von act! Andersch Consulting & Training, Aachen.

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