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27.02.2013

09:37 Uhr

Öko-Bilanz

Wohin mit dem Verpackungsmüll?

VonManuel Heckel

Noch sind die Deutschen zögerlich dabei, Lebensmittel online zu bestellen. Die Branche hofft jedoch auf ein starkes Wachstum. Doch der Erfolg hängt sehr davon ab, ob die Anbieter umweltfreundliche Konzepte bieten können.

Die Schlecker-Pleite hat auch den Online-Lebensmittelhandel beflügelt. dapd

Die Schlecker-Pleite hat auch den Online-Lebensmittelhandel beflügelt.

KölnBücher ja, Birnen nein. Handys gerne, Hackfleisch eher nicht: Wenn es um den Einkauf von Lebensmitteln geht, wird in Deutschland immer noch deutlich lieber offline als online eingekauft. Die Online-Bestellung ist eine Randerscheinung – verzeichnet allerdings hohe Wachstumsraten.

Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney und der Universität zu Köln aus dem vergangenen Sommer sah für den Online-Handel einen Anteil von 0,2 Prozent am deutschen Lebensmittelmarkt. Das bedeutet für 2011 immerhin schon einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Bis 2016 könnte der Anteil am Gesamtmarkt auf bis zu 1,5 Prozent ansteigen, prognostizieren die Studienautoren.

Fünf Thesen: Wie die Welt zum Shopping-Center wird

These 1: Wer wartet, ist schon tot

Ladenbesitzer machen zunehmend mobil und mischen sich per Handy ein in Zeitbudgets und Tagesabläufe ihrer Kunden. Via rasch wachsenden Internet-Rabattdiensten wie „Groupon“ locken sie preissensible Käufer mit Schnäppchenangeboten wieder in die Läden. Besonders ausgeklügelte mobile Dienste stimmen die Lockangebote dabei zeitlich exakt mit schwach frequentierten Öffnungszeiten ab.

These 2: Der Laden wird anklickbar

Produkte und Sortimente im Laden werden mit Zusatzinfos wie z.B. Herkunftshinweisen aus der virtuellen Welt angereichert. Die greifbare Ladenwelt vermischt sich mit digitalen Dienste. Damit einher gehen neue „Augmented Reality“ Anwendungen: Dank der virtuellen Anprobe die von Modeketten wie „Topshop“ getestet wird, könnte das mühsame Umziehen in engen Umkleidekabinen bald überflüssig werden. Wer das Serviceerlebnis für seine Kunden im Laden nicht optimiert, hat ein Problem.

These 3: Was digitalisiert werden kann, wird wegdigitalisiert

Ausgerüstet mit einem 3D-Drucker können Konsumenten bald selber zum „Digital Fabricator“ werden und Gegenstände wie Becher, Socken und Teller selber produzieren und „ausdrucken“ – kein schöner Ausblick für Shopbesitzer. Es sei denn, sie richten eine 3D-Werkstatt ein und lassen ihre Kunden mit individuellen Entwürfen an der Fabrikation der gewünschten Ware teilhaben, statt fertige Produkte zu verkaufen.

These 4: Die Welt verwandelt sich in eine Verkaufsfläche

Die Welt selber wird zunehmend zu einem einzigen großen Shopping-Center. Etwa, wenn Konsumenten irgendeinen Artikel im Schaufenster anklicken, via Barcode einscannen und kaufen können. Mit der „ScanLife“ Technologie geht das via QR-Code schon heute – unabhängig von Öffnungszeiten. Doch es naht ein Gegentrend: Gewisse Dinge werden limitiert und mit Exklusivität belegt – und das wird Begehrlichkeiten wecken.

These 5: Jeder ist nur ein Händler auf Zeit

Wenn Händler bisher von der Bildfläche verschwanden, hatte dies meist mit Konkurs, einer Übernahme oder Geschäftsaufgabe zu tun. Künftig verschwinden sie, weil die Generation mit dem mobilen Internet in der Hosentasche sie in ihrer Funktion als Lagerraum und Ort des Abverkaufs schlichtweg nicht mehr braucht. Für den heutigen Händler heißt das: Kein Laden – ob on- oder offline – wird mehr für die Ewigkeit gebaut. Das verdeutlicht schon die wachsende Zahl der temporär installierten Pop-Up-Stores.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Die Branche selbst ist deutlich enthusiastischer: Jens Drubel, Gründer und Geschäftsführer von Allyouneed, erwartet 2016 schon zwischen fünf und zehn Prozent Marktanteil – obwohl einige Konkurrenten in der Vergangenheit Insolvenz anmelden mussten. Der Bundesverband Lebensmittel-Onlinehandel (BVLO), ein Zusammenschluss von derzeit 14 Unternehmen, spürt besonders seit vergangenem September ein stark wachsendes Interesse.

Was den Deutschen beim Online-Shopping wichtig ist

Zahlungsmethode

„Die von mir bevorzugte Zahlungsmöglichkeit aus­wählen zu können“ nennt mit 87 Prozent eine über­wältigende Mehrheit der Deutschen als wesentliche Anforderung beim Online-Einkauf. Die klassische Rechnung ist dabei nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Paypal und Lastschrift/Bankeinzug stehen ebenfalls hoch im Kurs.

Retouren

Unkomplizierte Rücksendemöglichkeiten fordern 80 Prozent der Befragten von ihren Online-Händlern.

Tempo

Besonders geduldig sind die Deutschen nicht, wenn es um ihre Online-Einkäufe geht. Eine schnelle Lieferung ist 80 Prozent der Befragten wichtig.

Lieferkosten

Am besten umsonst: 77 Prozent der Befragten fordern eine kostenlose Lieferung ihrer Ware.

Schnäppchenjäger

Auf das Gefühl, den besten Preis gefunden zu haben, legen 77 Prozent der deutschen Online-Shopper Wert.

Transparenz

75 Prozent der Befragten in Deutschland ist eine transparente Darstellung der Lieferbedingungen wichtig.

Informationen

Die Auswahl an Produkten im Online-Handel ist enorm. Über das gesamte Angebotsspektrum wollen sich 74 Prozent der Befragten gut informiert fühlen.

Produktpräsentation

Vor allem wer viel Geld dafür ausgibt möchte sich die Ware vorher ganz genau ansehen – und das nicht nur im Laden sondern auch online. Eine anschauliche Darstellung des Produkts ist 64 Prozent der Befragten wichtig.

Versandunternehmen

Dass das Versandunternehmen ihm bekannt ist bzw. dass er es vertrauenswürdig findet, erwarten 62 Prozent der deutschen Online-Einkäufer. Elf Prozent der Befragten machen den Einkauf sogar vom Versandunternehmen abhängig. Konkret möchten 30 Prozent der Online-Shopper in Deutschland von DHL beliefert werden, 13 Prozent nannten Hermes.

Nachverfolgung

Sie wollen ganz genau wissen wann ihre Ware wo ist, und wann sie sie endlich in den Händen halten können. 61 Prozent der Befragten wollen daher die Möglichkeit haben, ihre Sendung online nachzuverfolgen.

Flexibilität

Flexible Lieferung ist für 51 Prozent der Befragten wichtig. Wunsch-Lieferkonzepte stehen dabei hoch im Kurs. Jeder Fünfte möch­te wählen können, wo und wann sein Paket zugestellt wird – beispiels­weise bei einem Nachbarn, einer Packstation oder an einem bestimmten Wunschtag. Jeder Vierte der befragten Online-Shopper ist als Kunde bei einer DHL-Packstation registriert.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Ein Treiber sei dabei die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker gewesen: „Viele haben geguckt, wo sie ihren Alltagseinkauf jetzt erledigen können – und haben dann direkt mal ausprobiert, online auch Lebensmittel zu bestellen“, sagt Drubel.

Wie und von wem der Einkaufskorb zusammengestellt wird und zum Kunden kommt, darum konkurrieren in Deutschland noch verschiedene Konzepte. Neben den reinen Versendern bieten einige etablierte Lebensmittelhändler eine Hybrid-Form an: Dabei wird die Ware online bestellt, im nächsten Supermarkt zusammengestellt und dann entweder nach Hause geliefert – oder zum Abholen an der Kasse bereitgestellt.

So einen Service bietet etwa Rewe in einigen Großstädten und Regionen in Deutschland an. Kaiser‘s Tengelman versendet frische Ware unter dem Markennamen „Die Bringmeister“ aus regionalen Lagerzentren. Rossmann und Edeka Südwest haben eigene Online-Shops gestartet.

Kommentare (3)

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HofmannM

27.02.2013, 09:53 Uhr

Wo soll jetzt das Verpackungsmüllbeseitungsproblem sein!?
Es gibt für den Haushalt bereits, die Reststoff-Tonne, die Bioabfall-Tonne, die Papierabfall-Tonne, die Plastikabfall-Tonne/Sack. Weiterhin gibt es zentral aufgestellte Blechabfall-Container, Glasabfall-Container und Altkleider-Container. Des weitern gibt es für größere/sperriger Abfälle den Betriebshof der Gemeinden/Städte. Außderdem gibt es für Sonderabfall (Baterien,Farbe,Lacke) extra eingerichtet Abfallcontainer bzw. Mobile.
Wenn ein Land ein Problem mit Abfallentsorgung hat, dann heißt dieses Land auf jedenfall NICHT DEUTSCHLAND!!!
Deutschland ist bereits ins kleinste Detail als Wiederverwertungs/aufbereitungs-Gesellschaft geregelt.
Eine Ausnahme gibt es jedoch, das ist die Wiederverwertung/Aufbereitung von abgenutzten Kernbrennstoffen. Hier wird lieber ein Wertstoff gelagert als wiederverwendet/aufbereitet!

vandale

27.02.2013, 10:07 Uhr

Ich nehme an, dass einige Grünlinge hier ein neues Geschäftsmodell wittern.

Der Oekokult der Mülltrennung bietet generell ein grosses Geschäftspotential und die Bevölkerung ist willens erhebliche Kosten und Mühen für ein ökoreligiös korrektes Image auf sich zu nehmen.

Vandale

Leser

27.02.2013, 10:35 Uhr

"Wo soll jetzt das Verpackungsmüllproblem sein?" Das habe ich mich auch gefragt. Als Verpackungsbranchen-Insider verfolge ich die ganze Diskussion mit etwas Unbehagen. Nicht, dass ich die ökologischen Aspekte auf die leichte Schulter nehme - im Gegenteil. Aber niemand, egal welches Szenarium er vertritt, darf glauben, dass sich an der Balance zwischen Rohstoffversorgung, Umweltbelastung, Kosten (!) und Lebensstil (!!) nichts ändern wird.

Was die Verpackung betrifft, denke ich, geht es in dem Artikel hauptsächlich um die zusätzliche Transportverpackung. Aber darum geht es eigentlich auch gar nicht und verlagert die Diskussion nur auf Nebenkriegsschauplätze. Was bei den Diskussionen oft vergessen wird: nicht die Verpackung wird gekauft, sondern das Produkt. Und ein Produkt, das nicht benötigt wird, braucht keine Primärverpackung, keine Transportverpackung und keinen Transport. Bleibt also die Frage: was brauchen wir wirklich?

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