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31.03.2006

20:01 Uhr

Unternehmen

Ölkonzerne sind die Gewinner

VonUlf Sommer

Die Top-Konzerne der USA schreiben 2005 Rekordgewinne. Vorallem die Ölkonzerne zählen zu den Gewinnern. Mit ihrer Hilfe läuft die US-Wirtschaft wie geschmiert. Mit Wachstumsproblemen kämpfen dagegen die Medien - und die Pharmabranche.

HB DÜSSELDORF/ NEW YORK. Öl, Öl und noch mal Öl. Die Unternehmen fast aller Branchen in den USA eilen von einem Rekord zum nächsten, doch der Ölsektor liegt klar vorn. Im abgelaufenen Jahr verdienten die 100 größten US-Firmen so viel wie noch nie. Und allen Prognosen nach wird 2006 das dritte Rekordjahr in Folge sein.

Den stärksten Beitrag zum Gewinn liefern die Ölkonzerne. Exxon Mobil verdiente im vergangenen Jahr mit einer gegenüber 2004 um drei Prozent verkleinerten Belegschaft netto 36 Mrd. Dollar. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Libyen oder Tunesien. Den Umsatz katapultierte Exxon auf 371 Mrd. Dollar und steht damit weit vor dem Zweiten der Top 100, Wal-Mart.

Exxon, auch nach Börsenwert der größte Konzern der Welt, steht mit seinem Rekordgewinn nicht allein. Conoco, die Nummer fünf, legte um 68 Prozent auf 13,5 Mrd. Dollar zu. Insgesamt kamen die fünf größten Ölfirmen auf über 70 Mrd. Dollar.

Derartige Spitzenumsätze und-gewinne machen die Konzerne zur Zielscheibe von Kritik. Der US-Kongress stellte die Firmen an den Pranger und bestellte die Top-Manager zu einer Anhörung ein. Senatoren bezichtigten sie des Preiswuchers und forderten, Subventionen und Steuererleichterungen zu streichen. Muss der Konzerngewinn von Exxon um mehr als 40 Prozent steigen, so fragten die aufgebrachten Parlamentarier, wenn gleichzeitig viele Amerikaner kaum noch ihre Heizkosten und Benzinrechnungen bezahlen können?

Die Begehrlichkeiten wachsen, an den Gewinnen über höhere Steuern teilzuhaben. Der US-Senat will 4,3 Mrd. Dollar über zusätzliche Abgaben auf die Lagerbestände der Ölkonzerne eintreiben. Ob das Gesetz den Kongress passiert, ist noch offen.

Zweifellos geraten die Öl-Unternehmen moralisch in die Defensive. Sie versuchen aber, ihre Rekordergebnisse in ein anderes Licht zu setzen. Exxon verwies nach Vorlage seiner Rekordbilanz darauf, dass Coca Cola - die Nummer 69 der Top 100 - mit jedem Dollar Umsatz mehr verdient als der Ölmulti. Auch die Kritik vieler Fachleute, dass die Branche zu wenig in Zukunftstechnik investiert, lässt Exxon nicht gelten. Unternehmenschef Rex Tillerson hob hervor, im vergangenen Jahr 17 Mrd. Dollar in alte und viele neue Projekte gesteckt zu haben - so viel wie kein anderer börsennotierter Ölkonzern.

Probleme mit seiner Größe hat auch der Handelsriese Wal-Mart. Verbraucher- und Gewerkschaftsaktivisten brachten den Konzern wegen der geringen Bezahlung seiner Mitarbeiter und vieler Billigimporte aus China so ins Schwitzen, dass die Aktie zeitweise um 15 Prozent einbrach.

Von solchen Schwierigkeiten können die Autobauer Ford und General Motors (GM) nur träumen. GM, noch immer vor Toyota der größte Autokonzern der Welt, steht seit Monaten mit dem Rücken zur Wand. Der Verlust von 8,5 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr offenbart das ganze Dilemma des Unternehmens: eine überholte Modellpalette, zu hohe Kosten, zu viele Mitarbeiter.

Ein mageres Jahr hat auch die Pharmabranche hinter sich. Marktführer Pfizer musste einen Ergebnis- und Umsatzrückgang wegstecken und liegt nur noch auf Platz 26 der Rangliste. Gegenwind bekommen die Konzerne von mehreren Seiten: Durch das Auslaufen wichtiger Patente und die Billigkonkurrenz der Generikahersteller brechen ihnen Umsatzstützen weg. Zugleich herrscht in den Forschungspipelines Ebbe. Die Entwicklung neuer Medikamente wird aufwendiger, die Erfolgsquoten sind gemessen an früheren Jahren mager.

Mit Wachstumsproblemen kämpft auch die Medienbranche. Deutlich zeigt sich das bei Time Warner. Mit einem Umsatzzuwachs von nur 3,7 Prozent hat der weltgrößte Medienkonzern für die Anleger viel von seinem früheren Glanz verloren. Selbst die Attacken des Großaktionärs Carl Icahn konnten den vor sich hin dümpelnden Börsenkurs nicht beflügeln. Die gesamte Branche tut sich schwer damit, ihre Einnahmeströme von den herkömmlichen Medienträgern auf das rasant wachsende Internet umzuleiten. Während der Markt für Online-Werbung explodiert, verlieren die Printmedien bei den Anzeigenkunden an Attraktivität. Sichtbarstes Zeichen dieser Entwicklung ist der Verkauf und die Zerschlagung des zweitgrößten amerikanischen Zeitungskonzerns Knight Ridder.

Am Ende der Hitliste gibt es dagegen einen Lichtblick: Die US-Fluggesellschaft United Airlines (UAL) fliegt nach mehr als drei Jahren nicht mehr an der kurzen Leine des Konkursrichters. Das Erfolgsrezept: die Gesellschaft ist kleiner geworden.

Blickt man auf das laufende Jahr, so erwarten Volkswirte und Analysten nicht nur ein robustes Wachstum der US-Wirtschaft, sondern auch das dritte Rekordgewinnjahr in Folge. Doch die Aktionäre würdigten das rasante Wachstum bislang kaum. Die Aktienkurse der Top 100 legten durchschnittlich nur um ein Prozent zu. Gut war häufig nicht gut genug. Anteilseigner und Analysten hatten oft noch höhere Gewinne erwartet.

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