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25.04.2013

15:44 Uhr

Ölriese Exxon Mobil

Wertvollster Konzern der Welt verdient noch mehr Geld

VonSebastian Ertinger

Im Rennen mit Apple um die Krone des wertvollsten Unternehmens baut der Öl-Riese Exxon seinen Vorsprung aus. Die Texaner steigern erneut ihren Gewinn. Doch in einer Liste verlieren sie den Spitzenplatz.

Der Ölriese Exxon Mobil ist der wertvollste Konzern der Welt. ap

Der Ölriese Exxon Mobil ist der wertvollste Konzern der Welt.

IrvingDas Geschäft mit Raffinerie- und Chemieprodukten läuft beim weltgrößten Ölkonzerns Exxon-Mobil prächtig: Im ersten Quartal stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro), wie der Konzern mitteilte. Der Gewinn je Aktie bezifferte sich auf 2,12 je Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 2,05 Dollar gerechnet.

Der Gewinnzuwachs sei gelungen, obwohl Exxon-Mobil kräftig in die Erschließung neuer Energiequellen investiere, sagte Firmenchef Rex Tillerson am Firmensitz im texanischen Irving. Die reine Förderung von Öl und Gas warf weniger Geld ab, zumal die Menge leicht sank. Dies wurde jedoch durch höhere Einnahmen in der Weiterverarbeitung mehr als ausgeglichen. An den Börsen wurde offenbar mehr erwartet. Der Aktienkurs gab leicht um rund ein Prozent nach.

Strenge Auflagen für Schiefergas-Bohrungen

In den USA bereits voll im Einsatz

In Ländern wie den USA boomt die Ausbeutung schwer zugänglicher Gas- und Ölvorkommen bereits seit längerem - in Deutschland will die Bundesregierung bis zum Sommer Rahmenbedingungen festlegen. Mithilfe der heftig umstrittenen „Fracking“-Technologie können fossile Energieträger aus Gesteinsschichten wie etwa Schiefer herausgelöst werden. Der Begriff steht kurz für „hydraulic fracturing“ - zu deutsch so viel wie hydraulisches Aufbrechen von Gestein.

Fracking-Technologie

Kern der Technik ist es, Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein zu pressen und dadurch Druck zu erzeugen. Dadurch sollen Gas oder Öl freigesetzt werden. Von großer Bedeutung sind heute horizontale Bohrungen, mithilfe derer seitwärts innerhalb einzelner Gesteinsschichten gebohrt werden kann. Dadurch können dieses in der Breite erschlossen und schwer erreichbare Rohstoffvorkommen zugänglich gemacht werden.

Kritik

Kritiker bemängeln beim Fracking unter anderem den Einsatz von Chemikalien. Die Substanzen könnten durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen. Daneben stellen Bohranlagen für Kritiker einen Eingriff in die Natur dar.

Fracking in Deutschland

Fracking zur Erschließung von schwer zugänglichen Gas- oder Ölvorkommen in Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesumweltministeriums bislang nicht. Im Kohlebergbau wird die Technologie jedoch eingesetzt und teils auch bei Erdwärmebohrungen. Regeln für das Fracking gibt es laut Ministerium bislang nicht, nun sollen diese geschaffen werden. Bislang ließen Bundesländer Fracking schon eingeschränkt zu.

Pläne der Bundesregierung

Die Bundesregierung fängt die Kritik in der geplanten Verordnung auf, indem sie Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbietet und Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Bohrvorhaben für verbindlich erklärt. Die UVP ist Teil des erforderlichen Planfeststellungsverfahrens für Bohrvorhaben, womit auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Beim Einsatz des Fracking im Bergbau werden Umweltverträglichkeitsprüfungen damit nicht verpflichtend.

Schiefergasvorkommen in Deutschland

Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern unter der Oberfläche der Bundesrepublik bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas aus Schiefergestein. Damit könnte Deutschland theoretisch über ein Jahrzehnt ohne Gaslieferungen aus dem Ausland auskommen. Durch das Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten dürfte sich das Potenzial deutlich verringern.

Wirtschaftlichkeit

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass sich Fracking in Deutschland und der EU bei den aktuellen Gaspreisen bislang "überhaupt nicht lohnen" würde. Das ZEW befragte Energiemarktexperten, auf welches Niveau der Preis je Megawattstunde Gas dafür steigen müsste. Derzeit kostet Erdgas an Großhandelsbörsen laut ZEW rund 27 Euro. 30 Prozent der Experten halten einen Preis von 40 bis 50 Euro nötig, 34 Prozent der Gaspreise von 50 bis 60 Euro oder darüber mehr.

Fracking in anderen Ländern

Die USA decken einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten die Vereinigten Staaten 2030 vollkommen unabhängig von Energieträgern aus dem Ausland sein. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Nach Einschätzung des Ölkonzerns Shell haben die USA durch Fracking einen Erdgasvorrat von 100 Jahren - die Staaten der Welt insgesamt für 250 Jahre. In Europa treibt unter anderem Polen die Schiefergas-Förderung voran.

Im Gesamtjahr 2012 verbuchte der Konzern mit Sitz in Irving ein Gewinnplus von neun Prozent auf 45 Milliarden Dollar. Der Branchenprimus Exxon hatte bereits im vierten Quartal 2012 mit einem Nettogewinn von 9,95 Milliarden Dollar oder 2,20 Dollar je Aktie die Erwartungen übertroffen.

Zu Exxon Mobil gehören auch die 1100 deutschen Esso-Tankstellen. Damit ist der Konzern eines der umsatzstärksten US-Unternehmen in Deutschland. Exxon liefert sich mit Apple ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wertvollsten börsennotierten Unternehmens. Nach dem Kursverfall der Apple-Aktie rückte zuletzt Exxon an die Spitze.

Den Top-Platz als mächtigstes Unternehmen der Welt mussten die Texaner aber abtreten. Auf der jedes Jahr aufgestellten Liste des US-Wirtschaftsmagazins Forbes verdrängte eine chinesische Bank den Ölkonzern von Platz 1. Als mächtigstes Unternehmen der Welt kürt das Magazin nun die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC).

Exxon baute zuletzt sein Engagement im Gasgeschäft vehement aus – sowohl beim herkömmlichen Erdgas wie auch beim alternativen Schiefergas. So kauften die Texaner für 41 Milliarden Dollar den Gaskonzern XTO. Außerdem baute der Konzern sein Schiefergas-Portfolio in North Dakota sowie in Kanada aus.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

Schiefergas wird über Bohrlöcher mit einem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien aus tiefen Gesteinsschichten gepresst. Die „Fracking“ genannte Methode wird bislang vorwiegend in Nordamerika angewandt. Allerdings ist sie wegen möglicher Umweltgefahren umstritten.

Die neuen Türme fördern so viel, dass die Preise für die Energieträger in den USA fallen. Gas ist mittlerweile um rund 70 Prozent billiger als in Europa. Mit den fallenden Preisen drohen allerdings auch die Gewinne der Energiekonzerne zu versiegen. Doch auf der anderen Seite beflügelt die wachsende heimische Produktion auch das Raffineriegeschäft der Öl-Giganten.

Mit Material von dpa

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