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25.04.2013

23:44 Uhr

Online-Händler

Amazon wettet auf die Zukunft

VonChristof Kerkmann, Nils Rüdel

Teuer expandieren, auf hohe Gewinnspanne verzichten – aber am Ende viele neue Kunden gewinnen: Das ist die Formel von Amazon-Chef Jeff Bezos. Wie die Zahlen aus dem ersten Quartal zeigen, zahlt sich das offenbar aus.

Amazon.com-Gründer. Jeff Bezos. ap

Amazon.com-Gründer. Jeff Bezos.

SeattleAmazon wettet weiter auf die Zukunft. Traditionell sorgt das weltgrößte Online-Kaufhaus mit immer neuen Produkten zu Kampfpreisen für Wachstum. Das soll langfristig viele neue Kunden bringen, allerdings um den Preis, dass von den Einnahmen nur wenig übrig bleibt.

Dies zeigen auch die Zahlen aus dem ersten Quartal, die Amazon am Donnerstagnachmittag nach US-Börsenschluss vorlegte. Demnach legte der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um satte 22 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn allerdings schrumpfte – auf unterm Strich 82 Millionen Dollar. Das sind 37 Prozent weniger als in den ersten drei Monaten des Jahres 2012.

Der Online-Händler hatte zu Jahresbeginn unter anderem das große Modell seines Tabletcomputers Kindle Fire HD nach Europa und Japan gebracht und parallel dazu den Preis in den USA gesenkt. Über seine Kindle-Geräte verkauft Amazon Musik, Filme und Bücher. Amazon bietet die Minicomputer kaum über dem Selbstkostenpreis an, um dann am Verkauf von Inhalten und Diensten zu verdienen.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Der operative Gewinn lag im ersten Quartal zwar etwas niedriger als im Vorjahreszeitraum – doch er fiel mit 181 Millionen Dollar fast doppelt so hoch aus als von Analysten erwartet. Die Börse belohnte Amazon-Chef Jeff Bezos am Donnerstag folglich mit Kursaufschlägen: Die Aktie drehte im nachbörslichen Handel um fast sechs Prozent nach oben. Analysten lesen in den Quartalszahlen, dass sich Bezos` Strategie – erst teuer expandieren, dann auf viele neue Kunden hoffen – auszuzahlen scheint.
Denn die Gewinnspanne, also das, was von den Einnahmen übrig bleibt, weitete sich im Vergleich zum Vorjahresquartal aus. „Die Verbesserung der Marge geht seit dem vierten Quartal unvermindert weiter“, sagte Daniel Kurnos von Benchmark Co der Finanznachrichtenagentur „Bloomberg“. Er bewertet die Aktie mit „Kaufen“.

Laut Bezos soll es mit dem hohen Tempo auch im laufenden zweiten Quartal weitergehen: Er rechnet mit einem Wachstum zwischen 13 und 26 Prozent. Gleichzeitig erwartet der Konzern einen operativen Verlust.

Zum Wachstum beitragen könnte ein neues Amazon-Produkt, über das am Donnerstag heftig spekuliert wurde. Nach einem Bericht des US-Magazins „Businessweek“ arbeitet der Konzern an einer TV-Box, mit der Nutzer das große Film- und Serien-Angebot des Online-Giganten auch bequem im Wohnzimmer gucken können. Sie wäre auch die Eintrittskarte zu den Videoinhalten, die in Deutschland etwa über den Dienst Lovefilm angeboten werden.

Ähnlich wie der Kindle und der Kindle Fire wäre das Gerät eine Art elektronischer Verkaufskatalog. So könnte auch ein Amazon-Smartphone funktionieren, über das US-Medien bereits seit geraumer Zeit spekulieren. Am Donnerstag gab es keine offiziellen Bestätigung der angeblichen Pläne.

Kommentare (3)

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Jo.

25.04.2013, 23:44 Uhr

Ich habe meinen Amazon-Account löschen lassen und bestelle dort nichts mehr.

Account gelöscht!

26.04.2013, 00:36 Uhr

@Jo.

"Ich habe meinen Amazon-Account löschen lassen und bestelle dort nichts mehr."

Das sie ihren Account löschen bleibt ihnen frei überlassen. Der zweite Teil ihres Satzes ist jedoch redundant, denn ohne Account ist auch keine Bestellung möglich. ;)

Fakt ist aber auch: Amazon schafft es immer mehr potenzielle Kunden von seiner/ihrer Qualität zu überzeugen. Die Strategie, kurzfristig auf Marge zu verzichten, um damit langfristig den Unternehmenserfolg zu sichern, ist jedoch beispielhaft.

Account gelöscht!

26.04.2013, 08:32 Uhr

Ein manipulierbarer Witzbold weniger, der auf das augenblicklich beliebte Amazon-Bashing dünnbrettbohrender Medien reinfällt. Amazon wird's verschmerzen können

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