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15.05.2014

15:00 Uhr

Optimistischer Ausblick

Deutsche Börse befürwortet mehr Regulierung

Die Deutsche Börse hofft auf Rückenwind durch ein strengeres Regelwerk. Besonders die Abwicklung von Derivaten soll dem Konzern ein kräftiges Plus bescheren. Die Hauptversammlung verkleinert zudem den Aufsichtsrat.

Die Frankfurter Börse: Die Kooperation mit Tradegate soll neue Impulse bringen. dpa

Die Frankfurter Börse: Die Kooperation mit Tradegate soll neue Impulse bringen.

FrankfurtDie meisten Finanzkonzerne schimpfen über strengere Regeln der Aufsichtsbehörden, die Deutsche Börse hofft dadurch auf Rückenwind. „Die derzeitige Re-Regulierung der Märkte wird unsere Position im Saldo stärken“, sagte Firmenchef Reto Francioni am Donnerstag. Hoffnungen setzt der Schweizer vor allem auf die Abwicklung von bisher außerbörslich gehandelten Derivaten. Kritik an Francioni gab es auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Jahrhunderthalle im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als die geplatzte Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) im Mittelpunkt stand, dieses mal kaum.

Ein Aktionärsvertreter begrüßte es sogar ausdrücklich, dass Francioni nach diversen gescheiterten Fusions- und Übernahmeversuchen keine Mega-Deals mehr anstrebt, beispielsweise in Wachstumsmärkten. „Asiatische Staaten würden es wohl kaum zulassen, dass ein europäischer oder amerikanischer Börsenbetreiber eine heimische Börse übernimmt“, sagte Andreas Lang von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Hinzu kommt, dass sich die Deutsche Börse bei Übernahmen in der Vergangenheit nicht besonders geschickt angestellt hat.“

Die Börse konzentriert sich seit der geplatzten Übernahme der Nyse 2012 notgedrungen auf Wachstum aus eigener Kraft. Mit der Abwicklung von bisher außerbörslichen gehandelten Derivaten (OTC) erwarte Deutschlands größter Börsenbetreiber ab 2017 Einnahmen von 50 bis 100 Millionen Euro pro Jahr, sagte Francioni. Weltweit werde das Umsatzpotenzial in diesem Geschäftsbereich auf eine Milliarde Euro geschätzt. „Wir zielen insbesondere auf institutionelle Anleger und möchten hier einen Marktanteil von 25 Prozent im europäischen Kundengeschäft für das Clearing von Zinsswaps erreichen“, sagte Francioni.

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Abwicklungshäuser wie die Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing stellen sich bei Geschäften zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, falls einer der Handelspartner ausfällt. Um die Transparenz und Sicherheit im weltweit über 600 Billionen Dollar schweren Derivatemarkt zu erhöhen, wollen Aufseher rund um den Globus, dass künftig mehr Geschäfte über die Abwicklungshäuser laufen. In Europa wurde die Einführung einer Clearing-Pflicht allerdings mehrfach verschoben, Francioni rechnet damit nun für das erste Quartal 2015.

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