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03.03.2004

07:00 Uhr

Otto Christian Lindemann will den Sexartikelversender Beate Uhse durch gewagte Zukäufe an die Weltspitze führen

Zum Nachtisch Kaviar

VonGregory Lipinsky (Handelsblatt)

Handys waren einmal das Metier des groß gewachsenen Managers, zuletzt hat er sie vor mehr als sieben Jahren bei der Kieler Telefongesellschaft Hagenuk verkauft. Damals war er dort Geschäftsführer. Heute ist Lindemann Vorstandsvorsitzender von Beate Uhse in Flensburg, dem größten Versender von Erotikartikeln.

Otto Christian Lindemann. Foto: dpa

Otto Christian Lindemann. Foto: dpa

FLENSBURG. Sanft streicht der Zwei-Meter-Mann mit seinem Daumen über das Handy: „Die Gehäuse gibt es in verschiedenen Pastelltönen, von leicht Hellblau bis Zartrosa“, sagt der 45 Jahre alte Manager mit den leicht ergrauten und stark gewellten Haaren. Doch das Handy ist keine Neuheit der Telefonanbieter Nokia, Siemens & Co. Es benötigt keine Sim-Karte – auch Telefoneinheiten und Grundgebühren entfallen. Das, was Otto Christian Lindemann da in der Hand hält, ist die jüngste Generation von Vibratoren: klein und kompakt für jede Frauenhandtasche.

Eigentlich passt der schlacksige Mann gar nicht in die Erotikwelt zwischen Dessous, Dildos und Düften. Eher schüchtern und unbeholfen wirkt der Konzernchef, wenn er im firmeneigenen Shop zwischen den Auslagen schwarzer und roter Lederslips, Pornoheften und Videos steht – gleich am Eingang der im 60er-Jahre-Stil erbauten Firmenzentrale. Seine Zurückhaltung liegt zum Teil an seiner Kindheit. „Ich komme aus einer konservativen Bauernfamilie mit einer 400 Jahre alten Tradition“, erzählt der Agrarökonom.

Als er im April 2000 die Führung bei Beate Uhse antrat, riet ihm seine 67-jährige Mutter Elke von dem Job ab. „Meine Mutter konnte es zunächst gar nicht akzeptieren, dass ich bei Beate Uhse arbeite“, gesteht Lindemann. Denn in seinem schleswig-holsteinischen Geburtsort Meldorf, einem verschlafenen Nest in der Nähe des Badeorts Büsum, waren Sexualpraktiken ein absolutes Tabuthema.

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