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30.01.2007

09:44 Uhr

Otto Graf Lambsdorff

Das marktwirtschaftliche Gewissen der Nation

VonThomas Sigmund

Altgediente Weggefährten nehmen kein Blatt vor den Mund: „Trockener Humor, willensstark und zuweilen sehr eigenwillig“. Ein Parteichef, der „schon mal gerne morgens im Deutschlandfunk den Kurs durchgab, den die Bundestagsfraktion dann am Nachmittag beschließen sollte“, erinnert sich einer nicht nur mit Freude an die Durchsetzungsstärke von Otto Graf Lambsdorff.

Otto Graf Lambsdorff: Selbst seine Gegner zollen ihm Respekt.

Otto Graf Lambsdorff: Selbst seine Gegner zollen ihm Respekt.

BERLIN. Die Beschreibung der Stärken und Schwächen des FDP-Politikers fällt an diesem Abend im Berliner Schloss Charlottenburg herzlich rau aus. 500 Gäste feiern den 80. Geburtstag von Lambsdorff. Nicht nur die gesamte Parteiprominenz ist erschienen. Lambsdorff hat wie kaum ein Zweiter in den vergangenen Jahrzehnten seine tiefen politischen Fußspuren in der Republik hinterlassen. Der Graf war von 1977 bis 1984 unter den Kanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl Wirtschaftsminister, danach von 1988 bis 1993 FDP-Vorsitzender.

Altkanzler Helmut Kohl weiß das zu würdigen und ist gekommen. Lambsdorff bereitete Kohl den Weg ins Kanzleramt, als er im September 1982 mit seinem berühmten „Wende-Papier“ das Ende der sozialliberalen Koalition auslöste. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist da. Der zuweilen farblos agierende Glos mag sich an diesem Abend vorgestellt haben, wie er dem Amt einst wie Lambsdorff schon allein durch seine Autorität Gewicht verleihen könnte. Ein Format, das wohl nur noch die Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Karl Schiller besaßen.

Je weiter Lambsdorff von der aktiven Politik entfernt zu sein scheint, desto größer ist seine Wirkung, wenn er sich wieder einmal in die Politik einmischt. Von Zeit zu Zeit muss das FDP-Parteichef Guido Westerwelle erfahren, der dann – wie er gestern selbst sagte – einen „kurzen und prägnanten Marschbefehl“ erhalte. Er sei aber froh, wenn Lambsdorff Anteil an seiner Arbeit nehme, fügte der FDP-Chef lachend hinzu. Vor allem setzt sich Lambsdorff mit der derzeitigen Wirtschaftspolitik auseinander, fördert die Marktwirtschaft, wo er nur kann, ohne das Soziale zu vergessen.

Vor kurzem antwortete er in einem Handelsblatt-Interview auf die Frage, was denn von der Ankündigung Angela Merkels, sie wolle mehr Freiheit wagen, übrig geblieben sei: „Unordnung. Der Koalition fehlt Klarheit und Ordnung“, sagte Lambsdorff, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.

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