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06.01.2009

13:52 Uhr

Pannen der Börsenaufsicht

US-Aufsicht prüfte Madoff mehrfach erfolglos

Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte kommen an der New Yorker Wall Street immer neue Pannen der US-Aufsicht ans Licht. Laut Zeitungsbericht kamen die Geschäfte des Betrügers Madoff acht Mal bei der SEC auf den Tisch – erfolglos. Inzwischen beschäftigen die Versäumnisse der SEC auch die Politik.

US-Anwälte haben bei einem New Yorker Richter beantragt, Bernard Madoff in Haft zu nehmen. Foto: Reuters Quelle: Reuters

US-Anwälte haben bei einem New Yorker Richter beantragt, Bernard Madoff in Haft zu nehmen. Foto: Reuters

WASHINGTON/NEW YORK. Die Behörden hätten die Geschäfte des Brokers Bernard Madoff allein in den vergangenen 16 Jahren mindestens acht Mal unter die Lupe genommen, berichtete das „Wall Street Journal“ gestern. Dennoch flog das wohl 50 Milliarden Dollar schwere „Schneeball-System“ mit vielen Geschädigten auch in Europa nicht auf.

Nach dem Bericht schickte etwa ein Hedge-Fonds den Beamten per E-Mail die Warnung, das Geschäft von Madoff sei „äußerst ungewöhnlich“. Die Aufsichtsbehörde Finra berichtete 2007, dass Teile des Madoff-Imperiums offenbar völlig ohne Kunden auskämen. Zwei Mal sei Madoff von der SEC persönlich befragt worden. Doch von dem größten Betrugsschema der Geschichte habe sie nichts bemerkt.

Der einst angesehene New Yorker Geschäftsmann steht unter Hausarrest in seinem Luxus-Appartement in Manhattan. US-Staatsanwälte beantragten gestern bei einem New Yorker Richter, Madoff in Haft zu nehmen. Ihm wird vorgeworfen, Wertgegenstände im Wert von einer Millon Dollar transferiert und damit gegen Bewährungsauflagen verstoßen zu haben.

Inzwischen beschäftigen die Versäumnisse etwa der Börsenaufsicht SEC auch die Politik. Im Finanzausschuss des US-Abgeordnetenhauses stand gestern Abend eine Anhörung zu dem Mitte Dezember von Madoff selbst gestandenen Betrugsfall auf der Tagesordnung. Einer der Hauptzeugen der Anhörung ist SEC-Inspektor David Kotz, der im Auftrag des scheidenden SEC-Chefs Christopher Cox Licht in den Fall bringen soll. Cox hatte bereits Fehler seiner Behörde eingeräumt und eine interne Untersuchung angeordnet. Ehemalige Wettbewerber Madoffs und Insider hatten die Kontrolleure Berichten zufolge jahrelang mit Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten versorgt. Angesichts der Finanzkrise stehen derzeit die SEC und andere Aufseher generell in der Kritik. Sie sollen nicht ausreichend vor den Risiken an den Märkten gewarnt haben. Der Treuhänder, der das Vermögen von Madoff verwaltet, hat liquide Mittel in Höhe von 830 Mio. Dollar ausgemacht, wie bei der Anhörung im US-Abgeordnetenhaus bekannt wurde.

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