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13.01.2014

22:16 Uhr

Paris und Lyon

Wütende Taxifahrer greifen US-Konkurrenz an

VonAxel Postinett

Französische Straßen können ein gefährliches Pflaster sein – das gilt auch für private Chauffeurdienste. In Paris und Lyon wurden Fahrzeuge des US-Anbieters Uber angegriffen. Täter: Offenbar aufgebrachte Taxifahrer.

Screenshot der Berichterstattung auf rudebaguette.com: Der zerstochene Reifen gehört zum Fahrzeug, in dem sich Unternehmerin Kat Borlongan befand. rudebaguette.com

Screenshot der Berichterstattung auf rudebaguette.com: Der zerstochene Reifen gehört zum Fahrzeug, in dem sich Unternehmerin Kat Borlongan befand.

San FranciscoDie Maschinenstürmer sind zurück. Es begann mit einer Attacke auf ein Fahrzeug der Firma Uber auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt von Paris. Wütende Demonstranten, vermutlich Taxifahrer, attackieren den schwarzen Mercedes des Chauffeurdienstes aus San Francisco, werfen eine Seitenscheibe ein, blockieren den Wagen. Fotos im Internet zeigen zerstochene Reifen, eine Seite des Autos wurde mit Klebstoff eingesprüht. An Bord neben dem Fahrer der CTO des Start-Ups Eventbrite und Five-by-Five-Mitgründerin Kat Borlongan, die den Zwischenfall auf Twitter dokumentieren.

Wenig später geht es Schlag auf Schlag: Mindestens zwölf Zwischenfälle, von zerplatzten Eiern auf der Windschutzscheibe bis zu zerstochenen Reifen, werden jetzt aus Paris und aus Lyon gemeldet. Die Ziele jedes Mal: Fahrzeuge des Start-Ups und Taxi-Wettbewerbers Uber. Dessen Statthalter in Frankreich, Pierre-Dimitry Gore-Coty verurteilt die Übergriffe aufs Schärfste und lobt die Fahrer, die umsichtig gehandelt und ihre Passagiere sicher aus der Gefahrenzone gebracht hätten. Bloomberg berichtet von zwei weiteren Zwischenfällen, bei denen Fahrzeuge des Limousinen-Dienstes Chauffeur Privé angegriffen wurden.

Sie nennen sich selbst „disruptive“, zerstörerisch, und nehmen für sich in Anspruch, verkrustete Strukturen und Branchen aufzubrechen. So wie der Chauffeur-Dienst Uber. Seit Amazon nach dem Buchhandel eine Handelsbranche nach der anderen in Schutt und Asche legt, sind sich die Menschen jedoch nicht nur der Vorteil des Internets, sondern auch der Gefahren bewusst. Für jeden Arbeitsplatz, der im Silicon Valley geschaffen wird, geht mindestens einer irgendwo anders in der Welt verloren.

Die Politik reagiert auf diese Veränderungen viel zu langsam und überlässt die Betroffenen weitgehend ihrem Schicksal. So wie damals, als im 19. Jahrhundert das unkontrollierte Vordringen der automatischen Webstühle den Aufstand der Weber provozierte. Sie standen mit ihren Familien schnell dem Rücken zur Wand. Doch das Zerstören der Webstühle hielt die Entwicklung nicht auf.

Die Beziehungen zwischen französischen Taxifahrern und dem Herausforderer Uber sind schon seit geraumer Zeit angespannt, spätestens, seit die „15-Minuten-Regel“ gilt. Sie verlangt eine Wartezeit von mindestens 15 Minuten zwischen Online-Buchung eines Fahrers und Abholung des Passagiers. Auf Drängen der Taxibranche eingeführt löst sie jedoch keines der grundlegenden Probleme.

Kommentare (7)

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Hittheleft

14.01.2014, 09:03 Uhr

Dann hoffe ich doch sehr dass Sie einmal selbst in ein ordentlich angegriffenen Taxi mit Ihrer Familie sitzen werden. Dann werden Ihre ignoranten Kommentare wohl schnell verblassen. Viel Spass dabei.

DerTaoist

14.01.2014, 09:03 Uhr

Auch im Handelsblatt stolpert man immer wieder über den Fehler der falschen Schreibweise des Wortes lizenziert. Das scheint unausrottbar zu sein, gleichwohl MS-Word diesen Fehler nun bereits seit einigen Jahren korrigiert hat.

Ansonsten sind ein paar gute Sätze in dem Artikel enthalten, am besten hat mir jener über Amazon gefallen, das 'eine Handelsbranche nach der anderen in Schutt und Asche' lege. Diese Formulierung ist gut...

kalle

14.01.2014, 09:35 Uhr

Wer in Frankreich, insb. Paris regelmässig Taxi fährt bzw. noch den Mut hat, dies zu versuchen, ist da wohl anderer Meinung. Verdreckte Fahrzeuge, willkürliche Zurückweisung bei Kurzstrecken oder auch längeren Fahrten nach Hause in die Banlieue - da lässt sich ja beim Rückweg kein Kunde abgreifen - und ein generell miserables Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Regel und bringen die Leute dort zurecht gegen die Taxifahrer auf, für deren sogenannten Streik (was eigentlich hiesse, dass sie einfach nicht fahren und nicht etwa Blockade- und Randaleaktionen versanstalten...) die Bevölkerung (okay, sagen wir 90% aller Kommentatoren bei den Online-Auftritten grosser Tageszeitungen) im Gegensatz zu allen anderen Protestbewegung keinerlei Verständnis aufbringt. Dem schliesse ich mich an und freue mich, von der Alternative Uber (und anderen, auch franz. Fahrdiensten)erfahren zu haben, die ich gerne nutzen und bestimmt vorziehen werde.

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