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16.03.2004

16:06 Uhr

Pasquale Pistorio verlässt den Chiphersteller STM

Der Patriarch tritt ab

VonOliver Stock

Der Übervater Pasquale Pistorio geht. Der untersetzte Mann mit dem grauen Schnauzbart, der 17 Jahre an der Spitze eines der größten Halbleiterherstellers der Welt gestanden hat, macht Platz für einen jüngeren.

ZÜRICH. Pasquale Pistorio, gebürtiger Sizilianer und Chef des italienisch-französischen Unternehmens ST Microelectronics mit Sitz in Genf, hat angekündigt, im nächsten Jahr die Führung des Konzerns seinem Stellvertreter Carlo Bozotti zu überlassen.

Mit dem Wechsel werden für das Unternehmen, das im vergangenen Quartal einen Umsatz von 2,11 Milliarden Euro erwirtschaftete, neue Zeiten anbrechen. Pistorio war ein Chef, der gerne über jene Dinge redete, die in der sterilen Welt der Chipproduzenten eigentlich keinen Platz haben. „Ich bin überzeugt, dass künftig nur Firmen erfolgreich sein werden, die sich um soziale Belange kümmern“, lautet eine seiner Botschaften, die er gegenüber Analysten immer wiederholte. Dass er den Konzern, den er selbst aufgebaut hat, wie einen Familienbetrieb geführt hätte, ist angesichts von mehr als 45 000 Mitarbeitern sicher übertrieben. Aber dass der 68-Jährige wie ein gütiger, aber mitunter strenger Übervater regierte, können seine Mitarbeiter nicht leugnen.

Sie werden sich jetzt auf einen neuen Stil einstellen. Der Norditaliener Bozotti ist 16 Jahre jünger. Der Fußball- und Jazzfan arbeitet seit 1980 bei einem Vorläufer der heutigen ST Microelectronics. Er übernahm nach der Gründung des Konzerns in seiner heutigen Form die Telekom-Sparte. Nach Stationen als US- und Europa-Chef stieg er 1998 zum Stellvertreter Pistorios auf.

Es ist unwahrscheinlich, dass er in dessen Rolle des Übervaters schlüpft. Bozotti ist weniger ein Patriarch als ein nüchterner Manager, den die Zahlen stärker als die Visionen interessieren. Und zweitens erhält der Italiener mit dem Franzosen Alain Dutheil, 59, einen ebenfalls lang gedienten ST-Microelectroniker, einen starken Mann an seine Seite. Dutheil soll sich um das operative Geschäft kümmern – eine Aufgabe, die Pistorio bislang selbst wahrgenommen hat. Die Doppellösung wird den Aktionären gefallen, die streng auf den italienisch-französischen Proporz achten. Außerdem schmeichelt sie dem bisherigen Chef, der offenbar nicht durch einen einzigen Nachfolger zu ersetzen ist.

Genug zu tun ist für beide Nachfolger. Im Gegensatz zu den meisten anderen Chipfirmen konnte ST Microelectronics nicht vom Ende der Krise in der Chipindustrie profitieren. Intel, Texas Instruments und Infineon haben bessere Prognosen für dieses Jahr abgegeben als die Genfer, denen der schwache Dollar und hausgemachte Probleme zu schaffen machen: Sie haben zu viele Chips mit niedrigen Margen im Programm. So schneiden sie bei einem Boom nur unterdurchschnittlich ab. Pistorio hat das Problem erkannt. Die Bruttomarge sei enttäuschend, räumte er jüngst ein. Seine Nachfolger müssen das künftig ändern.

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