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18.09.2015

14:24 Uhr

Patentes von der Wies'n

Von Bier-Pipeline bis „Maß-O-Meter“

VonAxel Höpner

Das traditionsreiche Oktoberfest steckt voll technischer Raffinessen, geschützt durch tausende Patente. Nur eines lässt sich keiner patentieren – die Rezeptur des Bieres. Die hält jeder Braumeister streng geheim.

Über 2000 Patente finden sich rund um die Wies'n. dpa

Kreatives Oktoberfest

Über 2000 Patente finden sich rund um die Wies'n.

MünchenDie Bierbänke auf dem Münchener Oktoberfest müssen ja so einiges aushalten. Wenn am Samstag Oberbürgermeister Dieter Reiter mit den Worten „O'zapft is“ das größte Volksfest der Welt eröffnet, werden die Besucher schon kurz darauf zu Wiesn-Hits wie „Alice“ und „Skandal im Sperrbezirk“ mit der Maß Bier in der Hand auf den Bänken tanzen.

Ein harter Materialtest ist das, und Bank ist da nicht gleich Bank: Auf Bierbank-Garnituren sind immerhin 64 Patente zugelassen, berichtete das Europäische Patentamt in München pünktlich vor dem Start des 182. Oktoberfests.

Insgesamt, so die Experten, gibt es weit mehr als 2000 europäische Patente rund ums Bierzelt. Spitzenreiter sind die Bierzapfhähne mit 1813 Patenten. Für Schankanlagen sind 422 Patente verzeichnet, im Bereich der Spülanlagen sind es 74. Wegen des immer größeren Andrangs – heuer werden mehr als 6,5 Millionen Besucher erwartet, investieren die Wirte regelmäßig in technische Neuerungen.

Oktoberfest in München von A bis Z (1)

A wie Anstich

Um Punkt 12.00 Uhr sticht der Münchner Oberbürgermeister am ersten Wiesn-Samstag in der Anzapfboxe im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an und ruft: „Ozapft is!“ 2014 musste die Boxe umgebaut werden. Nachdem mit Christian Ude mehr als 20 Jahre lang ein Linkshänder das Fass anstach, folgt ihm mit Dieter Reiter ein Rechtshänder.

B wie Bier und Brezn

Sie bilden so etwas wie die Corporate Identity des Oktoberfestes. Kein Wiesn-Plakat kommt ohne Bilder von Brezn und Bierkrügen aus. 2014 war das Bier so teuer wie noch nie, die Maß knackte erstmals die 10-Euro-Grenze. 2016 zahlt man schon zwischen 10,40 Euro und 10,70 Euro.

C wie Campingplatz

Der zweite Hotspot neben der Theresienwiese ist ein Campingplatz in Thalkirchen, ein wenig außerhalb der Innenstadt. Da nisten sich vorzugsweise australische Touristen ein, um von dort aus Tag für Tag auf die Wiesn zu pilgern.

D wie Dirndl-Dekolleté

Holz vor der Hüttn kann im Dirndl nicht schaden. Wer den Blick ins Dekolleté wagen will, sollte aber vielleicht vorher kurz auf die Dirndl-Schürze schauen. Hat die Dame den Knoten von ihr aus betrachtet links gebunden, gibt es noch Chancen. Ist er rechts, ist sie vergeben.

E wie Endlose Warterei

Wer im Bierzelt feiern will und keine Reservierung hat, braucht Geduld und starke Nerven. Vor allem junge Leute stehen schon Stunden, bevor die Zelte öffnen, an den Eingängen an, um einen Platz zu ergattern.

F wie Flirten

Das Flirten gehört zur Wiesn wie Brezn, Bier und Blasmusik. Schließlich bringen Dirndl und Lederhose oft – zumindest optisch – das Beste im Menschen zum Vorschein.

G wie Gspusi

Klappt es mit dem Flirten, ergibt sich daraus vielleicht ein Gspusi, ein kleines Techtelmechtel.

H wie Hügel

Im Winter fahren Kinder mit dem Schlitten hinunter, zur Wiesn-Zeit geht es auf dem Hügel hinter den Bierzelten alles andere als jugendfrei zu. Paare, die frisch zusammengefunden haben, kommen sich dort näher, Wiesngäste erleichtern ihre Blase – oder schlafen ihren Rausch aus. Spätestens in Woche zwei ist der Geruch in Hügel-Nähe kaum noch zu ertragen.

I wie Italiener-Wochenende

Das mittlere Wiesn-Wochenende gilt traditionell als besucherstärkstes Wochenende – und vor allem zehntausende italienische Gäste tragen ihren Teil dazu bei.

„Allein in einer Maß Bier stecken 15 bis 25 Patente, was die Herstellung des Bieres direkt betrifft“, berichtet Ralph Schneid, Produktmanager beim Abfüllanlagen-Spezialisten Krones. Nicht patentiert ist dagegen das Bier selbst. „Die Rezeptur eines Bieres ist das geheime Wissen des Braumeisters. Wenn man das patentieren würde, würde es offengelegt und jeder könnte dann dieses Bier nachbrauen“, erklärt Johannes Tippmann, Leiter der Forschungsbrauerei Weihenstephan. Rezepturen könnten ohnehin nicht patentiert werden – und das sei auch gut so, die Geschmacksvielfalt mache es aus.

Für die Wies'n brauen die Münchener Brauereien – nur sie sind zugelassen – spezielle Oktoberfestbiere. Es ist mit einem Alkoholgehalt von sechs Prozent stärker als normales Helles. Die Maß kostet heuer erstmals in allen Zelten mehr als zehn Euro.

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