Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2005

07:22 Uhr

Patrice Wagner bereitet den 100. Geburtstag des Berliner Kaufhauses KaDeWe vor

Der leidenschaftliche Geldausgeber

VonInge Hufschlag

Einen Akzent hat er nicht, dieser Franzose. Braucht er auch nicht. Wichtiger ist, dass er Akzente setzt, mit dem nach dem Brandenburger Tor meistbesuchten Bauwerk der Hauptstadt: dem KaDeWe, dessen Geschäftsführer er seit gut zwei Jahren ist.

BERLIN. Sein Name ist eigentlich schon Programm: Patrice Wagner. Klingt vorne charmant französisch, hinten vertrauensvoll treudeutsch zwischen Handwerk und Opernkomponist. Man merkt es ihm an: Die Mischung macht’s. Der Großvater väterlicherseits hatte einen Souvenirshop im Wallfahrtsort Lourdes und seinem Enkel offensichtlich nicht nur den deutschen Namen, sondern auch das kaufmännische Talent vererbt.

Das musste der begeisterte Wahl-Berliner schon 1997 beweisen. Damals sollte er mitten in der neuen Mitte der deutschen Hauptstadt die Verluste der Galerie Lafayette halbieren. Da wollte sich französisches Flair zuerst nicht so recht einstellen. „Doch das läuft jetzt“, erklärt Wagner in der Rückschau. Die von ihm inszenierten Young-Designer- Schauen an der Friedrichstraße waren Stadtgespräch. Ein Konzept, dass er jetzt rüberziehen will in sein Kaufhaus des Westens.

Der neue Mann am Tauentzien wusste, dass er kämpfen musste gegen Verstaubung, Verkrustung und Vorurteile wie das eines Ur-Berliners: „KaDeWe? Dat is janz oben jut und och noch janz unten. Dazwischen, det kann’ste vajessen.“

Nicht mehr lange. Heute, am 10. Januar, geht’s los in der Herrenabteilung im ersten Stock. Zur „Men’s World“ soll sie werden. „Dort kann kann ich mir auch Paul Smith und Dolce & Gabbana vorstellen.“ Wagner gestikuliert begeistert in seinem Büro, im Hintergrund überdimensionale Armani-Motive. Davor gibt er selbst eine zurückhaltend elegante Figur ab, deutsch-französisch eben.

„Fashion, Lifestyle, Lebensart“ hat sich das KaDeWe auf die Fahne geschrieben. Wollen das nicht alle? „Aber nicht so“, da wird der Löwe Wagner beinahe wild und zieht blitzschnell eine Hochglanzpappe hoch: Ein hocherotisches Foto zeigt eine Rolex an der schlanken Fessel eines eines Damenbeines. Der Fuß steckt in hochhackigen Glitzer-Sandaletten. Rolex gibt’s noch gar nicht im Haus. „Noch nicht“, lächelt der smarte Franzose.

Wagner setzt auf Luxus und Internationalität in einer Zeit, wo innerstädtischen Warenhäusern kaum noch eine Zukunftschance gegeben wird. „Wir müssen Kühlschränke an Eskimos verkaufen“, stöhnte erst unlängst Kaufhof-Vorstand Lovro Mandac.

Wie der Kaufhof muss auch Karstadt in volle Kleiderschränke hinein verkaufen, und das KaDeWe ist ein Karstadt-Haus. Doch Wagner winkt angesichts der Krise des Mutterkonzerns gelassen ab und vertraut dessen Management: „Achenbach weiß, was er an uns hat. Er sieht das KaDeWe als Flaggschiff.“ Und das vergleicht sein Kapitän gern mit Weltstadthäusern wie Harrods oder Selfridges. Er befürchtet auch keine Abstriche an den 40 Millionen Euro, mit denen das KaDeWe bis zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2007 aufgemöbelt werden soll, und das in allen Stockwerken – bei laufendem Verkauf. Klar gebe es Kämpfe zwischen der schicken Tochter und dem bürgerlichen Mutterhaus, für Wagner ist dies aber kein Hemmnis, eher Herausforderung: „Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerbrechen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×