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01.06.2012

12:16 Uhr

Paul Achleitner

Der Schattenmann der Deutschen Bank

VonAxel Höpner, Nicole Bastian, Peter Köhler

Der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist ein Teamplayer. Aber klar ist auch: Wenn die Doppelsitze Jain/Fitschen bei der Deutschen Bank scheitert, wird aus dem Dritten im Bunde die Nummer eins.

Der neue Deutsche-Bank-Aufsichtsratchef Paul Achleitner. dpa

Der neue Deutsche-Bank-Aufsichtsratchef Paul Achleitner.

Frankfurt/MünchenAn diesem Tag muss er noch zuschauen. Paul Achleitner saß gestern während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der ersten Reihe im Plenum der Frankfurter Festhalle, als Noch-Aufsichtsratschef Clemens Börsig die Tagesordnung eröffnet. Demnächst wird Achleitner hier die Regie führen - mit Ablauf der gestrigen Hauptversammlung übernahm er die Geschäfte von Börsig. Und steht nun vor einem schwierigen Erbe.

Das Institut, das der Österreicher nun kontrolliert, ist zwar gut durch die Finanzkrise gekommen, aber hat durch Machtquerelen von sich reden gemacht. Achleitners Mission ist deswegen ebenso schwierig wie klar: die Topmanager einen, die Außendarstellung der Bank aufwerten und dafür sorgen, dass Ruhe einkehrt im größten deutschen Geldhaus.

Ganz schön viel für einen Neuling. Aber viele Beobachter sind sich einig: Wenn es einer schafft, dann Achleitner.

Die Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Doppelspitze

Anshu Jain und Jürgen Fitschen lösen Josef Ackermann auf dem Chefposten der Deutschen Bank ab. Die bisherigen Vorstandssprecher und -vorsitzenden im Überblick:

Hermann Josef Abs (1957-1967):

Der gelernte Banker handelt 1952 das Londoner Schuldenabkommen aus, das die deutsche Wirtschaft im Ausland wieder glaubwürdig macht. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.

Franz Heinrich Ulrich (1967-1976) und Karl Klasen (1967-1969):

Die erste Doppelspitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.

Friedrich Wilhelm Christians (1976-1988) und Wilfried Guth (1976-1985):

Christians gilt als „Außenpolitiker“ und Vorreiter der Annäherung an die Sowjetunion. Die Deutsche Bank finanziert 1970 das bis dahin größte Ost-West-Handelsgeschäft: Mannesmann-Röhren für Gasleitungen gegen sowjetisches Erdgas. 1985 erzielt die Bank eine Milliarde Mark Gewinn durch Zerlegung und Verkauf der Flick-Gruppe.

Alfred Herrhausen (1985-1989):

Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.

Hilmar Kopper (1989-1997):

Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.

Rolf-Ernst Breuer (1997-2002):

Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.

Josef Ackermann (2002-2012):

Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2012-?):

Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernehmen als gleichgestellte Vorstandschefs das Ruder bei Deutschlands größter Bank.

Der Österreicher hat sich bisher bewusst auf Distanz zum neuen Arbeitgeber gehalten - schon aus aktienrechtlichen Gründen. Im Hintergrund aber hat er die anderen Aufsichtsräte getroffen und häufig mit den neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen gesprochen. Eines von Achleitners Zielen ist klar: weniger One-Man-Show und Machtkämpfe bei der Deutschen Bank, mehr Teamgeist. Ihm ist die Kultur wichtig - es wird wohl ein kooperativerer Stil einkehren.

Anshu und Ajit: Die Jains regieren die Welt

Anshu und Ajit

Die Jains regieren die Welt

Seit dem 1. Juni ist Anshu Jain Chef der Deutschen Bank. Weniger bekannt ist sein Cousin Ajit Jain, Herr über Warren Buffetts Versicherungsgeschäft. Der „Rockstar der Branche“ könnte Anshu bald in den Schatten stellen.

Zudem will Achleitner dafür sorgen, dass die Bank wieder den Ruf bekommt, der ihr seiner Einschätzung nach zusteht. Die Deutschen sollten stolz auf ihre Deutsche Bank sein. Achleitner könnte der Richtige sein, diesen Stolz wieder herzustellen. Jedenfalls hinterlässt er bei seinem bisherigen Arbeitgeber Allianz ein bestelltes Feld. Er trieb die Entflechtung der Deutschland AG voran und sorgte zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael Diekmann dafür, dass die Allianz stabil durch die Finanzkrise kam.

Kommentare (2)

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swd

01.06.2012, 14:30 Uhr

Damit der Schattenmann nicht mehr der Schattenmann bleibt, hier schon mal einen Eindruck. Da er ja schon finanziell ausgesorgt hat, bin ich gespannt auf die nächste Hauptversammlung. Ich erwarte eine mehr transparante deutsche Bank mit einer klaren Roadmap wie Innovationen (technisch & gesellschaftlich) gefördert werden können.

http://www.youtube.com/watch?v=iMpvtvPJ4Po

RolfKunisch

01.06.2012, 17:41 Uhr

ist das nicht der mit dem Dresdner Bank Desaster?
Rolf Kunisch

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