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07.11.2014

12:05 Uhr

Pausen während der Arbeit

Findige Firmen erlauben Mittagsschlaf im Büro

VonBenjamin Esche

Schlafen am Arbeitsplatz ist in den meisten deutschen Unternehmen undenkbar. Dabei ist ein kurzes Nickerchen durchaus sinnvoll – für Firma und Mitarbeiter. Einige haben das bereits erkannt.

Ausreichend Schlaf ist wichtig: In manchen Unternehmen wird er sogar trainiert. obs

Ausreichend Schlaf ist wichtig: In manchen Unternehmen wird er sogar trainiert.

DüsseldorfEin kurzes Schläfchen in der Mittagspause – das ist in den meisten Firmen verboten. Doch beim Gelsenkirchener Haustechnikunternehmen Vaillant gehört das Nickerchen mittlerweile zum Tagesablauf. Zwei Räume mit gepolsterten Liegen und Kissen stehen den Mitarbeitern dafür zur Verfügung. „Die Mitarbeiter, die die Ruheräume gewohnheitsmäßig nutzen, berichten von einem gesteigerten Wohlbefinden“, sagt Unternehmenssprecher Jens Wichtermann.

Wie wichtig der Schlaf der Mitarbeiter für ihre Leistungsfähigkeit ist, weiß Vaillant seit 2002. Damals wurden die Ruheräume für eine wissenschaftliche Studie eingerichtet und sie werden bis heute weiter genutzt. Die positiven Auswirkungen sind für Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) keine Überraschung: „Ein kurzes Nickerchen am Mittag erhöht die Produktivität und Leistungsgüte der Arbeit nachhaltig.“ Deshalb sei es sinnvoll, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Mittagsschlaf bieten würden.

Zehn Motivationsmärchen, die Sie besser nicht glauben

Alles ist möglich – Inklusive Bankrott, Burn-out und Betrug

Der faule Zauber: „Du kannst alles erreichen, wenn du nur wirklich willst“. Das ist Bullshit. Jeder von uns hat Grenzen, körperliche, mentale, intellektuelle, finanzielle... Es kann definitiv nicht jeder Astronaut, Millionär oder auch nur Frauenschwarm werden.

Der wahre Kern: In den meisten von uns steckt mehr, als wir denken und uns zutrauen. Vielen Menschen täten eine optimistischere Grundhaltung und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gut. Wer die Messlatte etwas höher legt und mutig handelt, erreicht mehr als jemand, der zu früh aufgibt. Insofern ist „Alles ist möglich!“ eine positive Provokation, die (typisch deutsches?) Miesmachertum und „Das haben wir noch nie so gemacht“-Lethargie infrage stellt.

Tsjakkaa! Urschrei-Therapie für Versager

Der faule Zauber: Wer Tsjakkaa schreit, wird unbesiegbar. Er spornt Sie zu großen Leistungen an, so das „Du schaffst es!“-Versprechen. Das stimmt so nicht, denn Schreien gibt allenfalls einen kurzen Kraftimpuls. Möglicherweise ist der Tsjakkaa-Schrei deswegen so beliebt, weil er als euphorisches Erlebnis, als Überlegenheitsgeste, als Aufbegehren gegen eigene Ängste empfunden werden kann. Ein solcher Schrei gibt einen kurzen Schub, man fühlt sich eine Sekunde lang unbesiegbar. Doch der Effekt verpufft, er hat keine Nachhaltigkeit.

Der wahre Kern: Ein Ritual vor großen Herausforderungen kann die Angst dämpfen und die Konzentration fördern.

Positiv Denken! Selbstbetrug statt Aufbruchstimmung

Der faule Zauber: „Erfolg entsteht im Kopf“, so die These. Doch bei den meisten Menschen bleibt er auch dort. Wer positiv denkt, programmiert sein „Unterbewusstsein“ angeblich auf Erfolg und lebt allein durch die Kraft seiner Gedanken glücklicher, erfolgreicher und gesünder.

Der wahre Kern: Eine optimistische Grundhaltung hilft, Herausforderungen zu meistern. Und man kann trainieren, sich nicht von Grübeleien und negativen Gedanken überwältigen zu lassen.

Ziele setzen! Es könnte alles so einfach sein...

Der faule Zauber: „Schreiben Sie Ihre Ziele auf und profitieren Sie von der magischen Wirkung schriftlich fixierter Zielvorstellungen!“, so das kühne Versprechen.

Der wahre Kern: Ziele wirken tatsächlich wie ein Kompass und steuern Handlungsrichtung, - dauer und -intensität. Auch eine schriftliche Fixierung ist von Vorteil. Darüber hinaus kommt es aber vor allem darauf an, ins Handeln zu kommen. Aufschreiben allein genügt nicht!

Visualisieren! Fata Morgana der Träumer

Der faule Zauber: ...besteht in der Behauptung, eine Zielcollage entfalte eine geradezu magische Wirkung und lasse die ausgewählten Bilder quasi automatisch Wirklichkeit werden.

Der wahre Kern: Im Brainstorming und bei der Ideenfindung kann man gut mit Bildern arbeiten. Und: Was wir vor Augen haben oder was uns beschäftigt, lenkt unsere Aufmerksamkeit. Sich mit seinen Zielen auseinanderzusetzen schärft daher die Wahrnehmung für thematisch Passendes.

Glaub an dich! Sprüche statt Strategien

Der faule Zauber: ...entsteht, wenn banale Trostsprüche sich als echte Hilfestellung tarnen.

Der wahre Kern: Kurzfristig tut Trost gut, und wir alle brauchen gelegentlich Trost. Der sollte uns allerdings nicht einlullen und nicht davon abhalten, ins Handeln zu kommen.

Sei ein Teamspieler! Wer's glaubt, wird selig aber nicht erfolgreich

Der faule Zauber: ...besteht im Lobgesang auf eine nicht näher definierte „Teamfähigkeit“. Wer sich im Team versteckt und Konflikte scheut, wird es nicht weit bringen.

Der wahre Kern: Wer andere für sich und seine Ziele gewinnen kann, kommt leichter vorwärts. Dafür muss man aber Teams nutzen können, statt sie als bequeme Hängematte misszuverstehen.

Lauf Marathon! Unsinn des sportlichen Aktionismus

Der faule Zauber: Es wird suggeriert, (extreme) körperliche Fitness sei der Schlüssel zum Erfolg auch auf anderen Gebieten.

Der wahre Kern: Menschen, die gesund leben, sind im Allgemeinen leistungsfähiger.

Sei ganz du selbst! Die Lüge des Authentischseins

Der faule Zauber: ...besagt, dass man „einfach“ nur man selbst sein müsse, und alles werde sich zum Besseren wenden. Das ist im besten Fall nichtssagend, im schlimmsten Fall irreführend. „Wähle dir Rollen, die zu deinen Werten und Eigenschaften passen, und reflektiere regelmäßig, wie du diese Rollen am besten ausfüllen kannst“, wäre ein ehrlicher und angemessener Rat. Nur ist der für das simple Weltbild, das die Tsjakkaa-Propheten verkaufen, vielleicht ein wenig zu komplex.

Der wahre Kern: ...besteht darin, dass Menschen, die im Einklang mit ihren Werten und Bedürfnissen leben, glücklicher und potentiell auch erfolgreicher sind als Menschen, die das Gefühl haben, sich täglich verbiegen zu müssen.

Hab Spaß! Das Lächeln der Loser

Der faule Zauber: „Hab Spaß“ wird zur Erfolgsphilosophie überhöht, nach dem Motto: „Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.“ Das lädt zur Realitätsflucht ein und verhindert einen angemessenen Umgang mit Krisen. Wer die Erwartung schürt, der Job, das Leben (die Beziehung, der Sport etc.) solle immer Spaß machen, braucht vor allem eines - unbeschränkten Zugang zu Glückspillen.

Der wahre Kern: ... ist, dass man Erfolge feiern sollte, um Kraft für die Zukunft zu schöpfen, und dass in einem erfüllten Leben auch Platz für Freude und Genuss ist.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

Für die Unternehmen kann sich das auszahlen. Ein übermüdeter Mitarbeiter sei anfälliger für Fehler und trifft schlechtere Entscheidungen. „Menschen, die nicht ausreichend schlafen, sind morgens nicht entmüdet“, erläutert Ulrich Koehler vom Schlafmedizinischen Zentrum des Uniklinikums Marburg. „Sie brauchen längere Anlaufzeiten und können ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nicht so halten, wie ein ausgeschlafener Mensch.“ Und das kann sogar richtig gefährlich werden: „Die größte Gefahr besteht bei Arbeitern, die monotone Tätigkeiten ausüben und sich in kritischen Bereichen befinden. Das trifft besonders bei Bus- und Lkw-Fahrern zu“, erklärt Koehler.

Kommentare (4)

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Herr Ylander Ylander

07.11.2014, 13:24 Uhr

In den Köpfen der meisten Arbeitgeber sind die Arbeitnehmer eben Sklaven. Das ist eine Denke des 18. Jahrhunderts.

Viele Arbeitgeber tun zwar arbeitnehmerfreundlich, doch die reden mit gespaltener Zunge und sind in der Praxis menschenverachtend und lebensfeindlich. Arbeitsschutzvorschriften werde mit Füßen getreten.

Die meisten Arbeitgeber haben noch nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen Ruheraum. Schicken sie als Arbeitnehmer doch einfach einmal die Aufsichtsbehörde (Bezirkskregierung) vorbei. Die kann dann auch prüfen, ob eine Fassung des Arbeitszeitgesetzes offen und für alle sichtbar ausliegt.

Herr Pedro Jimenez Duarte

07.11.2014, 13:47 Uhr

Und was haben wir davon? Ich will nicht gegen meinen Arbeitgeber, sondern mit ihm arbeiten.

Die paar Chefs, die noch so altmodisch denken, sterben langsam aus.

Frau Bärbel Meier

07.11.2014, 14:05 Uhr

Und Sie glauben ehrlich das solche Arbeitgeber langsam aussterben, vergessen Sie es, denn diese jungen Überflieger die alles besser wissen und keine Ahnung haben sind wesentlich schlimmer.

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