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15.04.2014

11:18 Uhr

Personalrochade im VW-Konzern

Dürheimer wird Chef von Bugatti und Bentley

Wegen anhaltender Erfolglosigkeit musste Wolfgang Dürheimer nach nicht einmal einem Jahren als Technik-Vorstand bei Audi wieder gehen. Jetzt soll er die beiden Luxusmarken Bentley und Bugatti führen.

Ein zweieinhalb Jahre altes Foto, das wieder aktuell ist: Wolfgang Dürheimer spricht als Bentley-Chef bei der Pressekonferenz auf der IAA im September 2011. dapd

Ein zweieinhalb Jahre altes Foto, das wieder aktuell ist: Wolfgang Dürheimer spricht als Bentley-Chef bei der Pressekonferenz auf der IAA im September 2011.

Düsseldorf„Vorsprung durch Technik“ ist seit Jahren der Slogan von Audi. Während die Konkurrenz von BMW schlicht „Freude am Fahren“ verspricht, wollen die Ingolstädter stets mit einer technisch besonderen Lösung überzeugen. Doch genau dieses Credo schien in Gefahr, wichtige Technologie-Projekte verzögerten sich oder wurden ganz eingestellt, der Elektroflitzer R8 Etron etwa. Die Entwicklung stagnierte, drohte den Anschluss zu verlieren. Deshalb musste der oberste Techniker der VW-Tocher, Wolfgang Dürheimer, im vergangenen Sommer nach gerade einmal zehn Monaten seinen Stuhl im Audi-Vorstand wieder räumen.

Sein Nachfolger wurde der Chefentwickler der Konzernmutter Volkswagen, Ulrich Hackenberg – ein klares Zeichen, dass Wolfsburg den Stillstand in Ingolstadt nicht länger hinnehmen und durch einen getreuen Manager mehr Kontrolle gewinnen wollte.

Vor seinem kurzen Intermezzo bei Audi leitete der ehemalige Porsche-Manager Dürheimer die Luxusmarken im VW-Konzern, Bugatti und Bentley. Genau auf diesen Posten wird er zum 1. Juli diesen Jahres zurückkehren, wie VW am Dienstag mitteilte. Für Dürheimer, der Motorsport-Chef des Konzerns blieb, hatten die Wolfsburger schon nach seinem Ausscheiden bei Audi „eine andere Funktion innerhalb des Konzerns“ angekündigt.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Bentley und Bugatti sind von den Stückzahlen her völlig unbedeutend für den Konzern, zu dem Gesamtabsatz von über neun Millionen Fahrzeugen trug Bentley nur 10.120 verkaufte Autos bei. Die Edeltöchter leisten aber in ihren Nischen sehr wichtige Forschungsaufgaben für die gesamte VW-Welt, beispielsweise im Leichtbau. Ihre vergleichsweise hohen Margen erlauben das trotz des geringen Absatzes. Diese Forschungsvorarbeit kommt zeitversetzt auch bei den Volumenmodellen zum Einsatz. Außerdem haben beide Marken ein enormes Prestige für den Konzern mit seinen Autos für die Massen. So ist Bentley etwa Hoflieferant des britischen Königshauses.

Welchen Posten der bisherige Bugatti- und Bentley-Chef Wolfgang Schreiber übernimmt, war zunächst nicht bekannt. Schreiber war als Nachfolger von Dürheimer im September 2012 von VW Nutzfahrzeuge zu den beiden Luxusmarken gewechselt. In der Mitteilung stellte ihm der Konzern aber eine „führende Funktion“ in Aussicht.

Von

ses

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