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02.01.2007

09:33 Uhr

Peter Bakker

Der Von-A-nach-B-Bringer

VonRuth Reichstein und Axel Granzow

Peter Bakker geht zuversichtlich ins neue Jahr: Als Chef des niederländischen Paketdienstes TNT ist er auf Expansionskurs.

BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Von theorielastigen Vorträgen hält Peter Bakker nichts. Mitten im Interview springt der Chef der niederländischen Post TNT auf, rennt aus dem Raum und kommt freudestrahlend mit einem Foto aus China zurück. „Wenn Mama und Papa einen Kühlschrank kaufen, nehmen sie das Fahrrad. Da können wir helfen“, sagt er und lacht. So einfach kann man das Expressgeschäft beschreiben. Zurzeit hat der jugendlich wirkende 45-Jährige auch allen Grund zur Freude: Dem Unternehmen, das er seit rund fünf Jahren leitet, geht es gut. Sehr gut sogar.

Der Umsatz des niederländischen Deutsche-Post-Konkurrenten stieg im ersten Halbjahr 2006 um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Gewinn legte sogar um elf Prozent zu. Durch den Verkauf der gesamten Logistiksparte hatte Bakker unglaublich viel Geld in der Tasche: zwei Milliarden Euro. Er investiert in Europa und Asien. Gerade hat er in Indien und China Express-Unternehmen übernommen. Und TNT kauft eigene Aktien zurück. Kürzlich hat der Konzern auch die Anteile erworben, die noch der niederländische Staat hielt. Wert: 600 Millionen Euro. Ausgaben für Rückkäufe und Investitionen hielten sich so in etwa die Waage, sagt Bakker.

Sein Unternehmen kennt er in- und auswendig, schließlich arbeitet er hier schon seit 1991, als TNT noch TPG Post hieß. Bakker erlebte die Privatisierung mit und kletterte immer höher auf der Karriereleiter. 1996 wurde ihm die Verantwortung für die Finanzkontrolle im Unternehmen übertragen, neun Jahre später stieg er zum Finanzvorstand des neuen, an der Börse notierten Unternehmens auf.

Befreit vom Einfluss des Staates sehen viele Experten TNT jedoch als perfekten Übernahmekandidaten für andere große Paketdienste wie Fedex oder UPS. Bakker bleibt gelassen: Er weiß, dass sein Unternehmen eher ein kleines ist im Postgeschäft, aber er kennt auch den Wert. „Wir sind seit 1998 zu haben. Aber bisher hat uns noch niemand gekauft, und unsere Aktie stand nie höher als heute. Ich mache mir da gar keine Sorgen.“ Und der Aktienrückkauf? Der sei schon lange geplant gewesen. Das Unternehmen habe nicht genügend Schulden gehabt, die Bilanz war unausgeglichen. „Es ist nicht weise, so viel Geld rumliegen zu lassen. Dann finden andere Wege, es zu verwenden“, scherzt Bakker

.

Ein bisschen Angst vor den Großen scheint er also doch zu haben. Aber er zeigt sie nicht. Beim Logistik-Kongress kürzlich in Berlin hatte er keine Scheu, der Branche zu erklären, warum er sein Logistikgeschäft gerade verkauft hat – mit ziemlich provokanten Worten. Dabei wollte Bakker vor ein paar Jahren selbst noch das Logistikgeschäft stark ausbauen. Doch der Aufbau floppte. Nun macht der Holländer daraus eine Erfolgsgeschichte und gibt sie ausgerechnet auf dem größten Treffen der Branche in Berlin zum besten: Die Rendite in der Logistik sei einfach zu gering und die Abhängigkeit von den Kunden schlicht zu groß.

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