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19.01.2005

07:07 Uhr

Peter Brabeck soll auch Verwaltungsratschef werden

Volle Macht für Monsieur Nestlé

VonOliver Stock

Die Ein-Mann-Show des Peter Brabeck-Letmathe ist perfekt: Der 60-jährige Vorstandschef von Nestlé soll auf der Generalversammlung am 14. April auch zum Präsidenten des Schweizer Nahrungsmittel- Riesen gewählt werden.

ZÜRICH. Er folgt Rainer Gut, der mit 73 Jahren altersbedingt ausscheidet. Zu neuen Vize- Präsidenten wurden die Verwaltungsratsmitglieder Andreas Koopmann und Rolf Hänggi ernannt.

Die Machtkonzentration hat bei Nestlé Tradition: Guts Vorgänger Helmut Maucher hatte sieben Jahren lang ebenfalls beide Funktionen gleichzeitig ausgeübt. Analysten zeigten sich deswegen von der Entscheidung wenig überrascht: „Meiner Meinung nach kontrolliert Brabeck faktisch bereits die strategische Ausrichtung von Nestlé“, meint James Amoroso von Helvea. Die Börse dagegen reagierte skeptisch: Die Entscheidung bringe zwar Kontinuität, doch Investoren schätzten solche Doppelfunktionen nicht, meint René Weber von der Bank Vontobel. Er glaubt, dass in den kommenden Jahren ein Nachfolger für Brabeck als Konzernchef aufgebaut wird. An der Schweizer Börse gaben die Nestlé-Aktien zunächst nach.

Brabecks schwerste Aufgabe wird es künftig sein, eine Antwort auf den Erfolg der Discounter zu finden. Nestlé mit seinen rund 8 000 Marken von Nescafé bis Mövenpick-Eis ist zwar gut positioniert. Doch die Margen erfreuen Analysten keineswegs. Offenbar machen dem Konzern die Preiskämpfe im Lebensmittelhandel zu schaffen.

Brabeck, der seine Karriere bei Nestlé 1968 als Eisverkäufer begonnen hat, antwortet auf diese Herausforderung stets kühl: „Wir haben klare Strategien, um mit den Discountern zusammenzuarbeiten.“ Der Erfolg gibt ihm jedoch nicht Recht: Dort, wo Discounter stark sind, wächst Nestlé langsam – zum Beispiel in Deutschland.

Brabeck, mit einer Chilenin verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern, muss deshalb jetzt noch einmal durchstarten. Dafür soll die neu geschaffene Machtkonzentration sorgen. Er selbst könnte sich anderenorts entlasten: Seine Amtszeit als Vizepräsident des Verwaltungsrats bei der Credit Suisse läuft im Frühjahr ab. Mehr als zwei Aufsichtsratsposten wolle er nicht auf einmal übernehmen, hatte er bislang erklärt. Die Rechnung könnte also lauten: Brabeck bleibt im Verwaltungsrat des Pharmariesen Roche und verlässt die Credit Suisse.

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