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08.03.2012

09:11 Uhr

Peter Hintze, Thomas Enders

Der Pastor und der Offizier

VonDaniel Delhaes, Markus Fasse

Den deutschen Koordinator für Luft- und Raumfahrt Peter Hintze und den Airbus-Chef Tom Enders trennen Welten. Gerade bei ihrer Einstellung zur Führung von EADS wird dieser Unterschied sichtbar.

EADS-Chef Tom Enders. dpa

EADS-Chef Tom Enders.

Berlin, MünchenThomas Enders und Peter Hintze verhehlen ihre gegenseitige leidenschaftliche Abneigung selten. Airbus-Beschäftigte erinnern sich gerne an eine Betriebsversammlung voreinigen Jahren. Der Airbus-Chef und der damals frisch von Kanzlerin Angela Merkel ernannte Koordinator für die Luft- und Raumfahrt diskutierten auf offener Bühne die Zukunft des Flugzeugbauers. Irgendwann konnte Enders nicht mehr an sich halten: "Leiten Sie doch das Unternehmen!" entfuhr es ihm. "Warum nicht?!" frotzelte Hintze.

Heiterkeit und Applaus der Arbeitnehmervertreter waren Hintze gewiss, hat er doch die deutschen Standorte und die Arbeitsplätze im Blick. Dem Airbus-Chef Tom Enders schwante indes: Mit dem ehemaligen Pastor Hintze wird es schwierig. Seitdem kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen dem Merkel-Vertrauten Hintze und dem Merkel-Kritiker Enders. Erstrecht, seit Hintze in einem geharnischten Brief an Enders ultimativ mehr Arbeitsplätze und mehr Investitionen für die deutschen Airbus-Standorte forderte. Gestern schritt die Kanzlerin ein.

"Die Führung des EADS-Konzerns und Herr Enders persönlich genießen das Vertrauen der Bundesregierung", ließ Merkel ihren Sprecher sicherheitshalber verkünden. Auch politisch haben Enders und Hintze wenig gemeinsam: Hintze ist ein Paladin Merkels, Enders hat sein CSU-Parteibuch vor zwei Jahren zurückgegeben. Merkels Schlingerkurs in der Libyen- und der Energiepolitik sollen den Ausschlag für den symbolträchtigen Schritt gewesen sein. Doch die beiden werden noch enger zusammenarbeiten müssen, wenn Enders in diesem Jahr Louis Gallois an der Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS ablöst. Hintze fädelt zurzeit den Einstieg der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern ein. "Ich halte das für den völlig falschen Weg", sagt Enders dazu.

Denn nach Frankreich und Spanien wird dann auch Deutschland - und damit Hintze- wieder direkten Einfluss auf den Flugzeugbauer ausüben können. Der Hintze-Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, zeigt, wie wenig Vertrauen zwischen den beiden herrscht. In Berlin heißt es, sowohl im Kanzleramt als auch in Toulouse gehe man davon aus, dass der Brief von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer an die Öffentlichkeit lanciert worden sei.

Kommentare (5)

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smarty_32

08.03.2012, 10:11 Uhr

Pastor Hintze´s Forderung der Personalauswahl nach Pass ist Quatsch. Da hat Herr Enders wahrlich Recht und hat NIEMAND auch nicht die französische Politik zu bestimmen (war aber leider immer der Fall). ABER- die Hauptsitzkonzentration von EADS ist eine rote Linie! Hier muss der Bund hart bleiben und fordern: EADS wird in München konzentriert, dafür hat Frankreich bereits die 3 Töchterhauptsitze in Frankreich.

Account gelöscht!

08.03.2012, 10:29 Uhr

Wenn Herr Enders ernsthaft glaubt, dass EADS ein "normales" Unternehmen ist, dann wäre das naiv. Wenn er ein "normales" Unternehmne führen will, dann soll er zu einem Feuerlöscher-Produzenten gehen oder zu einer Firma für Gartenmöbel. Da gibt es tolle Anbieter. Im Ernst: In jedem Konzern für Flugzeuge und Waffentechnik gibt es berechtigte nationale Interessen. Und diese nationalen Interessen sind hart mit den Partnern (Staaten haben keine Freunde) auszuhandeln.

FoCS

08.03.2012, 11:01 Uhr

Hintze steht doch genau im Zug der Zeit. Wenn es Quoten gibt für alles mögliche, vor allem die Frauenquote, ist eine Quotierung nach Nationaltät, Religionszugehörigkeit, Hautfarbe usw. absolut konsequent.

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