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29.02.2012

19:44 Uhr

Pflichtverletzung

Porsche-Aktionäre klagen erfolgreich gegen Piëch

Im Skandal um VW-Optionsgeschäfte hat Ferdinand Piëch hat seine „Kardinalpflichten“ als Porsche-Aufsichtsrat verletzt, urteilt das Oberlandesgericht Stuttgart. Das Urteil könnte schwerwiegende Folgen haben.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. dpa

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech.

StuttgartPorsche -Großaktionär Ferdinand Piech hat einem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart zufolge gegen seine „Kardinalpflichten“ als Mitglied des Aufsichtsrats des Autobauers verstoßen. Piech habe im Zusammenhang mit den umstrittenen VW -Optionsgeschäften von Porsche eine „schwerwiegende Pflichtverletzung“ begangen, urteilte der 20. Zivilsenat des Stuttgarter Gerichts am Mittwoch in zweiter Instanz. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte verschafft und sei auch nicht gegen die milliardenschweren Geschäfte, die die Porsche Holding im Zuge der Finanzkrise 2009 an den Rand des Ruins brachten, eingeschritten

Daher gab das Gericht einer Klage von Porsche-Anteilseigern statt, die die Nichtigkeitserklärung der Entlastung des gesamten Porsche-Aufsichtsrates für das Geschäftsjahr 2008/09 auf der Hauptversammlung vom 29. Januar 2010 beantragt hatten. Die allen Aufsichtsräten damals per Sammelabstimmung erteilte Entlastung sei insgesamt nichtig (Az: 20 U 3/11). Das vorherige Urteil des Landgerichts Stuttgart, dass die Klage in erster Instanz im vergangenen Jahr abgewiesen hatte, habe keinen Bestand.

Das OLG ließ gegen seine Entscheidung keine Revision zu, dagegen ist aber Beschwerde zulässig. „Wir bedauern das Urteil“, sagte ein Porsche-SE-Sprecher. „Wir beabsichtigen, Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einzulegen.“ Offenbar fürchtet Porsche Folgekosten, die sich aus diesem Urteil ergeben können. Unmittelbare Folgen hat das Urteil zunächst weder für Piëch noch für die Porsche SE. „Eine Pflichtverletzung von Prof. Piëch sieht die Porsche SE nicht“, teilte das Unternehmen mit. Daher muss Piech vorerst nicht mit Regress-Forderungen des Unternehmens rechnen, an dem er und seine Familie zu großen Teilen beteiligt sind. Auch die Hauptversammlung muss Unternehmensangaben zufolge nicht wiederholt werden.

Hintergrund der Klage des Vereins Verbraucherzentrale für Kapitalanleger war das jahrelange Bestreben von Porsche, sich den vielfach größeren Volkswagen-Konzern einzuverleiben. Dieses von Piech und den übrigen Porsche-Aufsichtsräten gebilligte Vorhaben scheiterte im Sommer 2009, da Porsche das Geld ausging. Stattdessen drehte der finanzkräftige VW-Konzern den Spieß um, verleibte sich knapp die Hälfte des Porsche-Fahrzeuggeschäfts ein und sicherte sich den Zugriffe auf die restlichen Anteile an der Porsche AG. Piech ist zugleich seit vielen Jahren Aufsichtsratschef von VW.

Kommentare (5)

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JZ007

29.02.2012, 14:39 Uhr

Wie kann Hr.Dr. Piech der Aufsichtsratsvorsitzende von VW stillschweigend zusehen wie sich Porsche (bei denen er ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender war) mit Hilfe miliardenschwerer Optionen auf eine feindliche Übernahme von VW vorbereitet. Allein das ist ja schon ein Witz. Oder hatte Herr Piech vielleicht gar keine Ahnung von den Geschäften des Herrn Wiedeking??? Als Multiaufsichtsrat kann sowas schonmal untergehen.....

Account gelöscht!

29.02.2012, 16:13 Uhr

Endlich schwingt die Keule in die richtige Richtung!
Natürlich wusste Herr Piech um das Risiko des Vorhabens des Porsche V orstandes unter dem von ihm wenig geliebten Herrn Wiedeking. Dessen geschäftlicher Erfolg bei Porsche war nicht kritisierbar, also ließ man ihn gegen die Wand rennen. Für Piech gab es kein Risiko: entweder übernahm Porsche VW, und er als Porsche Großaktionär gewann noch mehr an Einfluß, oder aber das V orhaben scheiterte, er wurde Wiedeking und seinen Cousin los, und übernahm direkt über seine VW Anteile sowie indirekt über seine im VW Vorstand platzierten Vasallen die Herrschaft bei Porsche.
Piech behandelt VW und Porsche wie seine privaten Krämerläden. Schon immer. Dabei arbeitet er gleichzeitig hemmungslos frühere Verletzungen aus der Familie Porsche auf.
Es ging Piech noch nie um Aktionärsinteressen, bestenfalls in zweiter Reihe ums Firmenwohl.

Rosaliusz

29.02.2012, 16:13 Uhr

Also über die Festellung des Senats kann man sich doch nur komplett kaputtlachen!

1) VW hat im Jahre 2003 in einer ad-hoc mitgeteilt, sie plane Cross-Over Beteiligungen mit befreundeten Unternehmen. Der Sinn und Zweck solcher Beteiligungen sollte nichts Anderes sein, als Volkswagen vor feindlicher Übernahme aus dem Ausland zu schützen!!!

2) Im Jahre 2005 flog Porsche aus dem Index raus, weil sich die Porsche AG geweigert hat eigene Bilanzen zu veröffentlichen. Die deutsche Börse hat diese ausdrücklich verlangt, und Porsche hat NEIN gesagt. Machen wir nicht.

3) Und: dass sich ausgerechnet Personen wie Piech, Porsche oder Wiederkind nicht informiert haben, wie das Optionsgeschäft funktioniert und welche Risiken es birgt,
das ist der Gipfel! So eine Augenwischerei!!!

Bei der ganzer Übernahmeschlacht um VW... ging es ausschließlich darum, eine Fusion zu erreichen, die von europäischen Kartelämter bestimmt nicht bewilligt worden wäre aufgrund der Marktdominanz, die damit VW beim Mißlingen erreicht hätte, oder Porsche wenn es gelungen wäre.

Der Artikel ist einfach nur erbärmlich.

Vielleicht erscheint morgen auch noch ein anderer, wo Rösler und Rötgen angegriffen wird, dass beide die Solarindustrie Deutschlands vernichte wollen. Dabei ist doch die Teflon-Merkel diejenige die ein Jahr davor den Atomausstieg für sich nutzen wollte, obwohl sie paar Jahre davor noch staatliche Gewalt gegen Gorleben Demonstranten
gutgeheißen hat.

Das sollte man sich notieren! Für den Fall der Fälle, falls man noch auf "aufrichtig" gute Absichten der Regierung glaubt! Fakt ist - man habe die Energiewende voll und ganz dazu genutzt um Strompreise zu erhöhen und jetzt will man diese Energiewende vom Regierung aus verhindern, damit RWE EON und andere Atomfaschisten sich von ihrer exorbitanter Schuldenlast zumindest zum Teil befreien!

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