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01.08.2013

17:59 Uhr

Philipp Humm

Ex-Telekom-Star leitet nun Vodafone-Europageschäft

Vodafone will sparen und legt seine beiden Europasparten zusammen. An der Spitze wird ein alter Bekannter stehen: der Ex-Chef der Telekom-Krisentochter T-Mobile US, Philipp Humm. Er hat eine steile Karriere hinter sich.

Ein Bild aus rosa-roten Zeiten: Philipp Humm als Chef von T-Mobile US bei einer Konferenz. Reuters

Ein Bild aus rosa-roten Zeiten: Philipp Humm als Chef von T-Mobile US bei einer Konferenz.

Frankfurt/LondonPhilipp Humm macht bei Vodafone eine steile Karriere: Ein Jahr nach seinem plötzlichen Abschied von der Deutschen Telekom übernimmt der Topmanager die Leitung der wieder zusammengelegten Europasparte des britischen Mobilfunkriesen. Humm stehe ab Oktober an der Spitze des neu geschaffenen Europageschäfts, teilte der britische Konzern am Donnerstag mit.

Die bislang getrennten Sparten Südeuropa sowie Nord- und Mitteleuropa – letztere wird schon von Humm geleitet – werden dafür ein Jahr nach der Aufspaltung wieder fusioniert. Vodafone unternimmt die Rolle rückwärts, um Geld zu sparen und seinen Kunden Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse aus einer Hand zu verkaufen. Ein wichtiger Pfeiler der Strategie ist die geplante Übernahme von Kabel Deutschland für insgesamt elf Milliarden Euro. Mit dem Deal will Vodafone das schwächelnde Deutschland-Geschäft ankurbeln und mit der Telekom gleichziehen.

Wichtige Fragen und Antworten zum Vodafone-Deal

Was genau hat Vodafone vor?

Vodafone wird Kabel Deutschland komplett übernehmen. Der britische Telekommunikationskonzern hatte dazu 87 Euro je Kabel-Deutschland-Aktie geboten. Damit bewerteten die Briten den deutschen Kabelanbieter mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Warum ist Vodafone an Kabel Deutschland interessiert?

Kabel Deutschland hat eine gut ausgebaute Infrastruktur: Das Unternehmen ist in 13 der 16 Bundesländer aktiv und hat 8,5 Millionen Kunden. Die Kabel reichen bis in die Wohnungen der Kunden und sind nicht nur für Fernsehen, sondern auch für Internetanschlüsse gut geeignet. Kabel Deutschland bietet schon jetzt Telefon- und Internetanschlüsse. 75 Prozent aller Neukunden hierzulande entscheiden sich bei schnellen Internetanschlüssen mittlerweile für Kabelnetz-Betreiber.

Was ist der Unterschied zwischen DSL- und Kabelanschlüssen?

Technisch ist das natürlich etwas anderes, für den Kunden ist es aber letztlich kein großer Unterschied. Über das Telefon- wie über das Fernsehkabel können Internetdaten übertragen werden. Fernsehkabel sind sogar besonders schnell. Anrufe laufen bei Kabelanschlüssen über Internettelefonie - das ist aber selbst bei Telekom-Anschlüssen mittlerweile teilweise so. Kunden haben weiterhin eine klassische Telefonnummer und ihr normales Telefon.

Was haben die Unternehmen gemeinsam vor?

Die Grundzüge haben Vodafone und Kabel Deutschland bereits in einer „Grundsatzvereinbarung“ geregelt. Kabel Deutschland soll demnach als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Die Geschäftsfelder sollen aufgeteilt werden: Kabel Deutschland verantwortet das gesamte Festnetz-Geschäft beider Unternehmen; Vodafone soll das Mobilfunk-Geschäft verantworten.

Was bedeutet das für die Kunden von Kabel Deutschland und Vodafone?

Vodafone hat zwar selbst ein Festnetz, das meist entlang der großen Bahnstrecken in Deutschland verläuft. Die letzten Meter der Leitungen bis in die Wohnung der Kunden muss das Unternehmen in den meisten Fällen aber bei der Deutschen Telekom mieten. Wo es geht, sollen die Kunden nun künftig per Fernsehkabel angeschlossen werden. Leitungen von der Telekom wollen die Unternehmen nur noch dort mieten, wo Kabel Deutschland keine Leitungen bis die Wohnung verlegt hat.

Sind auch Bestandskunden von den Änderungen betroffen?

Die Umstellung von der Telefon- auf die Kabeldose wird zunächst vermutlich vor allem Neukunden betreffen. Aber auch alte Kunden sollen voraussichtlich umgestellt werden: „Die Idee ist, unsere Netzinfrastruktur bestmöglich zu nutzen. Dann dürften auch Kunden migriert werden“, sagt eine Kabel-Deutschland-Sprecherin. Denkbar ist ebenso, dass Nutzer des Kabel-Deutschland-Internetangebotes, das bislang im Netz von O2 (Telefónica) betrieben wird, dann auf Vodafone umgestellt werden.

Den rosa Riesen kennt Humm gut. Der Betriebswirt war 2005 bei der Telekom eingestiegen und leitete das deutsche Mobilfunkgeschäft. Drei Jahre später kam allerdings der Karriereknick: Die Telekom räumte ein, dass persönliche Daten von Millionen von Handy-Kunden in fremden Hände gelangt waren. Humm übernahm die Verantwortung und trat zurück. Telekom-Chef Rene Obermann hielt aber weiter große Stücke auf Humm und beförderte ihn 2010 an die Spitze der Telekom-Krisentochter T-Mobile US, wo er 2012 seinen Abschied nahm.

Von

rtr

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