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28.09.2014

19:59 Uhr

Pilotengewerkschaft

Streik bei Air France vorerst beendet

Entwarnung für alle Passagiere von Air France: Es wird vorerst keine weiteren Streiks geben: Allerdings nicht, weil es eine Einigung gibt, sondern aus dem genau gegenteiligen Grund.

Die Piloten von Air France wollen keinen Schlichter. AFP

Die Piloten von Air France wollen keinen Schlichter.

ParisNach einem zweiwöchigen Streik kehren die Piloten der Air France wieder in die Cockpits zurück. "Man muss als Vertreter der Arbeitnehmer wissen, wann man einen Streik beenden muss, auch wenn es keine Fortschritte gibt", teilte die wichtigste Gewerkschaft SNPL am Sonntag mit.

Um die Lage zu beruhigen, sollten die Piloten wieder fliegen. Bei dem Streit zwischen der Airline und den Flugzeugführern geht es um die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen bei einer Billigtochter, die das Management im Kampf gegen Konkurrenten wie easyJet oder Ryanair ausbauen will. Nach Verkündung des Streik-Endes teilte Air France umgehend mit, den Ausbau der Tochter Transavia schnell vorantreiben zu wollen. Der Ausstand habe die Firma mehr als 280 Millionen Euro gekostet.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Mit einer Normalisierung des Flugbetriebs ist erst ab Dienstag zu rechnen. In den letzten Tagen wurden 60 Prozent der Flüge gestrichen. Auch für Sonntag und Montag wurden bereits Verbindungen annulliert. Daran ändere sich nichts, teilte Air France mit. Es sei bedauerlich, dass es trotz langwieriger Gespräche - zuletzt 15 Stunden am Samstag - zu keiner Einigung gekommen sei. Auch bei der Lufthansa haben Verhandlungen im Tarifkonflikt mit den Piloten noch keine Vereinbarung gebracht. Hier drohen weitere Streiks.

In Frankreich gerieten die Piloten zuletzt auch unter Druck der Regierung, die 16 Prozent des Unternehmens besitzt. Ministerpräsident Manuel Valls forderte die Gewerkschaft am Freitag auf, einen Kompromissvorschlag des Managements anzunehmen.

Rücknahme der Billigflug-Pläne: Air France knickt vor den Piloten ein

Rücknahme der Billigflug-Pläne

Air France knickt vor den Piloten ein

Im Streit um den Ausbau der Air France Billigflugtochter Transavia ist das Management zu einem weitreichenden Angebot bereit: Die Fluggesellschaft bietet den streikenden Piloten die Rücknahme des Vorhabens an.

Dieser sieht weiterhin den Ausbau der Tochter Transavia France vor, enthält aber auch Zugeständnisse an die Piloten. Valls rief am Sonntag beide Seiten auf, das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen und das Unternehmen gemeinsam weiterzuentwickeln. Er verwies darauf, dass im Billigbereich hohe Wachstumsraten erzielt werden.

Air France steht wie die Lufthansa unter Druck von Günstiganbietern, die seit Ende der 90er Jahre im Aufwind sind. Die Traditionsunternehmen waren zunächst aus Angst vor Konkurrenz im eigenen Haus zögerlich. Heute ist die Hälfte des Marktes in der Hand von Billigfliegern. Lufthansa will deswegen für Kurzstreckenflüge die Tochter Eurowings ausbauen und setzt auch bei Interkontinentalverbindungen auf eine Billigstrategie.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

29.09.2014, 07:45 Uhr

Streik vorerst beendet
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Die Betonung liegt auf "vorerst".
Bei den streiklustigen Franzosen könnte der Streik jederzeit wieder aufflammen.

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