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11.04.2016

12:38 Uhr

Pleite-Flughafen BER

Allzu freimütiges Interview – und der Pressesprecher muss gehen

Der BER ist um eine Posse reicher: Der neue Sprecher des Hauptstadtflughafens hatte in einem Interview um Offenheit bei Fehlern der Vergangenheit geworben. Dumm nur: Flughafenchef Mühlenfeld wusste nichts davon.

BER-Sprecher mit kurzer Amtszeit. dpa

Daniel Abbou

BER-Sprecher mit kurzer Amtszeit.

BerlinDer Pressesprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, Daniel Abbou, ist nach einem freimütigen Interview von seinem Posten freigestellt worden. Das teilte das Unternehmen am Montag mit.

„Das Interview von Herrn Abbou mit dem PR Magazin ist nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt“, begründete Flughafenchef Karsten Mühlenfeld die Entscheidung. Zuvor hatten die „Berliner Morgenpost“ und der „Tagesspiegel“ über die Beurlaubung berichtet.

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Ein Jahr nach seinem Start am neuen Hauptstadtflughafen muss Karsten Mühlenfeld Krisenmanagement betreiben. Der Eröffnungstermin wackelt. Der Manager meint: Nur nicht nervös werden.

In einem Interview mit der Fachzeitschrift „PR Magazin“ hatte Abbou für Offenheit bei Versäumnissen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens geworben. „Dazu hat die alte Flughafencrew zu viel verbockt, dafür sind zu viele Milliarden in den Sand gesetzt worden“, sagte er. Abbou hatte das Amt des Pressechefs erst im Januar übernommen.

Er äußerte sich auch zur geplanten Eröffnung des Flughafens in der zweiten Jahreshälfte 2017. „Mein Technikchef hält weiter daran fest, dass es eine Chance gibt, 2017 einzuhalten. Und wenn er das glaubt und mir das auch kommuniziert, dann ist es so.“ Aber „kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“, fügt er hinzu.

Abbou (45) hatte am 1. Januar Ralf Kunkel (47) als BER-Sprecher abgelöst, der Umlandbeauftragter des Unternehmens wurde. Abbou arbeitete zuletzt beim Außenwerber Wall als Leiter der politischen Kommunikation. Früher war er beim Südwestrundfunk und wechselte dann in die Politik. Unter anderem war er in Berlin Sprecher in der Justiz- und später der Finanzverwaltung.

Der Hauptstadtflughafen und die geplatzten Eröffnungstermine

Schlimme Serie

Der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg ist noch längst nicht betriebsbereit, hat aber schon eine lange Geschichte. Bereits mehrere Male wurde der Eröffnungstermin abgesagt. Die Serie verpasster Termine.

Januar 1992

Beginn der Planungen für den Flughafen.

September 2006

Erster Spatenstich. Der 30. Oktober 2011 wird als Eröffnungstermin festgelegt.

Juni 2010

Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung auf den 3. Juni 2012 verschoben.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung abgesagt. Wenige Tage später wird der 17. März 2013 als neues Datum für die Inbetriebnahme genannt.

September 2012

Eine Analyse des Technikchefs Horst Amann ergibt zahlreiche Mängel über den Brandschutz hinaus. Der Aufsichtsrat verschiebt die Eröffnung auf den 27. Oktober 2013.

Januar 2013

Auch der Termin 27. Oktober platzt, Amann führt inzwischen eine Liste mit Zehntausenden Baumängeln.

Januar 2014

Flughafenchef Hartmut Mehdorn sagt, Ziel sei ein Betriebsbeginn noch im Jahr 2015.

Dezember 2014

Auf Vorschlag Mehdorns beschließt der Aufsichtsrat einen Zeitplan mit Ziel einer Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017. Baulich soll das Milliardenprojekt im März 2016 fertig sein.

August 2015

Der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld sagt, die Baufertigstellung werde nicht bis März 2016 gelingen. Grund sei die Insolvenz des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland.

März 2016

Der Flughafen muss umfangreiche Genehmigungsunterlagen an mehreren Stellen nachbessern, möglicherweise auch noch mehr umbauen. Das ergibt sich aus Nachforderungen des Bauordnungsamts. Zweifel an der Eröffnung bis Ende 2017 werden laut.

Dezember 2016

Aus dem Umfeld der Gesellschafter (Bund, Berlin, Brandenburg) sickert durch: Bis Ende 2017 klappt es nicht, es werde nun das Frühjahr 2018 angepeilt. Mitte Januar 2017 bestätigen Berlins Regierender Bürgermeister Müller und Flughafenchef Mühlenfeld, dass die Eröffnung erneut verschoben werden muss.

Quelle: dpa

Abbou solle „die Kommunikation der Flughäfen Tegel, Schönefeld und vor allem die des neuen Flughafens BER neu strukturieren“, hatte Flughafenchef Mühlenfeld mit nach der Bekanntgabe der Personalie mitgeteilt. Kunkel leitete die Flughafen-Pressestelle seit 2006. Seit Mitte 2010 hatte er vor allem die Dauerkrise des Projekts in Schönefeld zu erklären. Dessen Eröffnung wurde viermal verschoben. Nun soll es Ende 2017 so weit sein.

Von

dpa

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