Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2011

12:59 Uhr

Plötzlich ganz vorne

Deutsche Konzerne werden zum Renditewunder

VonUlf Sommer

Exportschlager waren die Produkte deutscher Konzerne schon lange. Doch trotz voller Auftragsbücher: Beim Thema Profitabilität hinkte man den internationalen Mitbewerbern immer hinterher. Doch das Blatt hat sich gewendet.

Der BASF-VorstandsvorsitzendeJürgen Hambrecht (l.) und sein designierter Nachfolger Kurt Bock. BASF hat mit seiner Umsatzrendite den ersten Platz unter den Chemieriesen erklommen - und andere deutsche Konzerne tun es ihnen gleich. Quelle: AFP

Der BASF-VorstandsvorsitzendeJürgen Hambrecht (l.) und sein designierter Nachfolger Kurt Bock. BASF hat mit seiner Umsatzrendite den ersten Platz unter den Chemieriesen erklommen - und andere deutsche Konzerne tun es ihnen gleich.

Düsseldorf Note „sehr gut“ bei Aufträgen, Umsätzen und Exporten. Aber nur ein Mangelhaft in puncto Profitabilität. So bewerteten die internationalen Finanzmärkte jahrzehntelang deutsche Industrieunternehmen wie Volkswagen und BASF. Stets hängten ausländische Konkurrenten deutsche Konzerne ab, wenn es darum ging, wie viel Reingewinn vom Umsatz nach Abzug aller Sach- und Personalkosten bleibt. 

Doch die traditionelle Renditeschwäche Deutschlands ist Vergangenheit. Angesichts boomender Exportmärkte im westlichen Europa und in großen Schwellenländern wie China und  Indien wirtschafteten die großen deutschen Konzerne erstmals besser als ihre weltweiten Wettbewerber. Das belegt die Handelsblatt-Rangliste der umsatzstärksten Unternehmen. Die 50 größten Konzerne der Welt – exklusive der Ölbranche, da es diese in Deutschland nicht gibt – erreichten im vergangenen Geschäftsjahr im Schnitt eine Nettoumsatzrendite von 4,7 Prozent. Die 50 größten deutschen Firmen dagegen steigerten ihre Marge von 1,8 auf 4,8 Prozent – die Dax-Konzerne sogar auf 5,4 Prozent. Das ist so viel wie noch nie. 

Deutschland zieht Wettbewerbern davon

„Die deutschen Unternehmen haben ihre Kostenstrukturen stark optimiert, was nun bei anziehender Nachfrage überproportional im Ergebnis und bei den Margen durchschlägt“, sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. 2010 summierten sich die Sparprogramme allein der 30 Dax-Konzerne auf mehr als 30 Milliarden Euro. 

So ziehen die Deutschen ihren ausländischen Wettbewerbern davon. Volkswagen, BMW und Daimler etwa wirtschaften profitabler als Japans Vorzeigekonzern Toyota. Auch der Chemieriese BASF fährt höhere Umsatzrenditen ein als seine Wettbewerber. Die Lufthansa ist profitabler als Air France, Schwedens SAS und Spaniens International Airlines. Die Versorger Eon und RWE schlagen ihre französischen Konkurrenten. 

Experten zufolge werden Deutschlands Konzerne noch lange von ihrem Sparkurs profitieren. „Kostensenkungen wirken zeitversetzt“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung in Saarbrücken. „Sie erhöhen auch nach Jahren noch die Margen.“ 

Erstaunlich nur: Die Börse honoriert diese Stärke nicht. Mit Siemens schafft nur ein deutscher Konzern den Sprung unter die 50 weltweit wertvollsten Unternehmen. Gemessen an ihren Konkurrenten sind die Aktien deutscher Konzerne unterbewertet. 

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Michel_aus_Berlin

27.07.2011, 15:40 Uhr

Bei den Hungerllöhnen die in Deutschland gezahlt werden
ist das keine Leistung.Bedanken könnten sie sich aber wenigstens,und zwar bei den vielen Millionen Leiharbeitern.Und den Gewerkschaften und den Politikern,
die diese Unterdrückung und Versklavung erst möglich gemacht haben.

Account gelöscht!

27.07.2011, 16:04 Uhr

@ Michel aus Berlin: dem ist nichts hinzuzufügen. Aus der Armut dieser Menschen ziehen die Reichen und Mächtigen im Lande Ihren Profit.

Noch effektiver wird es, wenn wir die bald 1 Miio. Arbeitssklaven in Deutschland einsperren und zur Sklavenarbeit zwingen. Dann können wir sogar mit China konkurrieren.
Vorher müssen wir natürlich kritische Stimmen -wie meine - mittels Vorratsdatenspeicherung entlarven und mit einsperren.

Die Gewinne der Konzeren - das Maß aller Dinge - werden es uns danken!!!!

Goldmund

27.07.2011, 19:47 Uhr

Alles was zählt in den Unternehmen ist Geld. Aber immer nur in die Taschen des oberen Managements und der Investoren. Mir scheint, diese selbsternannte "Elite" ist vollkommen größenwahnsinnig geworden. Es gab einmal das Wort vom "ehrbaren Kaufmann". Diese Spezies scheint leider in diesen Kreisen ausgestorben zu sein. Wohin soll das führen? Manchmal habe ich den Eindruck die sind völlig verstrahlt. Statt Hirn, Herz und Verstand gibt es in diesen Köpfen nur Gier, Geld, Macht, Status ect. Wer hält diesen zerstörerischen Kreislauf auf? Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der es nur um Geld und noch mehr Geld geht. Niemand braucht Millionen oder gar Milliarden. Nur um dieses Geld noch gewinnbringender anzulegen und noch mehr auszubeuten. Mehr, mehr, mehr! Schon gar nicht, wenn dies nur durch die Ausbeutung der allgemeinen Bevölkerung möglich ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×