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28.01.2008

07:00 Uhr

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück

Wie ein Tiger in der Manege

VonMartin W. Buchenau

Porsche -Betriebsratschef Uwe Hück nimmt bei der Übernahme von VW eine Schlüsselposition ein. Dabei wird der ehemalige Profi-Europameister im Thaiboxen gegen die eigenen Genossen kämpfen müssen. Das zeigt sich nicht nur auf der Hauptversammlung.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. Foto: ap ap

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. Foto: ap

STUTTGART. Es ist sein großer Auftritt. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche muss die Hauptversammlung kurz verlassen. Uwe Hück wechselt auf dessen Platz. Der oberste Arbeitnehmervertreter von Porsche übernimmt die Leitung. Alle hören auf sein Kommando. Er genießt die Macht des Augenblicks. Nach drei Minuten ist alles vorbei. Wolfgang Porsche kehrt zurück, und Hück weicht.

Uwe Hück ist ein besonderer Typ: kahl geschoren, schwarzer Anzug, offener Hemdkragen, der den Blick auf ein Goldkettchen freigibt. Der ehemalige Profi-Europameister im Thaiboxen bedient viele Klischees - nur das eines Konzernbetriebsrats will nicht so recht passen. Der Mann, der noch jede Woche trainiert, wirkt auf dem Podium wie ein Tiger in der Manege. Er könnte jeden ins Jenseits befördern. Aber er tut es nicht und gehorcht, weil er mit Respekt behandelt wird. Und er wird so behandelt, solange er gehorcht.

Vor der Versammlung ein freundliches Wort mit Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, weiter zu Porsche -Chef Wendelin Wiedeking, Lächeln für die Kameras, Daumen nach oben - die Geste eines Siegers, der von ganz unten kommt. Da kann er auch wegstecken, dass Ferdinand Piëch auf seine Anrede nicht reagiert, einfach durch ihn durchschaut. Hück, ein Waisenkind aus dem Heim mitten unter den milliardenschweren Eigentümern der Sportwagenschmiede, die im Begriff ist, sich Europas größten Autokonzern VW einzuverleiben. Und Hück hat eine Schlüsselposition in diesem Spiel.

Dabei hat er eigentlich nur das getan, was seine Aufgabe ist. Er hat für seine Belegschaft bei den Verhandlungen über die Mitbestimmung in der neuen Porsche -Holding alles herausgeholt, zulasten des mächtigen VW -Betriebsrats. In der neuen Holding sind vorerst nur Porsche -Betriebsräte vertreten. Und erst wenn Porsche mehr als 50 Prozent von Volkswagen übernimmt und der größte europäische Autohersteller faktisch zum Teilkonzern der Porsche Holding wird, kann VW -Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh in das Gremium einziehen. Auch dann erhält VW mit seinen 300 000 Beschäftigten nur so viele Plätze auf der Arbeitnehmerbank wie Porsche mit seinen 10 000 Beschäftigten.

Osterloh hat diesen Schuss erst spät gehört. Er wollte den Eintrag der Porsche Holding als europäische Aktiengesellschaft mit einer einstweiligen Verfügung verhindern. Plötzlich fand sich Hück im Scharmützel gegen seine eigenen Genossen. Hück ist zwar gewohnt, dem Gegner ins Auge zu schauen. Wenn Hück sich aufregt, schwillt seine Halsschlagader bedrohlich an, so dass selbst Porsche -Chef Wendelin Wiedeking beeindruckt ist. Aber die beiden verstehen sich. Wenn Wiedeking mehr Produktivität fordert, bietet ihm Hück die Stirn und handelt einen Kompromiss aus.

Doch ein Machtkampf mit den eigenen Leuten verunsichert Hück zutiefst. Gut zu sehen am 24. Oktober vor Gericht. Als Osterloh mit seiner einstweiligen Verfügung scheitert. Die Härte, mit der Osterloh die verlorene Macht zurück will, irritiert Hück. Am 13. Februar dieses Jahres wird Osterloh das nächste Mal angreifen. Diesmal will er die Mitbestimmungsregelung via Arbeitsgericht kippen.

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