Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.03.2016

13:29 Uhr

Porsche-Prozess

„Wiedeking und Piëch waren auf Crashkurs“

VonMartin-W. Buchenau

Im Porsche-Prozess haben die Verteidiger von Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter auf Freispruch plädiert. Die Anwälte gingen dabei mit der Staatsanwaltschaft hart ins Gericht.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (links), und der ehemalige Finanzvorstand Holger Härter plädieren auf Freispruch. dpa

Porsche-Prozess in Stuttgart

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (links), und der ehemalige Finanzvorstand Holger Härter plädieren auf Freispruch.

StuttgartDer zweite Akt des Showdowns im Porsche-Prozess: Die Verteidiger im Strafverfahren gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen damaligen Finanzchef Holger wegen Marktmanipulation beim Übernahmekampf um den VW-Konzern haben auf Freispruch plädiert.

„Allen Ankündigungen von Porsche waren richtig. Es gab keinen geheimen Plan, den Kurs hochzujubeln, um anschließend Kasse zu machen", sagte Wiedekings Verteidiger Walther Graf vor dem Landgericht Stuttgart. Keine Zeugenaussage in der Hauptverhandlung habe die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft auf informationsgestützte Marktmanipulation bestätigt. Es habe weder drohende Milliardenverluste durch die Optionsgeschäfte im fraglichen Zeitraum gegeben, noch sei Liquidität bedroht gewesen, sagte Anne Wehnert, Verteidigerin von Ex-Finanzchef Holger Härter. „Das waren rein buchhalterische Verluste“, sagte Wehnert. Es sei „sinnentleert, dass die Staatsanwaltschaft sich bei der Betrachtung nur einen kleinen Zeitraum herausgepickt hat“.

Zudem habe sich die Staatsanwaltschaft schlicht verrechnet. Wehnert bezifferte die Liquidität im Oktober 2008 mit bis zu drei Milliarden Euro. Und es hätte allenfalls ein Verlust von knapp 200 Millionen Euro gedroht und nicht sieben Milliarden Euro, wie die Staatsanwaltschaft behaupte. Alle Verteidiger forderten Freispruch für ihre Mandanten.

Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte am vergangenen Mittwoch Freiheitsstrafen und Geldbußen für Wiedeking und den früheren Porsche-Finanzchef Härter gefordert. Wiedeking soll nach ihrem Plädoyer zweieinhalb Jahre ins Gefängnis gehen. Die Strafverfolger sehen es als erwiesen an, dass die beiden 2008 mit unrichtigen öffentlichen Aussagen Anleger täuschen und den VW-Aktienkurs manipulieren wollten.

Porsche Holding und VW – ein kompliziertes Verhältnis

Porsche und Volkswagen

Das Verhältnis zwischen Porsche und Volkswagen ist komplex. 2005 sicherte sich Porsche zunächst 20 Prozent der VW-Stammaktien und baute den Anteil in den Folgejahren sukzessive auf 50,73 Prozent aus. 2008 verkündete der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Anteil bei VW auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Doch kurze Zeit später musste der Sportwagenbauer seine Pläne begraben. Zu dem Zeitpunkt hatte Porsche 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Quelle: dpa

Die Porsche Automobil Holding SE

Die Porsche Automobil Holding SE wurde 2007 gegründet, um das Sportwagengeschäft der Porsche AG von der Beteiligungsverwaltung SE zu trennen. SE steht für Aktiengesellschaft auf Europaebene (Societas Europaea). Das operative Geschäft mit den Autos ist seither in der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG - kurz Porsche AG - gebündelt. Zunächst war die Porsche AG eine Tochter der Porsche Holding.

Der integrierte Konzern

Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch einigten die Familien Porsche und Piëch sich darauf, einen integrierten Autokonzern zu bilden. Volkswagen übernahm Teile des Sportwagenbauers Porsche AG. 2012 wurde der Sportwagenbauer komplett an VW verkauft. Die Porsche-Holding wurde als VW-Mehrheitseigner das Dach des Gebildes.

Wer hat das Sagen?

Die auf der Hauptversammlung wichtigen, weil stimmberechtigten, Stammaktien der Porsche-Holding liegen seit dem Ausstieg des Emirats Katar allein in der Hand der Familien Porsche und Piëch. Die Vorzugsaktien halten institutionelle Anleger und Privatanleger.

In dem seit Oktober laufenden Prozess geht es um den letztlich gescheiterten Versuch der Porsche SE, den viel größeren Volkswagen-Konzern 2008 vollständig zu übernehmen. Von März bis Oktober dieses Jahres hatte Porsche diese Absicht dementiert, am 26. Oktober den Plan aber offen gelegt. Daraufhin schnellte der Aktienkurs in schwindelnde Höhen. Anleger, vor allem Hedgefonds, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, erlitten Milliardenverluste und klagen noch heute auf Schadensersatz. Bei den Verhandlungen sitzen immer zahlreiche Anwälte der Hedgefonds im Publikum und schreiben mit. Sie hoffen auf Material für ihre eigenen Zivilprozesse. Sie kritisieren, dass die Zeugen im Strafprozess nicht hart genug vernommen wurden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×