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08.01.2009

09:14 Uhr

Porträt

Alexander Erdland: Der besonnene Sanierer

VonThomas Schmitt

Auch zehn Jahre nach der Fusion von Wüstenrot und Württenbergischer ist die W&W ein kompliziertes Geflecht geblieben. Dennoch hat Konzernchef Alexander Erdland die Ertragswende geschafft. Mit besonnener, ruhiger Hand hat er wichtige Reformen durchgesetzt.

Bodenständig: W&W-Chef Alexander Erdland hat im Unternehmen aufgeräumt. Foto: AP ap

Bodenständig: W&W-Chef Alexander Erdland hat im Unternehmen aufgeräumt. Foto: AP

STUTTGART. Mit seinen Händen formt Alexander Erdland ein Dach. "Ein Haus zu bauen", sagt er, ohne die Stimme im geringsten zu erheben, "ist sicher schwerer, als sich das die Erfinder 1999 gedacht haben."

Für solche Sätze ist der Chef der Bausparkasse Wüstenrot und der Württembergischen Versicherung bekannt. Emotionslos und klar beschreibt er die traurige Geschichte des W&W-Konzerns. "Nicht euphorisch, realistisch und zielorientiert arbeiten", nennt er selbst seinen Stil, mit dem er seit 2006 in dem Stuttgarter Finanzkonzern gründlich aufräumt.

Das ist bitter nötig, denn nach der Fusion von Wüstenrot und Württembergische im Jahr 1999 passierte so gut wie nichts. Sieben Jahre lang führten Bausparkasse, Versicherung und etliche Töchter ein Eigenleben. Die Folge war: Der Konzern mit 16 000 Mitarbeitern hat stetig Marktanteile an die Konkurrenz abgegeben. Die zahlreichen Vorstände der Gruppe machten zuletzt in erster Linie, was sie wollten. Die einzelnen Sparten beäugten sich misstrauisch, von Zusammenarbeit kaum eine Spur. Die Konzernspitze hatte zudem keine Vision und keine Ideen. Sie verwaltete das Sammelsurium nur.

All dies änderte sich 2006 mit Erdland, der deshalb gerne von einer "zweiten Chance" für W&W spricht. Als neuer Chef setzte sich der Sohn eines Landwirts nicht laut krähend in Szene. Imponiergehabe passt nicht zu ihm. Er wirkt noch immer wie der freundliche und grundsolide Bankangestellte, als der er beruflich gestartet ist.

Der Jurist und Ökonom ließ aber keine Zweifel aufkommen, dass der Hühnerhaufen Ordnung brauchte: "Wir haben die Treppe von oben gekehrt", sagt Erdland und bezieht das auf zahlreiche Vorstände, die gehen mussten. Mitarbeiter drücken es so aus: "Der Wahl-Schwabe aus dem nicht minder bodenständigen Westfalen setzt auf Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit statt auf Abenteuer und Überraschung." So tritt Erdland auch auf: Er kommt langsam in das Zimmer, seine Gesten sind sparsam, er redet konzentriert und klar, fast wie auf einer Hauptversammlung. Wenn es kompliziert wird, greift er zum Stift, um die neue Konzernstruktur aufzumalen.

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