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13.03.2006

07:03 Uhr

Porträt: Sonja Davidoff

Rauchzeichen aus Genf

VonOliver Stock

Zum 100. Geburtstag von Zino Davidoff meißelt seineTochter Sonja am Denkmal des Zigarrenpapstes. Dabei hat sich der Luxuskonzern schon längst von seinem Namensgeber unabhängig gemacht.

GENF. Der Vater klebt am Eingang zum Parkhaus Montblanc, er leuchtet im Wartehäuschen der Straßenbahnlinie elf. Zigarrenpapst Zino Davidoff ist an diesem Wochenende in Genf allgegenwärtig. Das Foto auf den Plakaten zeigt einen älteren Herren mit genauso vielen Falten vom Lachen wie vom Denken. Mit Augen, die sagen: Ich kenne die Welt. Mit freundlich nach oben gebogenen Mundwinkeln, die hinzufügen: Und sie ist gut so. 100 Jahre alt wäre dieser Bonvivant am Samstag geworden.

Es berühre sie, den Vater von jeder Säule lächeln zu sehen, sagt Sonja Davidoff. Die Tochter sitzt in einem jener Salons, die Genfer Hotels für besondere Gäste aufschließen. Himmelblau ist die Tapete, jahrzehnteschwer der Vorhang, und viel zu klein für den großen Saal ist das Marmortischchen in der Mitte. Die feine, alte Dame bewegt sich etwas verloren in dieser Einrichtung – wie Gulliver im Land der Riesen.

Es ist eine jener Situationen, die Vater Zino wahrscheinlich mit einer Zigarre gemeistert hätte. Vielleicht mit einer aus der „Grand Cru“-Serie. 1946 hatte der Papa die geniale Idee, seine Zigarren nach dem Stoff zu benennen, den seine Kunden genauso schätzten: Bordeaux-Weine. Der hohe Anteil kräftiger Aromen in der Gran-Cru-Mischung, die einen nachhaltigen Geruch hinterlassen, hätte den Raum gefüllt.

Die Tochter raucht seltener. Sie hat eine Packung Zigaretten in der zierlichen Handtasche, die eher dem guten Gefühl dienen, etwas dabei zu haben, als dass sie tatsächlich angezündet werden. „Auch mein Vater hat gerne Zigaretten geraucht“, sagt sie und verrät damit vermutlich ein Detail, das so nicht in den offiziellen Lebenslauf desjenigen gehört, der gesagt haben soll: „Rauchen sie weniger – aber besser und länger.“

Sonja Davidoff erinnert sich dann doch ihrer Rolle als Oberhaupt einer Zigarrendynastie und fügt hinzu, dass sie nach dem Essen ab und an gegen eine Zigarre nichts einzuwenden habe – eine leichte Davidoff Nr. eins zum Beispiel. Die 72-Jährige, die Deutsch und Französisch spricht, redet sich warm und kramt die Argumente der Tabakfreunde aus der Zigarrenkiste: „Der Staat mischt sich zu sehr in die Gesundheit der Menschen ein, wenn er das Rauchen ächtet.“

Es sei doch besser, nach der Mahlzeit eine gepflegte Zigarre zu qualmen, als auf die Straße zu eilen, um hastig an einer Zigarette zu ziehen. Natürlich hätte der Vater das Gleiche gesagt. „Zigarren“, sagt seine Tochter und befindet sich damit wieder vollends in dem Bild, das sich die Welt unter Mithilfe kräftigen Marketings von Zino macht, „hat er so liebevoll angeschaut wie eine Frau.“

Stimmt das Bild, oder ist es eine Legende, die dazu beitragen soll, die Marke als Inbegriff von Luxus und Lebensart zu positionieren? Halten es die Marketing-Strategen vielleicht doch mit dem Dichter Oscar Wilde, der bemerkte: „Der Genuss einer guten Cigarre lässt uns an Zeiten zurückerinnern, die es gar nicht gegeben hat“? Die Tochter taugt nur begrenzt für Antworten. 1953 zog sie fort aus Genf, wo der Vater sein Zigarrengeschäft betrieb. „Ich habe nur einen Tag probiert, mit ihm zu arbeiten“, berichtet sie. Die Aufgabe, die ihr der Vater zuteil werden ließ, lautete: Humidore entstauben. Die Tochter packte am nächsten Tag die Koffer.

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