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09.06.2015

02:20 Uhr

Post-Chef Frank Appel

„Wir verstehen nicht, was Verdi gegen 6000 unbefristete Arbeitsplätze hat“

Am Montag hat die Deutsche Post klargemacht, dass sie im Tarifkonflikt nicht einzuknicken gedenkt. Daraufhin rief die Gewerkschaft Verdi zum unbefristeten Streik auf. Post-Chef Appel macht ihr nun Vorwürfe.

Unbefristeter Post-Streik

Post-Chef Appel verteidigt niedrige Löhne

Unbefristeter Post-Streik: Post-Chef Appel verteidigt niedrige Löhne

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BerlinDie Deutsche Post hat der Gewerkschaft Verdi im Tarifkonflikt vorgeworfen, eigene Ziele auf dem Rücken der Mitarbeiter auszutragen. Es stelle sich die Frage, ob Verdi die Interessen der Arbeitnehmer verfolge, sagte Konzernchef Frank Appel der "Bild" laut Vorabmeldung.

Der Manager verteidigte zudem unterschiedliche Tarifstrukturen im Unternehmen. Das Nebeneinander verschiedener Löhne gebe es mit Zustimmung von Verdi seit vielen Jahren. "Wir verstehen nicht, was Verdi gegen 6000 unbefristete Arbeitsplätze hat, die nach Verdi-Tarifverträgen bezahlt werden und immer noch 50 Prozent über den Löhnen unserer Wettbewerber liegen."

Der Unternehmenschef warnte Verdi davor, mit dem Arbeitskampf die Existenz von Arbeitsplätzen im Unternehmen zu gefährden. "Unsere Löhne liegen doppelt so hoch wie bei unseren Wettbewerbern - wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz", warnte Appel.

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Die Post ist erstmals seit ihrem Börsengang vor 15 Jahren von unbefristeten, bundesweiten Streiks betroffen. Appel zeigte sich zuversichtlich, den Ausstand bewältigen zu können. "Wir hatten ja in diesem Jahr schon 28 Streiktage und können damit umgehen."

Sein Unternehmen setze für die streikenden Mitarbeiter Kollegen aus Verwaltung und Vertrieb sowie externe Dienstleister ein. "Und unsere rund 40.000 Beamten arbeiten auch wie jeden Tag." Die Forderungen der Gewerkschaft lehnte Appel ab; sie seien "leider kein Beitrag zur Lösung unseres Kernproblems", sagte er der "Bild".

Entzündet hatte sich der Konflikt an der Ankündigung des Konzerns, Tausende Stellen schaffen zu wollen - allerdings in neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne gelten. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistikbranche, die deutlich unter dem Haustarif der Post liegen.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Zuletzt hatte die Gewerkschaft angeboten, auf eine lineare Einkommenserhöhung in diesem Jahr zu verzichten. Im Gegenzug forderte sie aber, die Beschäftigten der 49 Regionalgesellschaften nach Haustarif zu bezahlen. Dieses Vorgehen lehnte die Deutsche Post am Montag ab, da es durch eine Mehrbelastung von 300 Millionen Euro den "bestehenden Wettbewerbsnachteil" weiter verschärfen würde.

Bei der Post arbeiten 138.000 Tarifbeschäftigte und 40.000 Beamte. Letztere streiken nicht. Daher hatte die Post auch bei wochenlangen Warnstreiks zuletzt einen Teil ihres Angebots aufrechterhalten können.

Kommentare (6)

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Herr Paul Rimmele

09.06.2015, 07:51 Uhr

Die Dienstleistungsbranche steht im Markt und ist allen Angriffen von irgendwelchen
Welltverbesserern insbesondere aus dem Ausland ausgesetzt.
Die Zeiten sind längst vorbei, wo eine staatliche Aufsicht die wildesten Auswüchse
verhindern konnte. Die Globalisierung hat jedem Unfug Tür und Tor geöffnet.
Verdi sollte bedenken, dass Menschen, die nicht so hoch qualifiziert sind und auch nicht
"unendlich" weiter qualifiziert werden können, einen Arbeitsplatz brauchen. Auch vor dem
Hintergrund der fortschreitenden "Digitalisierung" sollte hier die Gewerkschaft um die lang-
fristige Sicherung der Arbeitsplätze bemüht sein.

Herr Fred Meisenkaiser

09.06.2015, 08:31 Uhr

Die Globalisierung trägt eben nur Früchte für die Reichen!

Wer arbeitet hat eben Pech - die Löhne sinken.

Und freiwillig wird sich daran nichts ändern! Die Sonntagsreden und das Gesappere der Machthaber dienen nur der Beruhigung der Bürger!

Herr Michael Rensler

09.06.2015, 08:47 Uhr

Was hat die Problematik mit Globalisierung zu tun?
Es gibt mit PostModern auch in Deutschland günstigere Wettbewerber.
In Zukunft wird dank Automatisierung immer weniger gearbeitet werden. Allein für Essen und ein Dach über den Kopf geht heute schon kaum noch einer arbeiten.

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