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01.07.2015

19:05 Uhr

Poststreik

Appel setzt auf Einigung am Wochenende

Post-Chef Frank Appel setzt weiter auf eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi – Gespräche am Freitag und Samstag, so glaubt er, könnten Lösung bringen. Verdi will bis zu einer möglichen Einigung weiter streiken.

Post-Chef Rank Appelt glaubt das im Tarifstreit bei der Post noch an diesem Wochenende eine Einigung möglich ist. dpa

Poststreik

Post-Chef Rank Appelt glaubt das im Tarifstreit bei der Post noch an diesem Wochenende eine Einigung möglich ist.

DüsseldorfDer seit mehr als drei Wochen andauernde Streik bei der Deutschen Post könnte bald beendet sein. Bei den Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi am Freitag und Samstag könnte es eine Übereinkunft geben, sagte Post-Chef Frank Appel in einem vorab veröffentlichten Gespräch mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagausgabe): „Ich bleibe Optimist und bin mir sicher, dass wir uns einigen.“

Der Konzern sei der Gewerkschaft bereits „deutlich entgegengekommen“. Auf die umstrittenen Subunternehmen mit niedrigeren Löhnen will Appel aber nicht verzichten: „Dass es die neuen Gesellschaften gibt, ist für uns nicht verhandelbar.“ Die Gewerkschaft Verdi wollte die Aussagen nicht kommentieren.

Verdi läuft gegen die neuen Gesellschaften Sturm, in denen bereits mehr als 6000 Menschen arbeiten. Seit mehr als drei Wochen bestreikt die Gewerkschaft den Konzern, rund 32.000 Postler befinden sich im Ausstand. Millionen von Paketen und Briefen verspäten sich. Verhandlungsführerin Andrea Kocsis will die Proteste erst beenden, wenn eine Lösung im Tarifstreit gelungen ist.

Insider sagten, dazu solle bei den neuen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr ein sehr ernsthafter Anlauf unternommen werden. Kocsis hatte den Bonner Konzern bereits zum Kompromiss aufgerufen: „Das ist unsere Erwartung an den Postvorstand.“ Das Unternehmen hatte es als „positives Zeichen“ gewertet, dass Verdi zu neuen Verhandlungen bereit sei.

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Vorstandschef Frank Appel führt die Post zu Rekordgewinnen. Trotzdem verschlechtert sich die Finanzlage – Wachstum und Pensionsvorsorge kosten den Konzern viel Geld. Eine Bilanz-Analyse.

Entzündet hatte sich der Konflikt an der Ankündigung des Unternehmens, Tausende unbefristete Stellen zu schaffen - allerdings in den 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne gelten als im Konzern. Die neuen Firmen orientieren sich an den von Verdi ausgehandelten Tarifverträgen der Logistik-Branche, die deutlich unter denen der Post liegen.

Verdi will die Post mit dem Streik zwingen, dass auch bei den Tochterunternehmen der höhere Haustarif gezahlt wird, der für rund 140.000 Postler gilt. Die Post verweist dagegen darauf, dass sie bereits deutlich höhere Löhne als die Konkurrenten zahlt - und das auch in denen neuen Gesellschaften.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Appel bekräftigte zugleich seine Gewinnziele für das Jahr 2020 und wies Vorwürfe der Gewerkschaft zurück, diese sollten auf dem Rücken der Beschäftigten in Deutschland erreicht werden. Der Konzern wolle den operativen Gewinn (Ebit) im Mittel jährlich um acht Prozent steigern, bekräftigte er.

Der Großteil davon solle aber im Auslandsgeschäft eingefahren werden: „In Deutschland ist eine Steigerung um drei Prozent geplant, also etwa auf dem Niveau des Umsatzwachstums.“ Die Post hatte 2014 einen operativen Gewinn von 2,965 Milliarden Euro erzielt.

Neben dem aktuellen Tarifkonflikt mit seinen wochenlangen Streiks droht der Post aber nun auch noch Ärger mit dem Bundeskartellamt. Ein Sprecher der Behörde bestätigte am Mittwoch, dass ein seit 2012 laufendes Verfahren gegen die Post in Kürze abgeschlossen werde. Dabei geht es nach einer früheren Kartellamtsmitteilung um starke Preisnachlässe für Großkunden. Mit dieser „Kampfpreisstrategie“ würden Post-Wettbewerber möglicherweise wettbewerbswidrig behindert.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag) berichtet, die Post habe Großkunden aus der Telekommunikationsbranche wie der Deutschen Telekom, Vodafone, Telefónica und Freenet jahrelang Dumpingpreise gewährt und solle deshalb abgemahnt werden. Damit müsste die Post diese Praxis einstellen. Bußgelder würden in diesem Fall nicht fällig.

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