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19.06.2015

21:43 Uhr

Poststreik

Freiwillige Helfer sollen Sendungen verteilen

Wegen des Streiks bei der Deutschen Post warten viele auf Briefe und Pakete. Das Unternehmen wirbt nun um Freiwillige für Sonder-Verteilungen am Sonntag. Für den Einsatz sollen Einkaufsgutscheine winken.

Streik bei der Post: Damit die liegengebliebenen Zusendungen verteilt werden, sollen nun Freiwillige einspringen. dpa

Deutsche Post

Streik bei der Post: Damit die liegengebliebenen Zusendungen verteilt werden, sollen nun Freiwillige einspringen.

Berlin/BonnUm den Ausfall der streikenden Postmitarbeiter zu kompensieren, wirbt die Deutsche Post einem Zeitungsbericht zufolge mit Einkaufsgutscheinen um freiwillige Zusteller. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) in ihrer Samstagsausgabe berichtet, sollen die Helfer am Sonntag unter dem Motto „Sonntag wird Deutschland Gelb“ die Zustellung übernehmen.

Der Niederlassungsleiter der Post für Hannover, Hildesheim, Hameln und Peine, Manfred Eisenträger, ruft demnach über den Smartphone-Botschaftendienst Whatsapp dazu auf, jede Niederlassung solle „ungeachtet irgendwelcher juristischer Vorbehalte" mindestens 200 Freiwillige für die Paketzustellung anwerben, darunter auch Familienangehörige.

Wie viele Menschen in wie vielen Niederlassungen sich an der bundesweiten Aktion beteiligen werden, konnte eine Post-Sprecherin am Freitagabend nicht sagen. Die Aktion solle helfen, die Rückstände der vergangenen Tage abzubauen, sagte die Post-Sprecherin. „Es geht darum, dass wir versuchen, trotz des Streiks den Service für die Kunden so gut wie möglich zu gestalten.“

Aufruf sei „nur für Führungskräfte“ bestimmt gewesen

Die Helfer bekämen neben Sonderzuschlägen auch einen Einkaufsgutschein im Wert von 100 Euro „zum Beispiel von Amazon oder Zalando“, zitierte die HAZ weiter aus der Botschaft. Postsprecher Jens-Uwe Hogardt bestätigte der Zeitung die Existenz eines solchen Aufrufs. Allerdings sei dieser „nur für Führungskräfte“ bestimmt gewesen. „Das hat wohl jemand missverstanden und meinte, er müsste das weiterleiten", sagte Hogardt. Er fügte hinzu, eine Motivation von Mitarbeitern finde er „nicht verwerflich.“

Juristische Hürden sieht der Göttinger Juraprofessor Werner Heun nicht. Freiwilligen sei es durchaus erlaubt, Pakete auszutragen, sagte er der HAZ. Es müsse nur eine „Unterweisung geben, dass sie die Post nicht öffnen dürfen“.

Nach Verdi hatte am Donnerstag auch die Fachgewerkschaft DPV ab Freitag zu einem unbefristeten Streik bei der Post aufgerufen. Dieser sollte schrittweise ausgeweitet werden. Vor anderthalb Wochen hatte bereits Verdi einen unbefristeten Streik begonnen und seither immer mehr Mitarbeiter in den Ausstand gerufen. Insgesamt befinden sich nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft mittlerweile rund 23.000 Beschäftigte im Ausstand.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Postkunden mit zeitkritischen Gütern stellt der Streik vor Probleme: Das Kölner Unternehmen Studimed will per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Sendungen erzwingen. Durch fehlende Post sehe sich die Firma, die auf die Vermittlung von Medizin-Studienplätzen an ausländischen Universitäten spezialisiert ist, in ihrer Existenz bedroht, teilte Studimed mit.

In einem konkreten Fall gehe es etwa um die zum Monatsende ablaufende Frist für eine Bewerbung um einen Studienplatz in Litauen, sagte Studimed-Geschäftsführer Hendrik Loll am Freitag. Da beglaubigte Originalunterlagen eingereicht werden müssten, sei man dringend auf die Post angewiesen. Ein Postsprecher wollte den Fall auf Anfrage zunächst nicht kommentieren.

Eine Sprecherin des Kölner Amtsgerichts bestätigte am Freitag den Eingang des Antrags. An die Post sei nun auf postalischem Weg eine Aufforderung zur Stellungnahme geschickt worden. Nach der Zustellung des Schreibens habe die Post dann drei Tage dafür Zeit, so dass nicht vor Mitte kommender Woche mit einer Entscheidung zu rechnen sei.

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