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24.01.2010

09:00 Uhr

Privatermittler

Auf der Spur des schmutzigen Geldes

VonSönke Iwersen

Gefahren lauern überall – meist aber mitten in den Unternehmen. Louis Wonderly wird gerufen, wenn das Grundvertrauen in einer Firma verloren gegangen ist. Ein Privatermittler berichtet, wie er Wirtschaftskriminellen das Handwerk legt.

ap

MÜNCHEN. Er wundert sich immer noch über die Betrüger. Über ihre Dreistigkeit, ihre Kreativität. Seit zwölf Jahren ist der US-Amerikaner Louis Wonderly jetzt in der deutschen Wirtschaft unterwegs. Dax-Konzerne heuern ihn an, wenn sie ihrer eigenen Sicherheitsabteilung nicht mehr trauen. Banken beauftragen ihn, wenn wieder einmal Millionen verschwunden sind. Und wenn Wonderly eines gelernt hat in dieser Zeit, dann dies: Die Täter sind überall. Mitarbeiter betrügen ihre Firma, die Firma den Kunden, und alle zusammen müssen sich hüten, nicht von ihrem Vermögensberater übers Ohr gehauen zu werden.

Bernie Madoff zum Beispiel: Monate hat Wonderly damit zugebracht, der Spur des Geldes zu folgen. 65 Mrd. Dollar verwaltete der größte Betrüger der US-Geschichte angeblich für seine Anleger. Die gewaltige Summe hat sich weitgehend in Luft aufgelöst, heute sitzt Madoff in Haft - und soll laut Urteil dort auch die nächsten 150 Jahre bleiben. Doch wo der Staatsanwalt sich zufrieden zurücklehnt, ist für Wonderly noch lange nicht Schluss. Seine Klienten haben mit Madoff Millionen verloren. Dass der einstige Sonnenkönig der Finanzbranche jetzt hinter Gitter ist - schön und gut. Viel besser wäre für die Geschädigten aber eine Antwort auf die Frage: Wo ist ihr Geld?

"Clawback": Diese brutal klingende Wortschöpfung aus der Finanzszene umschreibt einen großen Teil der Arbeit von Ermittlern wie Wonderly. Um sich das zurückzuholen, was Klienten verloren haben, sind bisweilen scharfe Klauen nötig. Denn die Nutznießer von Madoff melden sich keineswegs freiwillig, um Provisionen für fiktive Gewinne artig zurückzugeben. Also müssen Wonderly und seine Mitarbeiter sich mühsam durch das komplizierte Netz von Partnern und Vermittlern schlagen. Konto für Konto, Land für Land. Die Ansprechpartner bei Handelsregistern von sämtlichen Steuerparadiesen auf dem Erdball sind bei Wonderly fest gespeichert.

Unheil im Inneren

Doch so spektakulär Betrugsfälle wie Madoff auch sind - meist wächst das Unheil für Unternehmen in ihrem Inneren. Wonderly wird gerufen, wenn das Grundvertrauen in einer Firma verloren gegangen ist. So wie bei dem internationalen Brokerhaus, dessen Umsätze in Italien plötzlich sanken. Niemand konnte erklären warum - denn eigentlich war die Marktlage gut. Wonderly schlug einen Weg ein, den kein Wirtschaftsprüfer geht: Er heftete sich an die Fersen des Geschäftsführers in Mailand.

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