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17.11.2014

15:02 Uhr

Privates im Büro

Wenn das Telefonat mit „Hi Schatz“ beginnt

Wenn der Mitarbeiter seine Liebste vom Firmenhandy anruft, hat er dabei oft ein schlechtes Gewissen. Einige Firmen erlauben Beschäftigten nun explizit Privatgespräche zu Dienstzeiten – und sehen das sogar als Vorteil.

Am Arbeitsplatz mit der Familie telefonieren? Für manche Arbeitgeber kein Problem. dpa

Am Arbeitsplatz mit der Familie telefonieren? Für manche Arbeitgeber kein Problem.

StuttgartZwischen zwei Besprechungen mal eben bei Facebook gucken oder die Liebste in der Pause übers Diensthandy anrufen. Bei den meisten Arbeitnehmern ist das zwar Usus – in der Regel aber mit einem schlechten Gewissen verbunden. In einigen Unternehmen können Mitarbeiter inzwischen ganz ungeniert Dienstgeräte für private Kommunikation nutzen. Zuletzt machte etwa der Technikkonzern Bosch die Erlaubnis dafür offiziell.

„Das ist auch eine Frage von Arbeitnehmerfreundlichkeit und Vertrauen“, sagt eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall. „Wir begrüßen es, dass die Unternehmen den Blick darauf richten, Arbeit und Privatleben vereinen zu können.“

So binden Unternehmen ihre Mitarbeiter

Platz 6

Stress auf der Arbeit nervt. Deshalb wünschen sich viele Mitarbeiter die Möglichkeit, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen. Gerade Leistungsträger eines Unternehmens finden dies wichtig (Platz vier). Nachwuchstalente hingegen sind offenbar noch stressresistenter - für sie gehört die Möglichkeit nicht zu den zehn Punkten, die sie an ein Unternehmen bindet.

Platz 5

Die Deutschen wollen auch eine gute Atmosphäre im Büro. Das Arbeitsumfeld gehört im Ranking Mitarbeiterbindung zu den Top Fünf. Bei Nachwuchstalenten kommt es sogar auf den vierten Platz.

Platz 4

Mitarbeiter wollen auf ihr Unternehmen Vertrauen können. Daher zählt für sie Vertrauen in das Top-Management (Platz vier). Für Nachwuchskräfte ist dieser Punkt tendenziell wichtiger (Platz drei). Bei Leistungsträgern kommt das Vertrauen gar an erster Stelle.

Platz 3

Wie bei der Mitarbeitergewinnung ist auch bei der Bindung die Sicherheit des Arbeitsplatzes von Bedeutung. Dazu zählen laut Towers Watson zum Beispiel eine verkürzte Probezeit bei einigen Stellen oder Alternativen zum Stellenabbau. Leistungsträger und Nachwuchstalente interessieren diese Punkte dagegen nur wenig: Bei ihnen kommt Sicherheit nur auf den sechsten Platz bzw. nicht in die Top Ten.

Platz 2

Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern zudem Chancen bieten, ihre Karriere voranzutreiben. Für Beschäftigte und Leistungsträger zählen Aufstiegsmöglichkeiten zu den zweitwichtigsten Aspekten in einem Job. Bei den Nachwuchskräften kommen die Karrierechancen sogar auf den ersten Platz.

Platz 1

Wer seine Mitarbeiter binden will, sollte vor allem eins: sie anständig bezahlen. Denn das Grundgehalt schafft es bei den meisten Deutschen auf Platz eins bei der Mitarbeiterbindung. Nachwuchskräfte und Leistungsträger finden den Lohn zwar auch wichtig (Platz zwei und drei), halten es aber nicht für das Hauptargument, einem Unternehmen treu zu bleiben.

Quelle: Towers Watson, Global Workforce Studie 2012

Neben Bosch ermöglichen auch andere Unternehmen wie Daimler und IBM ihren Leuten private Kommunikation im Dienst. Beim Software-Konzern SAP können Beschäftigte beispielsweise privat über das Diensthandy telefonieren. Die Gespräche laufen dann unter einer zweiten Telefonnummer und werden einzeln abgerechnet.

Bei Bosch sieht die Regelung so aus: Private Telefonate sind erlaubt – sofern sie nicht ausarten. Zudem können Mitarbeiter über ihre dienstliche E-Mail-Adresse auch private Nachrichten verschicken.

Das könnte auch Vorteile für den Chef haben: „Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind“, warnt die Gewerkschaft. „Es gibt ein Recht auf Feierabend und planbare Freizeiten.“ Denn durch die Verzahnung von Freizeit und Beruf könnten auch Grenzen verschwimmen. Wenn Mitarbeiter während der Arbeit Privates jedoch erledigen dürften, seien sie möglicherweise eher willens, umgekehrt auch Dienstliches im Feierabend zu erledigen.

Jeder dritte Mitarbeiter ist beispielsweise an Wochentagen abends für den Chef erreichbar, wie der Branchenverband Bitkom ermittelt hat. Nach Angaben des Verbands bekommt zudem jeder vierte Arbeitnehmer ein Diensthandy gestellt. 17 Prozent nutzen hingegen ihr privates Smartphone für die Arbeit.

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

17.11.2014, 15:55 Uhr

„Bei den meisten Arbeitnehmern ist das zwar Usus – in der Regel aber mit einem schlechten Gewissen verbunden.“

Was für ein Krampf. Gibt wirklich nichts Überflüssigeres als ein schlechtes Gewissen (hinterher haut das nämlich auch nichts mehr raus.)

Bei dem heutigen Regel-Overkill blickt doch keiner mehr durch, und für die meisten gilt längst: „Man darf alles, man darf sich nur nicht erwischen lassen.“

Vielleicht sollten wir mal langsam diesen starren Panzer aus immer neuen Gesetzen und Regulierungen abstreifen und durch sowas wie eigene Haltung ersetzen, und zwar am besten, bevor wir ohne detaillierte Anweisung, was wir zu tun, zu lassen (und zu denken) haben komplett handlungsunfähig und fremdgesteuert sind?

G. Nampf

17.11.2014, 16:10 Uhr

@Annette Bollmohr

"Vielleicht sollten wir mal langsam ...."

Das wird nicht kommen , denn:

- dann müßten Menschen plötzlich mündig sein, was von unserer Obrigkeit/unseren Vorgesetzten nicht gewünscht wird.

- dann wären die meisten Juristen/Politiker/Beamte arbeitslos und damit überflüssig

- müßten Menschen plötzlich Verantwortung übernehmen für das, was sie tun

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