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20.02.2004

07:27 Uhr

LONDON. Englisch ist es in Golders Green. Sehr englisch. Hundert Jahre alte Einfamilienhäuser in backsteinbrauner Uniform reihen sich an diesem grauen Londoner Mittag um einen nüchtern-leeren Platz mit kleiner Kirche. An den Bordsteinen herrscht eine hohe Konzentration familientauglicher Vans. Das Böse, Zynische, Gierige der Londoner City bleibt zurück, 20 U-Bahn-Minuten Richtung Süden.

Könnte man meinen – und täuscht sich.

Zumindest im Fall des groß gewachsenen Mannes in fast schlampiger Freizeitkleidung, der seine Opel-Familienkutsche vor einem der Häuser abstellt. Denn im Kopf von Michael Ridpath geht es oft düster zu. Da gebiert das Trainee-Programm einer Bank einen Mörder, ein Startup überlebt nur durch den Tod seines Geldgebers, oder eine Junk-Bond-Händlerin wird in Brasilien entführt.

In sechs Wirtschaftskrimis hat Ridpath diese dunklen Szenen verewigt, weltweit haben sie sich Millionen Mal verkauft. Gerade erschien in Deutschland sein jüngstes Werk „Fatal Error“ bei Hoffmann und Campe (Preis: 22,90 Euro). Doch wer in Golders Green mit Frau und drei Kindern lebt, bei dem kann das Böse nicht triumphieren: „Ich habe den simplen Glauben, dass der Gute am Ende immer besser dasteht“, sagt Ridpath.

Den konnte ihm nicht mal JP Morgan während eines Trainee-Programms nehmen. „Michael ist einer der cleversten Menschen, die ich kenne“, sagt Allan Walker, der damals in New York eine Wohnung mit ihm teilte. „Er war im Programm einer der Jüngsten und trotzdem einer der Schnellsten und Besten. Er ist ein angenehmes, ruhiges Genie vom Typ gemütlicher Riese“, sagt der Projektfinanzierungsexperte der Standard Bank. Zurück in London arbeitete Ridpath für Banken, managte eines der größten Junk- Bond-Portfolios Europas und wechselte dann zum Venture-Capital-Geber Apax. Sprich: Er war einer der Anzugträger, die jeden Morgen ausgespuckt werden aus den Tube-Löchern der Finanzhauptstadt.

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