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04.02.2004

06:51 Uhr

Profil

Erstmals im Rampenlicht

VonH. Alich (C. Nesshöver)

Am Donnerstag legt Baudouin Prot die Zahlen des Bankriesen BNP Paribas vor. Er wird an seinem Vorgänger gemessen.

PARIS. Fast ein wenig schüchtern kommt er herein, der Herr über eine Bank mit 46 Milliarden Euro Börsenwert und 90 000 Mitarbeiter. Der Blick von Baudouin Prot ist sanft. Und trotz seiner 1,87 Meter scheint der schlanke Banker hinter dem langen Tisch in seinem Besprechungsraum fast zu verschwinden. Nur die widerspenstige Locke, die ihm immer wieder in die Stirn rutscht, gibt ihm etwas Verwegenes – auf dass man sich seiner nicht täusche.

Denn Baudouin Prot, Vorstandschef von BNP Paribas, ist die ruhige Kraft der europäischen Bankenszene. An die eine Milliarde Euro verdient sein Haus pro Quartal – netto. Auf 5 bis 9 Milliarden Euro schätzen Analysten die Kriegskasse der BNP. Bei der erwarteten Konsolidierung der Bankenlandschaft in Europa will Prot mehr als nur ein Wörtchen mitreden – wenn er auch im Gespräch die Übernahmephantasien herunterspielt: „Es wird viel darüber geredet, passiert ist jedoch nichts.“

Aber wenn etwas passiert, wird er mit von der Partie sein. Seit neun Monaten ist der 53-Jährige Chef von BNP Paribas. Banker-Legende Michel Pébereau gab die Leitung des operativen Geschäfts nach zehn Jahren an seinen Wunschkandidaten weiter, blieb dem Institut aber als Aufsichtsratschef erhalten. Wenn Prot morgen erstmals das Jahresergebnis seiner Bank vorlegt, gilt es für ihn auch, den ersten Schritt aus dem Schatten seines allgegenwärtigen Vorgängers zu machen.

„Dass ich an Michel Pébereau gemessen werde, damit muss ich leben“, sagt Prot, dessen Büro im BNP-Hauptquartier in der Rue d’Antin in Paris direkt neben dem Pébereaus liegt. „Aber wer Herausforderungen nicht mag, sollte sich ihnen nicht stellen.“ Das würden sicher auch Allianz-Chef Michael Diekmann und Axa-Boss Henri de Castries unterschreiben, die in die großen Fußstapfen von Finanz-Übervätern wie Henning Schulte-Noelle und Claude Bébéar treten mussten.



Aber Pébereau erlebte auch Plei-ten. Seine Versuche, die Konkurrenten Société Générale und Crédit Lyonnais zu übernehmen, scheiterten. Daraus hat Prot gelernt: Leichter als sein heißsporniger Lehrmeister kann er auch Nein sagen. So stieg er vergangenes Jahr etwa beim Kampf um die Norisbank aus, als ihm der Preis zu hoch wurde, obwohl er BNP zu gerne im Konsumentenkreditbereich stärken würde. Nur bei „günstigen Gelegenheiten“ will er zuschlagen – da gibt er sich eisern.

Anders als viele französische Vorstandschef hat Prot sein Metier von der Pike auf gelernt. Nach nur sieben Jahren im Staatsdienst wechselte er 1983 zur BNP. „Baudouin hat eine vollständige Bankkarriere hingelegt, Etappe für Etappe“, lobt Pébereau. Und Jugendfreund Michel de Rosen, Vorstandschef des US-Pharmafirma Viropharma, unterstreicht: „Baudouin war immer Banker. Um russische Staatsschulden hat er sich ebenso gekümmert wie um Banken im Libanon. Das ist ein großer Vorteil.“

Prots große Leidenschaft ist bis heute das Privatkundengeschäft, das Rückgrat von BNP. Ab 1992 leitete er diese Sparte in Frankreich. Und bis heute „unterschreibe ich viele Antwortschreiben an unzufriedene Kunden persönlich“, sagt der Chef der nach Marktkapitalisierung größten Bank der Euro-Zone.

Imponiergehabe ist ihm fremd. Beim Neujahrsempfang von Alcan-Chef Travis Engen, der gerade mit BNP-Schützenhilfe den französischen Traditionskonzern Pechiney schluckte, steht Prot fast scheu im Kreis um Engen. Seine Krawatte ist etwas nachlässig gebunden; am Small Talk nimmt er kaum teil. Und im Interview ist er vorsichtig: Bevor er Kennzahlen seiner Bank nennt, blättert er in einem Stapel zusammengetackerter Merkzettel nach.

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