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03.06.2013

10:02 Uhr

Proteste

Frauen kämpfen für eine moderne Türkei

VonDana Heide

Liberale protestieren gegen Erdogans Vision eines konservativen Islamstaats. Darunter zahlreiche Frauen. Sie haben viel zu verlieren: So sitzen in der Türkei doppelt so viele Frauen im Chefsessel von Top-Firmen wie in Deutschland.

Frauen mit Kopftüchern dpa

Frauen mit Kopftüchern

IstanbulEs ist ein erschreckendes Bild, das sich am Wochenende via Kurznachrichtendienst Twitter und sozialem Netzwerk Facebook verbreitete: Zu sehen ist eine türkische Frau, sie trägt ein rotes Kleid, vor ihr aufgebaut haben sich rund ein Dutzend dunkel uniformierte Polizisten mit Schlagstöcken und durchsichtigen Schutzschildern. Einer der Männer ist leicht in die Hocke gegangen. Er trägt eine Gasmaske und sprüht der Frau in dem roten Kleid eine Flüssigkeit ins Gesicht: Pfefferspray, heißt es in der Bildbeschreibung.

An den Protesten auf dem Taksim-Platz waren nicht nur Männer beteiligt, auch zahlreiche Frauen forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Erdogan. Denn seine konservative Regierung will die Rechte der Frauen beschneiden. So fürchten sie etwa, dass die „Pille danach“ bald nur noch auf Rezept zu haben ist und Abtreibungen erschwert werden. Die Frauen auf dem Taksim-Platz kämpfen dafür, dass ihnen nicht das genommen wird, was sie sich über Jahrzehnte aufgebaut haben.

Die Proteste sind offenbar nachhaltig: Auch am Montag setzten die Demonstranten ihre Aktionen auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul fort. Sie bauten Barrikaden auf den Zufahrtsstraßen auf, wie Augenzeugen berichteten. Die Börsen des Landes reagieren verunsichert: Der Istanbuler Aktienindex fiel am Montag um bis zu 8,1 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief, türkische Anleihen und die Landeswährung Lira stehen unter Druck.

Die Türkei ist immer für Überraschungen gut, auch was die Stellung der Frau angeht: Dem renommierten World Economic Forum zufolge sind 12 Prozent der CEO-Posten der größten türkischen Unternehmen mit Frauen besetzt – bei den größten deutschen Unternehmen sind es laut der Erhebung mit 6 Prozent gerade einmal die Hälfte. Wenn man alle Vorstandsposten betrachtet, sinkt der Frauenanteil bei den DAX-30-Unternehmen im Jahr 2012 laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sogar auf 4 Prozent. Wie kann das sein?

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Auf der Suche nach einer Antwort ist Semra Demirli eine gute Gesprächspartnerin. Die 53-Jährige ist in Istanbul geboren, verbrachte Kindheit, Jugend und die ersten Berufsjahre aber in Deutschland. Vor 25 Jahren kehrte sie zurück in die Türkei, um dort den Aufbau der türkischen Repräsentanz der Commerzbank zu übernehmen. Inzwischen ist sie Chefin der Repräsentanz mit sechs Mitarbeitern und die Commerzbank gehört in der Türkei zu den Marktführern im grenzüberschreitenden Kreditgeschäft. Demirli kennt beide Welten, sie hat die eine Hälfte ihres Lebens in der Türkei verbracht, die andere in Deutschland.

Ihr Büro ist im achten Stock eines Bankenhochhauses im Istanbuler Finanzdistrikt Levent. Um zu ihr zu gelangen, muss man durch zwei Sicherheitsschleusen, vorbei an fünf Wachleuten, an der Rezeption muss man seinen Personalausweis abgeben.

Demirli hat ein Büro, auf das wohl so mancher Chef in Deutschland neidisch wäre. Zwei riesige Fensterfronten, genug Platz für einen großen Schreibtisch und ein edles Ensemble aus drei Sofas aus schwarzem Leder. Sie trägt ein figurbetontes weißes Oberteil, glitzernde Ohrringe und eine auffällige Halskette. Hier in Istanbul tragen die Frauen in den Führungsetagen schon mal bunte Miniröcke, Netzstrumpfhosen und tiefe Ausschnitte. Ein völliger Kontrast zu den verhüllten Frauen in der Altstadt Istanbuls ein paar hundert Meter den Bosporus hinunter. Und auch ein Kontrast zu den Führungsfrauen aus Deutschland, die eher in grauen Hosenanzügen gekleidet sind als in Miniröcken.

Kommentare (19)

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Ofelas

03.06.2013, 10:23 Uhr

Ich arbeite regelmaessig mit Unternehmen in der Tuerkei ansaessig in der WEst-Turkei, der Osten ist signifikant Konservativer, kann ich nur bestaetigen das Frauen dort sehr gut vertreten sind bis in hoechste Positionen. Ein Vergleich mit Suedeuropa oder D waere sehr interessant.

Account gelöscht!

03.06.2013, 10:23 Uhr

Dazu kann man nur sagen: herzlich willkommen in der EU !

Billyjo

03.06.2013, 11:41 Uhr

So oder ähnlich begann in allen arabischen Staaten, durch Unzufriedenheit und Forderungen der Einwohner der „Frühling,“ da scheint sich jetzt die Türkei einzureihen. Da muß doch die Frage erlaubt sein wann die bei uns lebenden türkisch/arabischen , meist ungebetenen „Gäste“ hier auf begehren gegen ihre Gastgeber und die „Frühlinsgefühle“ nach Europa und somit auch nach Deutschland herüber Schwappen. Ihre „geistigen“ Führer, Kolat und Co sind ja auch nur von uns am Fordern ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Ich denke wir sollten (der Staat) auf der Hut sein und uns diese Art „Frühling“ ersparen.

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