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29.03.2012

15:36 Uhr

Protokoll des Selbstversuches

Das Coaching-Projekt der Redaktion

Handelsblatt Online macht den Praxis-Test: Zwei Mitarbeiter der Symbiont Group coachen die sieben Mitglieder des Unternehmens-Ressorts über neun Monate hinweg. Was es gebracht hat? Das Protokoll des Selbstversuchs.

Die zwei Coaches kommen alle vier bis sechs Wochen in die Handelsblatt-Redaktion.

Die zwei Coaches kommen alle vier bis sechs Wochen in die Handelsblatt-Redaktion.

DüsseldorfIm Dezember geht es los. In ersten Telefonaten verabreden sich Coach und Ressortleitung zu einem ersten Treffen im Januar, um unter vier Augen über Details sprechen zu können.

18. Januar 2012

Abgesehen von einigen groben Beschreibungen hat es noch keine konkrete Schilderung der Redaktionsabläufe vor dem ersten Treffen gegeben. Entsprechend bitten die zwei Mitarbeiter der Symbiont Group, Thomas Schulte und Ulrike Faber, den Ressortleiter des Unternehmensteams von Handelsblatt Online, Thorsten Giersch, die Abläufe und Herausforderungen der Alltagsarbeit zu beschreiben.

Da ist man schnell bei den Erwartungen an das Projekt. Und die Coaches erkennen an, dass die Aufgaben des Ressorts äußerst umfangreich sind und eine intelligente und effiziente Organisation mit der wachsenden Zahl von Mitarbeitern alles andere als einfach zu erreichen ist.

Es folgen die üblichen Checklisten zum Start eines Coaching-Projektes. Die Symbiont-Mitarbeiter erfragen, wer der "Sponsor" ist, also welche Personen konkret verantwortlich ist für die Umsetzung des Projektes bei Handelsblatt Online. Daraufhin ergeht an ihn ein Organisationsauftrag.

In einem weiteren Schritt überprüfen Schulte und Faber, ob das Projekt überhaupt „coachingrelevant“ ist, also ob sich ein Coaching überhaupt anbietet oder nicht doch eine klassische Beratung oder ein Training besser geeignet ist. Außerdem stellen sie sicher, dass der Auftrag „signifikant“ ist, sprich wichtig genug und dann wurde der notwendige Eigenanteil der Handelsblatt-Redakteure definiert.

Jetzt kann es ans Eingemachte gehen: Die Coaches fragen ab, welche Ziele das Projekt konkret verfolgt – und zwar in drei Kategorien. Die „Ziele der Organisation“ (Handelsblatt Online), die „Ziele des Teilbereichs“ (Ressort Unternehmen & Märkte) und die „Persönlichen Ziele“ (sechs Mitarbeiter des Ressorts).

Entscheidend ist, dass jedes Ziel auch belegbar ist. Schulte und Faber fragen dezidiert nach, wie wir feststellen können, ob das Ressort der Zielerreichung nähergekommen ist. Das hört sich gerade bei einem Medienunternehmen bisweilen einfacher an als es ist. Schließlich sind nicht alle Kriterien so hart und messbar wie zum Beispiel die Anzahl der Klicks.

Desweiteren definieren die Handelsblatt-Online-Redakteure auf einer Skala von 1 bis 10 den jetzigen Zustand bei der Zielerreichung sowie den gewünschten Soll-Wert. Der muss nicht automatisch immer bei zehn liegen. Manche Ziele sind in sechs bis neun Monaten nicht vollständig zu erreichen – da geht es auch darum, realistische Ziele anzuvisieren.

Als letztes definieren die beiden Parteien die konkreten nächsten Schritte. Dazu gehört eine Telefonkonferenz in einer Woche, unter anderem mit den Ergebnissen der Abstimmung zwischen dem Unternehmens-Ressort von Handelsblatt Online und der Chefredaktion.

27.1. 2012

Halbstündiges Telefonat zwischen den drei Projektverantwortlichen der Redaktion (Sponsoren) und Symbiont zur Überprüfung und exakten Absprache inklusive der Terminplanung für die Einzelgespräche.

 

3.2. 2012

Erste Einzelgespräche mit Ressortleiter und Stellvertreter.

Der Coach fragt sehr präzise nach den persönlichen Zielen, Priorisierung und Inkongruenzen. Alle fünf wesentlichen Ziele des Mitarbeiters gleichzeitig zu erreichen, klappt nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Diese werden in dem Gespräch identifiziert. In dem sehr ehrlich geführten Telefonat geht es vor allem um die Motivation des Mitarbeiters: Warum ist das eine Ziel wichtiger als das andere? Was steckt genau dahinter? Zudem hakt der Coach immer wieder nach bei der Frage nach der Erfolgsmessung des Coachings am Ende: „Unter welchen Bedingungen sagen Sie nachher, es hat sich für Sie gelohnt?“

24.2.2012

Halbtägiger Besuch der zwei Coaches in der Redaktion mit Einzelgesprächen.

Das Feedback der Kollegen fällt durchaus unterschiedlich aus. Es wird viel über die Gefühlswelt im Arbeitsalltag gesprochen – und es fällt nicht allen Mitarbeitern leicht, sich gegenüber dem Coach richtig zu öffnen. Bei den folgenden Sitzungen klappt das schon sehr viel besser.

Bei denen, die offen mit den beiden Coaches sprechen, ist das Feedback am positivsten. Tatsächlich kommen sie in den Gesprächen auf Ideen – und stoßen nicht zuletzt auf eigene Fehler – auf die sie bisher nicht kannten. Die Selbstreflexion gegenüber einem Außenstehenden ist man schließlich kaum gewohnt. Umso hilfreicher ist die Stunde.

Die Coachees geben konkrete „Hausaufgaben“ mit auf den Weg: tägliche Übungen, mit denen die gemeinsam festgelegten konkreten Ziele leichter erreicht werden können. Ganz nach dem Motto: Trial and Error. Fertige Lösungen gibt es keine. Schließlich sollen die Mitarbeiter lernen, selber welche zu finden. Das soll sich zum Großteil auszeichnen.

 

9.3.2012

Ein rund einstündiges Telefoncoaching mit Ressortleiter und Stellvertreter.

Zunächst gibt es vom Coach die übliche Frage, welches Ergebnis erzielt werden soll. Obwohl unvorbereitet, ergeben sich rasch konkrete Vorhaben. Da in der kommenden Woche zufällig die Jahresgespräche auf dem Programm stehen, werden diese intensiv vorbereitet. Es geht vor allem um die Frage, wie die neuen Mitarbeiter selbstständiger arbeiten, ohne das Gefühl zu haben, auf sich allein gestellt zu sein bzw. dass der Ressortleiter für sie nicht ständig ansprechbar ist.

Dabei geht es um generelle Fragen, aber auch um Konkretes wie die Kommunikation untereinander im Alltag: Wie geht man mit ständigen Ablenkungen um? Wie verhindert gerade eine Führungskraft, dass sie stören

29.3.2012

Besuch in der Redaktion und persönliches Coaching.

In den Einzelgesprächen geht es da weiter, wo man beim ersten Treffen vor rund fünf Wochen aufgehört hat. Wieder fragen die Coachees nach konkreten Erwartungen an das Treffen und verfolgen diese – trotz so mancher gewinnbringender Ausschweifung – konsequent bis zum Ende. Der höhere Redeanteil ist dabei wie schon beim ersten Treffen deutlich auf Seiten des Redakteurs.

Schulte und Faber scheuen sich nicht, ihren Eindruck vom Mitarbeiter offen zu sagen „zu viel Adrenalin“, „Risiko Burnout, wenn es so weiter geht“. Tipps zur sinnvollen Reflexion helfen dem einen oder anderen Mitarbeiter genauso weiter wie der Hinweis, wie man Ineffizienzen zulässt.

10.5.2012

Die nächste Sitzung fand an einem besonders hektischen Tag statt: Mitten in der Quartalssaison und angesichts der zahlreichen Hauptversammlungen stand das Unternehmensressort an diesem Donnerstag extrem "unter Dampf". Entsprechen war trotz der vorhandenen Gesprächsthemen in den Sitzungen ein Gefühl vorhanden, dass es gerade "ein wenig stört".

Umso erstaunlicher war, dass alle Redakteure nach den Sitzungen befanden, dass sich die individuellen Gespräche in höchstem Maße gelohnt haben. Ein Kollege, der mit Herrn Schulte sehr zufrieden war, sprach diesmal mit Frau Faber. Diese Abwechslung tat ihm sehr gut und war lohnenswert.

Die Inhalte der Gespräche waren sehr persönlicher Natur und entsprechend unterschiedlich. Die Kollegen, die seit Januar bzw. Februar dem Ressort angehören sprachen mit den Coaches über die Erfahrung, dass die erste Euphorie vorbei ist und erste Gewöhnungseffekte einsetzen. Vor allem ging es aber um das optimale Miteinander und effiziente Arbeitsabläufe, die jedem Mitarbeiter langfristig voranbringen.

15.6.2012

So ein Schreck! Am 14.6.2012, um 10:32 Uhr, erreicht mich eine E-Mail von Ulrike Faber: „Guten Morgen Frau Groh-Kontio, kurze Nachfrage zu unserem Telefoncoaching. Wir hatten dies ab 10:00 Uhr vereinbart. Passt Ihnen noch dieser Termin? Kann und soll ich Sie anrufen? Viele Grüße.“ Dabei war es doch ein erklärtes Ziel, sich in Zukunft besser zu organisieren, damit man auch immer schön den Überblick behält.

Zum Glück ist Frau Faber flexibel und wir verschieben kurzerhand den Termin um einen Tag. Besonders ist diesmal auch die Tatsache, dass wir telefonieren und uns nicht gegenüber sitzen. Deswegen verläuft die Coaching-Sitzung aber nicht schlechter. Obwohl mein Cortisolspiegel an diesem Tag einen humanen Grenzwert längst überschritten hat. Auch ein anderer Kollege wird per Telefon gecoacht und kann nachher nur Positives berichten.

Unterm Strich wieder ein enorm bereicherndes Gespräch. Auch wenn es am Ende etwas hektisch war, sich am letzten Tag vor dem Urlaub aus dem Redaktions-Trouble zurück zu ziehen. Wo doch noch so viel organisiert werden musste! Lektion des Tages: Loslassen! Und darauf vertrauen, dass in meiner Abwesenheit alles glatt läuft mit dem Special, das ich betreue. Außerdem: Abschalten. Mal wirklich off sein. Keine Arbeitsmails im Urlaub, auch dann nicht, wenn der Urlaub vorbei ist und man am Abend vor dem ersten Arbeitstag zu Hause auf dem Sofa sitzt. Dafür, und da gehört es hin, muss in der Redaktion die Zeit sein. 3000 Mails - davon am Ende nur vier wirklich relevant. Ressourcen-Management nenne ich das immer. Gut haushalten mit den Kräften - auch dafür bekomme ich von Frau Faber sehr viele anregende Ideen und Tipps.

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