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18.01.2007

07:10 Uhr

Prozess gegen Peter Hartz

Kurz und schmerzlos

VonJan Keuchel

Im Prozess um die Lustreisen bei Volkswagen bleiben Peter Hartz die Aussagen von Huren erspart. Die Justiz hat sich mal wieder auf einen Deal eingelassen - und der ehemalige VW-Arbeitsdirektor dürfte mit einer milden Strafe davonkommen. Was im Gerichtssaal vorgefallen ist.

Peter Hartz darf mit einem milden Urteil rechnen, hat er doch gestanden. Foto: dpa ap

Peter Hartz darf mit einem milden Urteil rechnen, hat er doch gestanden. Foto: dpa

BRAUNSCHWEIG. Es muss nicht Schanghai, New York oder London sein. Auch in weniger hippen Städten findet man sie längst, im niedersächsischen Braunschweig zum Beispiel. Dort bieten auf Esoterikmessen "Aura-Fotografen" ihre Dienste an, Männer und Frauen, die anhand von Fotos die Befindlichkeit der Abgebildeten erkennen können. Wer sich ablichten lässt, muss dazu nur auf einer Art elektrischem Stuhl Platz nehmen. Die Verbindung der Kamera mit den Wärmeströmen des Körpers ergibt dann das farbige Bild, das Herz-, Magen- oder Beziehungsprobleme offenbaren soll.

Um die Aura von Peter Hartz am Mittwochmorgen zu ergründen, benötigt man ihre Dienste allerdings nicht. Nicht nur, weil sich über 20 Fotografen und Kameraleute so eng an ihn pressen, dass sie seine Körpertemperatur per Handauflegen bestimmen könnten. Schon ein Blick auf den angeklagten ehemaligen Personalvorstand von Volkswagen genügt, um zu erkennen: Der 65-Jährige steht unter Strom. An jedem anderen Ort der Welt wäre er jetzt lieber.

Es ist 9.40 Uhr, im Saal 141 des Braunschweiger Landgerichts herrscht Tumult, Peter Hartz versucht ein Lächeln für die Fotografen, den üblichen Scherz mit den Anwälten zur Entspannung der verkrampften Gesichtsmuskeln. Doch mehr geht nicht. Dann kehrt er wieder zurück in seine Welt des starren Blicks.

Noch muss er durchhalten, möglichst alles wie hinter einem Vorhang an sich vorbeiziehen lassen. Und wenn alles glatt läuft, dann geht die Taktik seines Anwalts auf. Dann wird die Akte Hartz schon bald wieder geschlossen - zumindest vorerst.

Die Akte Hartz, das sind Prostituierte und Viagra auf VW-Kosten, das ist die Veruntreuung von 2,6 Millionen Euro aus der Konzernkasse. Die Akte Hartz, das ist zugleich aber auch ein Lehrstück: für den problematischen Umgang der Justiz mit umfangreichen Wirtschaftsstrafverfahren.

Das Erwartete passiert zwei Stunden später. "Eine Urteilsabsprache kommt in Betracht", sagt Gerstin Dreyer, Vorsitzende Richtern der 6. Großen Strafkammer. Eine nüchterne Formulierung für eine umstrittene Vorgehensweise: Die Justiz lässt sich auf einen Deal ein - mal wieder, wie schon beim kürzlich beendeten Mannesmann-Verfahren.

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