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30.10.2014

10:45 Uhr

Prozess gegen von Krockow, Oppenheim & Co.

Ex-Führung von Sal. Oppenheim drohen Haftstrafen

Drei Ex-Manager der Bank müssen um ihre Freiheit zittern: Die Staatsanwaltschaft forderte in einem Zwischenfazit des Sal.-Oppenheim-Prozesses langjährige Haftstrafen. Zwei Angeklagte kämen aber wohl glimpflich davon.

Der ehemals persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, steht mit vier weiteren Ex-Managern und -Geschäftspartnern vor Gericht. Der Staatsanwaltschaft Köln zufolge droht von Krockow die höchste Strafe. dpa

Der ehemals persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, steht mit vier weiteren Ex-Managern und -Geschäftspartnern vor Gericht. Der Staatsanwaltschaft Köln zufolge droht von Krockow die höchste Strafe.

DüsseldorfDen früheren Bankern der Privatbank Sal. Oppenheim droht das Gefängnis. Im Strafprozess gegen die Ex-Führungsriege des Geldhauses hat die Staatsanwaltschaft Köln sich am Mittwoch erstmals über ein Strafmaß geäußert. Einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ zufolge fordert die Anklage mehrjährige Gefängnisstrafen für die früher persönlich haftenden Gesellschaft.

Besonders hart würde es demnach Matthias Graf von Krockow treffen. Der ehemalige Gesellschafter der Bank und frühere Sprecher müsste nach Aussage der Staatsanwaltschaft für vier bis viereinhalb Jahre hinter Gitter. Sein Ex-Kollege Friedrich Carl Janssen muss mit dreieinhalb bis vier Jahren rechnen. Der Bankierssohn Christopher von Oppenheim, ebenfalls einst Gesellschafter, müsste nach derzeitigem Stand für drei bis dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Nur der Manager Dieter Pfundt und der Immobilienunternehmer Josef Esch könnten noch mit Bewährung davon kommen. Pfundt hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Strafe von 15 bis 21 Monaten zu erwarten, bei Esch wären es sechs bis zwölf Monate.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die klare Ansage der Staatsanwaltschaft ist insofern bemerkenswert, weil in dem Verfahren bislang erst zwei von fünf Tatkomplexen behandelt wurden. Die Haftstrafen könnten nach der kompletten Beweisaufnahme und Zeugenbefragung also möglicherweise noch höher ausfallen. Bei den drei noch zu verhandelnden Themenkomplexen geht es um den Verstoß gegen das Kreditgesetz sowie zwei Immobilienprojekte in Köln. Die Staatsanwaltschaft will den Prozess mit ihrer Drohung offenbar abkürzen.

Die Anwälte wurden von dem Vorstoß der Staatsanwaltschaft überrumpelt. Zum „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte der Verteidiger von Christopher von Oppenheim, dass seinem Mandanten zuletzt eine Bewährungsstrafe von der Anklage in Aussicht gestellt worden sein. Dass die Staatsanwaltschaft nun von einer Verdoppelung der Strafe ausgehe, sei nicht nachvollziehbar.

Der Anwalt von Janssen hatte schon zuvor darauf hingewiesen, dass sein Mandant kein Interesse an einer Abkürzung des Prozesses habe.

Von

lih

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